Kleine Einsätze, grosse Wirkung
13.08.2026 FricktalBianca Möller aus Frick erklärt, wie Karma Lama Menschen für Freiwilligenarbeit begeistern will Freiwilligenarbeit muss nicht zeitaufwändig oder kompliziert sein. Mit kurzen, flexiblen Einsätzen möchte die Plattform Karma Lama mehr Menschen für ...
Bianca Möller aus Frick erklärt, wie Karma Lama Menschen für Freiwilligenarbeit begeistern will Freiwilligenarbeit muss nicht zeitaufwändig oder kompliziert sein. Mit kurzen, flexiblen Einsätzen möchte die Plattform Karma Lama mehr Menschen für gesellschaftliches Engagement gewinnen. Warum gerade das Fricktal grosses Potenzial hat, erklärt Bianca Möller aus Frick im Gespräch mit fricktal.info.
Sonja Fasler
fricktal.info: Frau Möller, Sie wohnen in Frick und engagieren sich für Karma Lama. Was hat Sie persönlich motiviert, sich für freiwilliges Engagement einzusetzen?
Bianca Möller: Ich habe mich selbst eine Zeit lang freiwillig in der Bewerbungshilfe für Schülerinnen und Schüler engagiert. Einerseits, weil ich gerne helfe und es mir wichtig ist, dass möglichst alle jungen Menschen faire Chancen erhalten. Andererseits konnte ich dort auch meine eigene Erfahrung einbringen: Ich habe rund zehn Jahre im HR gearbeitet und konnte Jugendliche ganz konkret bei Bewerbungen, Lebensläufen oder der Vorbereitung auf Gespräche unterstützen. Was mir dabei besonders geblieben ist: Freiwilliges Engagement gibt nicht nur anderen etwas, sondern auch einem selbst. Man merkt direkt, dass die eigene Zeit, Erfahrung oder Aufmerksamkeit für jemanden einen Unterschied machen kann. Karma Lama hat mich deshalb sofort überzeugt. Ich kenne die beiden Gründer, Sabrina Trachsler und Christian Schefer aus Zürich, schon länger und finde den Ansatz sehr stark. Freiwilligenarbeit ist in der Schweiz enorm wichtig, weil viele gesellschaftliche Aufgaben nur dank freiwilligem Engagement überhaupt möglich sind. Gerade heute, wo oft über Spaltung und Individualisierung gesprochen wird, finde ich es umso wichtiger, etwas für die Gemeinschaft zu tun und Begegnungen zu schaffen. Für mich ist Karma Lama ein einfacher und zeitgemässer Weg, dies zu ermöglichen.
Karma Lama ist noch eine junge Plattform. Wie ist die Idee entstanden und welches Ziel wird verfolgt?
B.M.: Die Idee hinter Karma Lama ist aus der eigenen Beobachtung von Sabrina Trachsler und Christian Schefer entstanden: Sie wollten sich engagieren, fanden aber keinen passenden Einstieg. Oft sind Angebote schwer auffindbar, Erwartungen unklar oder ein Engagement wirkt auf den ersten Blick sehr verbindlich. Gleichzeitig suchen viele Vereine und gemeinnützige Organisationen dringend Unterstützung. Karma Lama schliesst genau diese Lücke. Freiwillige können unkompliziert passende Einsätze entdecken, sich anmelden und ausprobieren, was zu ihnen passt. Gleichzeitig erhalten Organisationen einen zusätzlichen Kanal, um ihre Angebote sichtbar zu machen und neue Zielgruppen zu erreichen.
Wo steht Karma Lama heute und wie viele Nutzer bzw. Freiwillige gibt es mittlerweile?
B.M.: Karma Lama ist als Schweizer Plattform aufgebaut und digital schweizweit nutzbar. Gleichzeitig wächst Freiwilligenarbeit immer auch regional. Deshalb bauen wir die Plattform Schritt für Schritt dort aus, wo Organisationen, Gemeinden und Freiwillige konkret zusammenkommen. Bisher war Karma Lama vor allem in Zürich stark vertreten, mittlerweile kommen weitere Regionen dazu – unter anderem der Aargau, Zug, Luzern und das Fricktal. Heute sind bereits über 2000 Freiwillige auf Karma Lama registriert. Fünzig Prozent davon ist zwischen 18 und 34 Jahre alt. Allein im Jahr 2025 sind 830 neue Freiwillige und 26 neue Organisationen dazugekommen. Für eine junge Plattform ist das ein starkes Signal – und gleichzeitig erst der Anfang.
Karma Lama ist als gemeinnützige Plattform unterwegs. Wie finanziert sich das Angebot?
B.M.: Karma Lama ist gemeinnützig aufgebaut. Für Freiwillige ist die Nutzung kostenlos. Das ist uns wichtig, damit der Einstieg ins Engagement möglichst einfach bleibt. Finanziert wird Karma Lama über verschiedene Säulen. Dazu gehören Förderbeiträge von Stiftungen und Partnern, Kooperationen sowie Beiträge von Organisationen, die die Plattform nutzen. Sie können über Abos Einsätze veröffentlichen und Freiwillige erreichen. Zudem bieten wir Schulungen und Beratungen für Organisationen an, die ihre Freiwilligenarbeit modern aufstellen möchten. Aktuell bauen wir auch Firmenpartnerschaften auf, unter anderem im Bereich Corporate Volunteering, um Unternehmen dabei zu unterstützen, ihren Mitarbeitenden freiwilliges Engagement zu ermöglichen. Unser Ziel ist es, ein langfristig tragfähiges Modell aufzubauen und unsere Wirkung nachhaltig auszubauen. Die Plattform soll für Freiwillige niederschwellig bleiben und Organisationen gleichzeitig professionell unterstützen. Denn gute Freiwilligenarbeit braucht nicht nur gute Absichten, sondern auch klare Prozesse, Sichtbarkeit und einfache digitale Lösungen.
Viele Vereine und gemeinnützige Organisationen suchen händeringend nach Freiwilligen. Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen – gerade im Fricktal?
B.M.: Ich glaube, die Herausforderung im Fricktal ist ähnlich wie in vielen anderen Regionen: Es gibt sehr viel Engagement, starke Vereine und wichtige Organisationen. Gleichzeitig wird es schwieriger, Menschen langfristig und verbindlich zu gewinnen. Viele haben einen vollen Alltag, arbeiten unregelmässig, haben Familie oder möchten sich nicht sofort für eine feste Rolle verpflichten. Das heisst aber nicht, dass die Menschen nicht helfen möchten. Oft fehlt einfach der passende Einstieg. Viele wissen nicht, wo Unterstützung gebraucht wird oder dass sie auch einmalig oder punktuell mithelfen können. Gerade für Vereine ist das anspruchsvoll. Sie leisten sehr viel, haben aber häufig wenig Zeit, ihre Einsätze attraktiv zu beschreiben, digital sichtbar zu machen und neue Zielgruppen anzusprechen. Hier kann Karma Lama helfen: Wir machen Engagementmöglichkeiten verständlich und leicht zugänglich – auch für Menschen, die bisher nicht in einer Vereinsstruktur aktiv waren. Dabei arbeiten wir eng mit unseren Partnerorganisationen zusammen und unterstützen sie bei der Gestaltung ihrer Einsätze.
Sie sagen, junge Menschen seien nicht weniger engagiert, sondern engagierten sich anders. Was beobachten Sie konkret?
B.M.: Wir beobachten, dass viele junge Menschen durchaus bereit sind, sich freiwillig zu engagieren. Sie möchten aber zuerst verstehen, worum es geht, wie viel Zeit es braucht und ob die Aufgabe zu ihnen passt. Der Einstieg muss klar und machbar sein. Früher war es vielleicht selbstverständlicher, einem Verein beizutreten und sich über Jahre zu engagieren. Heute funktioniert Engagement oft anders. Viele möchten zuerst reinschnuppern, punktuell mithelfen oder einen konkreten Einsatz übernehmen. Fällt diese erste Erfahrung positiv aus, kann daraus durchaus ein längerfristiges Engagement entstehen. Deshalb sehen wir kurzfristige Einsätze nicht als Konkurrenz zum klassischen Vereinsengagement. Im Gegenteil: Sie können der erste Schritt sein. Wer erlebt, dass freiwilliges Engagement Freude macht, Sinn stiftet und gut organisiert ist, kommt eher wieder oder engagiert sich später langfristig.
Karma Lama setzt auch auf kurzfristige und flexible Einsätze.
Welche Vorteile bietet dieses Modell – sowohl für Freiwillige als auch für die Organisationen?
B.M.: Für Freiwillige ist der Vorteil klar: Sie können Engagement ausprobieren, ohne sich sofort langfristig festlegen zu müssen. Ein Einsatz kann zwei Stunden, einen Nachmittag oder einen Tag dauern. Das macht den Einstieg einfacher. Auch für Organisationen ist das wertvoll. Viele brauchen nicht nur langfristige Unterstützung, sondern auch punktuelle Hilfe – etwa bei einem Anlass, einem Fahrdienst, einem Ausflug oder im Hintergrund. Solche Einsätze eignen sich gut, um neue Menschen kennenzulernen. Wichtig ist aber: Kurzfristig heisst nicht unverbindlich. Ein guter Einsatz braucht klare Informationen, eine gute Vorbereitung und realistische Erwartungen. Dann profitieren beide Seiten: Die Freiwilligen wissen, was sie erwartet, und die Organisationen erhalten Unterstützung, die wirklich hilft.
Wie funktioniert die Plattform?
B.M.: Der Einstieg ist sehr einfach. Auf der Plattform von Karma Lama können Interessierte nach passenden Freiwilligeneinsätzen suchen. Die Einsätze sind nach Thema, Ort, Zeitaufwand und Art der Aufgabe beschrieben und filterbar. Wenn mich ein Einsatz interessiert, sehe ich direkt, worum es geht, was von mir erwartet wird und welchen Beitrag ich leisten kann. Danach kann ich mich registrieren und mich für den Einsatz anmelden oder bewerben – je nachdem, wie die Organisation ihn ausgeschrieben hat. Anschliessend wird die Organisation informiert und die weiteren Details werden geklärt. Unser Ziel ist, dass Freiwillige schnell und unkompliziert einen passenden Einsatz finden.
Im Fricktal nutzen bereits Organisationen wie der Vogelpark Ambigua, die Katholische Kirche Oberes Fricktal oder das Netzwerk Asyl Aargau Ihre Plattform. Welche Rückmeldungen haben Sie bisher erhalten und welche Ziele haben Sie für die Region?
B.M.: Wir stehen im Fricktal noch am Anfang, aber genau das macht die Region für uns spannend. Es gibt hier viele Vereine, soziale Organisationen und lokale Initiativen, die wichtige Arbeit leisten. Gleichzeitig merken wir, dass der Bedarf an zusätzlicher Sichtbarkeit und neuen Freiwilligen gross ist. Die bisherigen Kontakte zeigen uns, dass Organisationen offen für neue Wege sind, wenn diese einfach, realistisch und mit wenig Zusatzaufwand verbunden sind. Viele wissen genau, wo sie Unterstützung brauchen. Was oft fehlt, ist ein unkomplizierter Weg, diese Möglichkeiten sichtbar zu machen und Menschen ausserhalb des bisherigen Vereinsumfelds zu erreichen. Unser Ziel ist, Karma Lama im Fricktal als zusätzlichen Zugang zum freiwilligen Engagement zu etablieren. Wir möchten mehr lokale Organisationen sichtbar machen, mehr Menschen für konkrete Einsätze gewinnen und zeigen, dass freiwilliges Engagement unkompliziert und alltagstauglich sein kann.
Zum Schluss: Was möchten Sie den Menschen im Fricktal mit auf den Weg geben, die sich zwar engagieren möchten, bisher aber noch keinen passenden Einstieg gefunden haben?
B.M.: Ich würde ihnen sagen: Man muss nicht sofort ein grosses Ehrenamt übernehmen, um etwas Sinnvolles zu tun. Viele warten auf den perfekten Moment oder denken, sie müssten besondere Fähigkeiten mitbringen. Das stimmt oft gar nicht. Manchmal braucht es einfach jemanden, der mit anpackt, zuhört, begleitet oder bei einem Anlass mithilft. Wer sich engagieren möchte, soll es einfach ausprobieren. Gerade im Fricktal gibt es viele Organisationen und Vereine, die wertvolle Arbeit leisten und sich über Unterstützung freuen. Karma Lama soll diesen ersten Schritt erleichtern: reinschauen, einen passenden Einsatz finden und erleben, dass Engagement nicht kompliziert sein muss.


