Jugendliche in der Trauer zusammenführen
11.09.2026 Fricktal«Kommen und schauen, was es mit einem macht», rät die Fricktaler Familientrauerbegleiterin Christine Kaufmann von Verlust betroffenen Jugendlichen in der Nordwestschweiz. Der «Truur-Träff» schliesst eine Lücke im Angebot und startet am 26. September in Aarau.
Simone Rufli
...«Kommen und schauen, was es mit einem macht», rät die Fricktaler Familientrauerbegleiterin Christine Kaufmann von Verlust betroffenen Jugendlichen in der Nordwestschweiz. Der «Truur-Träff» schliesst eine Lücke im Angebot und startet am 26. September in Aarau.
Simone Rufli
«Trauer ist ein Prozess, der über viele Jahre dauert.» Christine Kaufmann weiss, wovon sie spricht. In Eiken aufgewachsen, war die heute 43-jährige Fricktalerin 14 Jahre alt, als sie ihren Vater verlor. Als Familie mit der Situation überfordert, hätten sie einfach funktioniert, jeder für sich allein. «Die Aufarbeitung gelang mir erst im Erwachsenenalter.» Dieses lange Aufschieben, Überspielen und Unterdrücken von Gefühlen möchte sie anderen ersparen. Heute weiss sie: «Erinnerungsarbeit ist wichtig. Es geht darum, dem verstorbenen Menschen auf eine neue Weise einen Platz im Leben und in der eigenen Geschichte zu geben.»
In der Gruppe statt allein
Christine Kaufmann ist ausgebildete Familientrauerbegleiterin. Der «Truur-Träff» als Gruppen-Angebot, den sie zusammen mit zwei anderen Fachfrauen am 26. September zum ersten Mal und für Jugendliche aus der ganzen Nordwestschweiz anbietet, kann für sich oder ergänzend zu einer persönlichen Begleitung besucht werden. Denn aus ihrer Arbeit mit trauernden jungen Menschen weiss Christine Kaufmann: «Allein bei einer ‹Trauertante› über seine Gefühle zu reden, empfinden Jugendliche meist nicht als cool. Oft fällt es ihnen leichter, wenn sie sich mit Gleichaltrigen austauschen können.»
«Trauer muss an Schrecken verlieren», sagte Christine Kaufmann damals im Februar 2024, wenige Wochen nach Gründung des Vereins «trauern hilft» im Gespräch mit der NFZ. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie – eingebunden in ein wachsendes Netzwerk – daran, Trauer bei Kindern und Jugendlichen sichtbarer zu machen, die Trauernden mit Fachkompetenz und Einfühlungsvermögen zu unterstützen und ihnen den Zugang zu bestehenden Angeboten zu erleichtern. Mit dem jetzt neu lancierten «Truur-Träff», einer fachlich begleiteten Trauergruppe für Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren, wird eine Lücke im Angebot geschlossen.
Der «Truur-Träff» findet einmal im Monat statt, jeweils am Samstagnachmittag von 14 bis 16 Uhr, und richtet sich an Jugendliche, die einen nahestehenden Menschen verloren haben und in einem geschützten Rahmen Gleichaltrigen begegnen möchten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. «Wir bieten Raum für Austausch und Verständnis für all die Gefühle, die zur Trauer gehören.»
«Wir» das sind neben Christine Kaufmann die Trauerbegleiterinnen Sarah Früh und Zakia Curmally. Wie Kaufmann bringen auch die beiden Frauen eigene Erfahrungen im Umgang mit Verlusten und Trauer mit: Früh war 12 Jahre alt, als sie ihren Vater verlor, Curmally verlor ihren Stiefsohn durch Suizid.
Trauer zulassen und trotzdem lachen
«Truur-Träff» für Jugendliche – Fortsetzung
Fällt der Verlust in eine Lebensphase, in der Kinder sich von den Eltern abzulösen beginnen, ist der Austausch mit Gleichaltrigen besonders wertvoll, so die Erfahrung von Christine Kaufmann, Familientrauerbegleiterin mit Wurzeln im Fricktal.
Simone Rufli
«Wir wissen alle drei, wie wichtig es ist, Trauer, in welcher Form auch immer, zuzulassen», so Kaufmann. Was Christine Kaufmann, Sarah Früh und Zakia Curmally auch wissen: «Für Heranwachsende im Teenageralter ist es eine doppelte Herausforderung, jemanden zu verlieren. Sie müssen mit ihrer Trauer umgehen und gleichzeitig ihren Platz im Leben finden.» In dieser Lebensphase, in der sie sich von den Eltern lösen, sei die Gefahr gross, dass sie sich mit ihrer Trauer alleingelassen fühlen.
Der Wunsch der drei Frauen: «Die Jugendlichen sollen von sich aus zum Truur-Träff kommen, nicht weil sie geschickt werden.» Die Herausforderung: «Unsere Challenge ist es, die Jugendlichen zu erreichen. Willkommen sind auch jene, deren Verlust schon ein paar Jahre her ist.»
Pro Treff werden zwei Trauerbegleiterinnen anwesend sein. «So können wir auch dann individuell auf einen Jugendlichen eingehen, wenn während des Treffens starke Gefühle Raum brauchen.» Eines ist Kaufmann wichtig: «Im Treff werden nicht nur Tränen fliessen. Wir wollen gemeinsam lachen, vielleicht backen oder auch mal individuelle Workshops anbieten.»
Zur Wahl des Standorts meint Kaufmann: «Aarau ist mit dem öffentlichen Verkehr auch aus dem Fricktal gut erreichbar und es bietet den Jugendlichen die Chance, im Anschluss an den Träff allenfalls direkt weiter in den Ausgang zu gehen. Erfreulicherweise hat sich das Kompetenzzentrum Palliativ Care Mittelland bei uns gemeldet, um unseren Treff finanziell zu unterstützen. Dadurch können wir den Truur-Träff für die Jugendlichen kostenlos anbieten.»
«Truur-Träff» im One Zentrum, Asylstrasse 15, Aarau.
Erstes Treffen am 26. September 2026, 14–16 Uhr; weitere Treffen: 24. Oktober, 21. November, 12. Dezember. Jugendliche können sich telefonisch oder via WhatsApp melden bei:
– Christine Kaufmann, 079 348 00 07
– Sarah Früh, 076 617 50 35
– Zakia Curmally, 079 715 32 23 Mehr Infos: sarahfrueh.ch/truur-traeff


