Kein Bedarf für zwei neue Mittelschulen?

  18.06.2026 Aargau

Neue Schülerprognosen beeinflussen Mittelschulplanung

Die Berücksichtigung neuster Schülerprognosen kann aus Sicht des Regierungsrats zu einer Neuausrichtung der Mittelschulplanung führen: Ein neuer Standort in Lenzburg oder Windisch ist Mitte der 2030er-Jahre zwar nach wie vor dringend notwendig, der Bedarf für eine zweite Schule ist aktuell jedoch – auch wegen KI – unklar.

Die tiefe Geburtenrate führt zu einem geringeren Anstieg der Schülerzahlen als vor einigen Jahren erwartet. Der Regierungsrat hat in der Antwort auf die Interpellation betreffend Schülerzahlentwicklung und der Notwendigkeit von zwei neuen Mittelschulstandorten die räumliche Entwicklung der Mittelschulen neu beurteilt und dabei die aktuellen Schülerprognosen berücksichtigt.

Schülerzahlen wachsen langsamer
Gemäss den Neuberechnungen ist insgesamt weiterhin mit steigenden Lernendenzahlen an den Aargauer Mittelschulen zu rechnen. Eine aktuell tiefe Geburtenrate steht einem überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum im Aargau und einer leicht steigenden Maturitätsquote gegenüber. Der zu erwartende Anstieg verläuft jedoch tiefer als dies bei der Festsetzung von Lenzburg und Windisch als neue Mittelschulstandorte im Sommer 2024 noch prognostiziert worden war. Die aktualisierte Analyse macht deutlich, dass die Schaffung von weiteren Schulraumkapazitäten zum Abbau der bestehenden Überauslastungen dringend notwendig bleibt. Die sich in Planung und Umsetzung befindlichen Kapazitätserweiterungen in Baden, Stein und Wohlen müssen zügig realisiert werden. Auch die Inbetriebnahme eines neuen Standorts in Lenzburg oder Windisch Mitte der 2030er-Jahre, ist nach wie vor dringend notwendig. Übergangslösungen sind so lange nötig, bis der neue Standort in Betrieb genommen werden kann. Der Schulraumbedarf wächst danach moderat weiter und könnte mit einem Ausbau der Alten Kantonsschule Aarau (AKSA) per 2040 gedeckt werden. Falls das Wachstum danach gemäss aktueller Prognose weitergeht, wird anfangs der Fünfzigerjahre voraussichtlich ein neunter Mittelschulstandort im Mittelland erforderlich sein.

IMS und WMS unsicher
Im Bereich der Informatikmittelschule (IMS) und Wirtschaftsmittelschule (WMS) ist die künftige Entwicklung unsicher: Die Nachfrage nach diesen Ausbildungsgängen ist aufgrund der Digitalisierung und des Einsatzes von KI in dieser Branche unklar. Das Angebot seitens des Kantons ist deshalb zu überprüfen. Eine teilweise oder vollständige Aufhebung dieser Bildungsgänge in den 2030er-Jahren ist denkbar. Sollte dies der Fall sein, wäre der Bau eines neunten Mittelschulstandorts 2050 nicht mehr erforderlich. Allerdings ist schwer abschätzbar, ob eine Reduktion bei WMS/IMS zu einer Verlagerung in die Fachmittelschule oder ins Gymnasium führen würde. (nfz)


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