«Wölflinswil will keinen Bruch»

  23.07.2026 Wölflinswil

Am 1. August treffen sich Wölflinswil und Oberhof in Oberhof zur gemeinsamen Feier. Im Vorfeld dieses Festes sprach die NFZ mit dem Wölflinswiler Gemeindeammann Giuliano Sabato über die Gemeinschaftsverwaltung, die Pläne für die neue Wölflinswiler Verwaltung und die Gründe für die aktuellen Spannungen.

Simone Rufli

«Es ist nicht einfach. Man muss recht viel Kontext mitgeben, um die Spannungen zwischen Wölflinswil und Oberhof verständlich zu machen», sagt Giuliano Sabato. «Die Gründe, warum sich der Gemeinderat von Wölf linswil für eine neue Verwaltungsstruktur entschieden hat, sind nicht in ein, zwei Sätzen zu vermitteln.» Dem Gemeindeammann von Wölflinswil geht die Auseinandersetzung auf der persönlichen Ebene nahe. Dass die Vorwärtsstrategie des Wölflinswiler Gemeinderats nicht überall gut ankommt, müsse er zur Kenntnis nehmen.

Der Entscheid für die neue Verwaltungsstruktur wurde an der Gemeindeversammlung mit 83 zu 11 Stimmen deutlich bestätigt. Dennoch sieht Sabato die Absicht hinter diesem Entscheid teilweise missverstanden: «Wölf linswil will keinen Bruch in den Beziehungen mit Oberhof. Wir wollen die Zusammenarbeit fortführen, aber auf einer zeitgemässen Basis.»

Ursächlich für die Spannungen sei das strukturelle Defizit. «Die Spannungen sind nur das Symptom. Wir haben zwei Gemeinderäte mit zwei politischen Ausrichtungen. Beide sind absolut legitim. Vielleicht wurde zu wenig gut vermittelt, dass die Vertragsauflösung ein Entscheid für Wölflinswil ist und in keiner Art und Weise gegen Oberhof und auch nicht gegen die Zusammenarbeit gerichtet ist. Ich kann nur immer wieder betonen: Wir sind bereit für Gespräche.»

Von interkommunal zu regional
Die Gemeinschaftsverwaltung habe über all die Jahre eine grosse Bedeutung gehabt, das sehe er auch. «Doch sie kommt aus einer Zeit, als es Generalisten gab, die eine Gemeinde geführt haben. Heute arbeiten sechs Personen auf dieser Verwaltung und die Zusammenarbeit ist nicht mehr interkommunal, sie ist regional. Es ist doch eine gute Sache, wenn eine Gemeinde Leistungen in einer anderen Gemeinde abrufen kann, wo Spezialisten am Werk sind und die notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Das ist bereits heute bei der Steuerverwaltung, dem Zivilstandsamt, der Kesb, der Regionalpolizei und künftig auch beim Sozialdienst und der Bauverwaltung der Fall.»

Eine integrale Verwaltung könnten sich heute nur noch die grossen Gemeinden leisten, so Sabato. «Für eine Gemeinde unserer Grösse ist es zweckmässig, sich auf die eigene Kernverwaltung mit Gemeindeschreiber, Finanzverwaltung und Einwohnerdienste zu konzentrieren. Spezialisierte Aufgaben können regional oder durch externe Fachstellen erbracht werden. Solche breit aufgestellten Funktionen, bei denen eine Mitarbeitende gleichzeitig als Gemeindeschreiberin tätig ist sowie die Bauverwaltung und den Sozialdienst betreut, sind heute organisatorisch zunehmend schwierig zu vertreten und zu besetzen. Bei einem Ausfall sind sie kaum zu ersetzen. Deshalb braucht es eine neue Struktur, die Stellvertretungen gewährleistet und Ausfälle auffängt.» Die Zusammenarbeit mit spezialisierten regionalen Stellen schaffe diese stabile Struktur. «Die Organisation der Gemeinschaftsverwaltung wurde nicht an diese Entwicklung angepasst. Der Vertrag von 1990 wird den aktuellen Umständen nicht gerecht, das ist einfach eine Tatsache.»

Vor acht Jahren schon Mängel festgestellt
Zu diesem Schluss seien bereits die Vorgänger im Amt gekommen, betont Giuliano Sabato. «2018, als mit einer Ausnahme noch niemand vom aktuellen Gemeinderat Wölflinswil dabei war, gaben beide Gemeinderäte bei einer neutralen Stelle eine Verwaltungsanalyse in Auftrag. Vorausgegangen waren schwierige Diskussionen unter anderem über die Anpassung der Miete, die Oberhof für die Mitbenutzung des Gemeindehauses zahlt. Die Analyse zeigte bereits damals strukturelle Probleme auf; unter anderem, weil die Verwaltung zwei politische Ausrichtungen aushalten und tragen muss.» In der Analyse sei empfohlen worden, den Vertrag zu überarbeiten, klare Führungsstrukturen zu schaffen und gemeinsame Sitzungen moderieren zu lassen.

«Es geht bei der aktuellen Auseinandersetzung doch nicht um die Frage gut oder schlecht. Beide Gemeinderäte vertreten legitime Interessen. Da sich unsere Gemeinden unterschiedlich entwickelt haben, werden auch verschiedene politische Prioritäten verfolgt. Wir haben in Wölf linswil heute ganz andere Themen als anno 1990 und möchten die Strategie f lexibler und eigenverantwortlich festlegen können.» Er könne nachvollziehen, dass die Gemeinschaftsverwaltung aufgrund ihrer langen Geschichte in Oberhof und Wölflinswil als fester Bestandteil der Zusammenarbeit wahrgenommen werde. «Die heutige Situation ist jedoch keine Bewertung der Zusammenarbeit, sondern eine organisatorische Frage.»

Auf der neuen Basis weiterentwickeln
Eine partnerschaftliche Verwaltung sei schön, müsse organisatorisch und finanziell aber für beide Seiten Sinn machen. «Versuchen wir doch, die neue Situation, die mit der Vertragsauf lösung entstanden ist, rein organisatorisch zu betrachten, nicht auf einer persönlichen Ebene, nicht als Seilziehen zwischen einer kleinen und einer etwas grösseren Gemeinde. Wenn wir zusammen einen Weg finden, mit dieser neuen Basis zu leben, können wir das neue Modell im Detail entwickeln.»

 


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