Kartoffeln stoppen das Wachstum, Rüben gehen in den Schlafmodus
24.07.2026 FricktalMais rollt seine Blätter ein, Kartoffelkraut wird schlaff und Zuckerrüben lassen ihre Blätter hängen. Die zweite Hitzewelle dieses Sommers traf auf anhaltende Trockenheit und setzte den Kulturpflanzen zu. Nicht die Hitze, sondern vor allem der Wassermangel wird zunehmend zum Problem.
...Mais rollt seine Blätter ein, Kartoffelkraut wird schlaff und Zuckerrüben lassen ihre Blätter hängen. Die zweite Hitzewelle dieses Sommers traf auf anhaltende Trockenheit und setzte den Kulturpflanzen zu. Nicht die Hitze, sondern vor allem der Wassermangel wird zunehmend zum Problem.
Während Menschen und Tiere Schatten aufsuchen oder sich im Wasser abkühlen können, sind Pflanzen ihrem Standort ausgeliefert. Um sich zu kühlen, verdunsten sie Wasser über ihre Blätter. Doch wenn Hitze und Trockenheit zusammentreffen, stossen sie an ihre Grenzen. «Die zweite Hitzewelle traf auf eine extreme Trockenheit – wobei die Trockenheit für den Ertragszuwachs der Pflanzen das grössere Problem ist», sagt Samuel Jenni von der Schweizer Zuckerrübenfachstelle.
Zuckerrüben schalten in den Überlebensmodus
Besonders auffällig waren die Zuckerrüben. An vielen Orten liessen sie tagsüber ihre Blätter hängen. Was dramatisch aussieht, ist zunächst eine natürliche Schutzreaktion. «Wenn die Rüben bei mehr als 30 Grad Celsius welken, ist das Eigenschutz», erklärt Samuel Jenni. Die Wildform der Zuckerrübe stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und verfügt über ein tiefreichendes Wurzelwerk. Auch die heutige Kulturrübe kann noch erstaunlich tief wurzeln. Unter günstigen Bedingungen reichen die Wurzeln bis etwa zwei Meter in den Boden. Bei anhaltender Trockenheit schalten die Pflanzen auf Sparflamme. Sie reduzieren ihr Wachstum, treiben keine neuen Blätter aus und legen diese sogar ab und sparen dadurch Wasser. Anders als Getreide haben Zuckerrüben jedoch einen wichtigen Vorteil: Sie können nach einer Trockenphase wieder neue Blätter bilden. «Die Rübe ist eine zweijährige Kultur», sagt Samuel Jenni. «Wenn wieder Regen fällt, kann sie sofort wieder austreiben», erklärt er. Allerdings kostet die Bildung neuer Blätter Energie und damit auch Ertrag und Zucker.
Kartoffeln besonders stark unter Druck
«Die Kartoffeln leiden stark unter der Hitze und der Trockenheit», sagt Lara Stamler, Geschäftsführerin der Vereinigung Schweizer Kartoffelproduzenten (VSKP). Besonders problematisch werden längere Perioden mit Temperaturen über 28 Grad Celsius, wenn die Nächte keine ausreichende Abkühlung mehr bringen. «Dann heizen sich die Dämme auf und es kommt zum Vegetationsstopp – auf den meisten Parzellen wachsen dann Kartoffeln nicht mehr richtig», so Lara Stamler.
Noch profitieren die Kartoffeln von den guten Pflanzbedingungen im Frühjahr, wodurch sich die Bestände vergleichsweise robust zeigen. Doch die frühen Hitzewellen im Juni und die zweite Trockenperiode werden sich nach Einschätzung der Produzentinnen und Produzenten auf die Erträge auswirken. Wie stark die Einbussen tatsächlich ausfallen, dürfte sich nach den Ertragserhebungen Mitte August zeigen.
Gemüsebau mit hohem Bewässerungsaufwand
Auch im Gemüsebau sorgte die Witterung für Herausforderungen. Besonders Blattkulturen wie Spinat, Fenchel oder Stangensellerie stehen unter Hitzestress. Die Folgen reichen von braunen Blatträndern über Innenbrand bei Eisbergsalat bis hin zum vorzeitigen Schossen einzelner Kulturen.
Bei Broccoli und Blumenkohl können zudem Qualitätsprobleme auftreten. Starke Sonneneinstrahlung beim Blumenkohl kann zu Sonnenbrand führen, der sich in gelblichen Verfärbungen der Köpfe zeigt.
Dank professioneller Beregnungsanlagen war die Situation für viele Gemüsebetriebe noch beherrschbar. Der Aufwand war allerdings sehr hoch, vor allem im Vergleich zu den letzten zwei Jahren.
Getreide zeigt ein gemischtes Bild
Beim Getreide fällt die Bilanz bislang unterschiedlich aus. Die Gerste scheint die Trockenheit vergleichsweise gut überstanden zu haben. Ihre Entwicklung war weitgehend abgeschlossen, bevor die letzte Hitzewelle einsetzte. «Wir sind je nach Region sieben bis zehn Tage früher als im Durchschnitt der letzten Jahre», sagt David von Wattenwyl, Präsident des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands. Erste Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Korngewichte nicht tiefer ausgefallen sind als üblich.
Bewässerung bleibt das wichtigste Mittel
Wo möglich, setzten die Landwirtinnen und Landwirte auf Bewässerung, dort wo Wasserentnahmen noch möglich waren. Besonders wertvolle und empfindliche Kulturen wie Kartoffeln, Karotten oder Gemüse wurden prioritär mit Wasser versorgt. Zuckerrüben stehen dagegen meist weiter hinten auf der Prioritätenliste. Der Grund sind die hohen Kosten. Laut Samuel Jenni kostet ein Bewässerungsgang rasch rund 300 Franken pro Hektare – ohne Arbeitszeit gerechnet. Zudem birgt Bewässerung Risiken: Sie kann Krankheiten wie beispielsweise die gefürchteten Blattpilze Cercospora fördern und muss bei Temperaturen über 30 Grad vorsichtig eingesetzt werden.
Andere Möglichkeiten gegen die extremen Wetterbedingungen gibt es kaum. «Ausser Wassergaben gibt es nichts», sagt Samuel Jenni.
(mgt)

