Keramik, gutes Essen, herzliches Miteinander
07.05.2026 LaufenburgKeramikcafé wird seit Jahren von Nika Schudel und Martin Suter geführt. Zeit für einen Besuch
Im Sommer ein Bijou mit Rheinblick, im Winter ein gemütliches Café mit Wohnzimmer-Charme. Seit 2012 gibt es das Café an der Unteren Wasengasse, und auch wenn die Inhaber immer mal wieder aufhören wollten, sie können doch nicht ohne. Eine junge Afghanin ist daran nicht ganz unschuldig.
Andrea Worthmann
Betritt man das Keramik-Café von Nika Schudel und Martin Suter, hat man zunächst das Gefühl, in einem privaten Haus zu sein. Mehrere Kuchen duften auf dem Tisch gleich neben dem Eingang, und weiter hinten steht ein grosser Tisch, hübsch dekoriert, für die Gäste.
Ende letzten Jahres war eigentlich das Aus für das Café beschlossen. Die beiden wollten etwas kürzer treten, schliesslich war freitags und samstags Betrieb, und es musste einiges vorbereitet werden. Wenige Monate später öffnete das Café jedoch wieder die Haustür an der Unteren Wasengasse, wenn auch derzeit nur noch samstags. Neben den selbstgebackenen Kuchen und Wähen von Nika Schudel gibt es auch einen Salatteller und Suppe. Je nach Lust und Laune bereitet Martin Suter auch mal ein Risotto oder ein Pastagericht vor. «Für uns ist es wichtig, mit Personen aus aller Welt in Kontakt zu treten, und Nika mag diese Art und Weise, mit den Leuten zusammen zu sein. Basira ist ein Teil davon», sagt Martin Suter.
Freundschaft trifft soziale Arbeit
Die junge Afghanin Basira und ihre Tochter Asal sind samstags auch im Café anzutreffen. Dort hilft sie beim Bedienen und lernt gleichzeitig die Interaktion mit den Menschen in deutscher Sprache. Ausserdem wird ihr von der Laufenburgerin Trudi Hofer, die man durchaus als Stammgästin bezeichnen kann, Deutschunterricht gegeben, während sich Martin Suter liebevoll um die kleine Asal kümmert. «Trudi bringt Basira die deutsche Sprache bei und wir ihr das Leben hier», sagt Suter und lacht. Basira ist Anfang 20 und vor gut drei Jahren in die Schweiz gekommen. Ihr Ehemann, seit 2015 in der Schweiz, brachte sie mit aus Afghanistan. Nika Schudel und Martin Suter kümmern sich gerne um sie, halfen ihr, sich einzugewöhnen und Deutsch zu sprechen, so dass Basira nun mit den Gästen reden kann, aber auch in der Küche hilft. «So lernt sie auch unsere Kultur besser kennen», erklärt Suter.
Jedes Jahr hat das Paar darüber nachgedacht, das Café zu schliessen oder eine längere Pause zu machen. «Aber jetzt, wo wir Basira haben, machen wir weiter, so lange sie am Samstag Zeit hat», sagt Nika Schudel bestimmt. Die fast zweijährige Asal bezeichnen die beiden als ihren «Sonnenschein». Sie schwärmen regelrecht von dem kleinen Mädchen und möchten, dass es Basira und ihrer Tochter gut geht. Aus dem sozialen Engagement ist Freundschaft geworden.
Vom Baselbiet und Solothurn nach Laufenburg
Nika Schudel kam 1985 mit Anfang 40 aus dem Baselbiet nach Laufenburg. Als Keramikkünstlerin stellte sie ihre Werke regelmässig auf Märkten in Basel aus und traf dort Leute, die ihr sowohl ein Haus zum mieten als auch einen Ausstellungsort in Laufenburg in Aussicht stellten. Zu dem Zeitpunkt war sie gerade auf der Suche nach neuen Perspektiven, und so ergab es sich dann, dass sie das Haus, in dem sich heute das Café befindet, kaufen, ihre Keramik verkaufen und eine Töpferei einrichten konnte. Viele Jahre gab sie auch Töpferkurse.
Martin Suter, gelernter Schriftsetzer aus dem Solothurnischen, kam 1991 nach Laufenburg und wohnte zunächst in der Marktgasse. Durch gemeinsame Bekannte lernten sich die beiden kennen und wurden ein Paar. Das Haus an der Unteren Wasengasse wurde dann durch Martin Suter renoviert und ein zweites nebendran gekauft.
Die Karriere als Schriftsetzer beendete Martin Suter und arbeitete anschliessend nicht mehr in einer Anstellung, sondern setzte seine Arbeitskraft in verschiedenen Bereichen, vor allem aber im Bereich der Renovierungen, ein. Der Kontakt zu Menschen bei Bioland brachte ihn zum Gemüsehandel, und er organisierte ab ca. 1996 für 25 Jahre einen Markt in Laufenburg auf dem Platz beim früheren Grundbuchamt. Er wurde zum Tausendsassa. Ein bisschen Gartenarbeit, Renovierungen und Marktorganisation. «Es gab genug zu tun für mich in Laufenburg», sagt Suter und lacht.
Wegen Strassenbauarbeiten an der Unteren Wasengasse zog der Keramikladen dann an den Laufenplatz und eröffnete dort 2010 «Handwerk und Kunst». Mit von der Partie: ein Schreiner, der Möbel restaurierte, bildende Künstler sowie wechselnde Ausstellungen, Lesungen und ein Café. Zwei Jahre später war der Strassenumbau beendet, und Nika Schudel und Martin Suter zügelten ins eigene Haus zurück. Mit dabei die Kaffeemaschine aus dem Café am Laufenplatz, was dazu führte, von diesem Zeitpunkt an auch am ursprünglichen Standort ein Café einzurichten. Die Räumlichkeiten wurden umgebaut, und das Keramikcafé ging ab 2012 in Betrieb. Anfänglich noch mit mehreren kleinen Tischen für Gäste, wurden diese durch einen grossen Tisch ersetzt. Dieser steht bis heute im Café und bietet Platz für zehn bis zwölf Gäste. «Das war viel besser als mit den Einzeltischen», sagt Nika Schudel, «da haben die Leute sich nur angeschaut und nicht miteinander geredet», ergänzt Suter.
Engagement für eine naturfreundliche, autofreie Altstadt
Mit diesem Konzept ergeben sich immer Gespräche mit und unter den Gästen, die sowohl Touristen als auch Stammgäste sind. Oft wird über Laufenburger Themen diskutiert. Das Paar wünscht sich die Stadt in einer guten, zukunftsfähigen, menschen- und naturfreundlichen Form. Es ist kein Geheimnis, dass beide in diesem Kontext sehr engagiert für eine parkplatzfreie Altstadt kämpfen. Sie wünschen sich viele Bäume, möglichst unversiegelte Flächen und mehr Platz für natürliche Ruheplätze. Jährlich am internationalen PARK(ing)-Day demonstrieren die beiden mit einem Banner und Picknicktisch auf Parkplätzen in der Unteren Wasengasse, um so öffentlich auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.
Als regelmässiger Gast im Café schätzt Trudi Hofer die guten Diskussionen und Zufallsbegegnungen sehr. Ausserdem schwärmt sie von den feinen Speisen im Café. «Man ist immer willkommen, und auch mit Touristen, die reinspazieren, knüpft Martin sofort Kontakt und fragt gerne, wo die Menschen herkommen und was sie nach Laufenburg gebracht hat.» Das komme gut an. Für Trudi Hofer ist es ausserdem ein Ort, an dem sie soziale Kontakte pflegt. Nicht nur sie hofft, dass sie weiterhin das Keramik-Café, in dem Gemeinschaft und Miteinander lebendig wird, geniessen kann.


