«Irgendwann muss man auch einen Schlussstrich ziehen»
04.10.2026 PersönlichBruno Schmid sagt als «Schiri» Tschüss
28 Jahre lang hat der Laufenburger Bruno Schmid als Volleyball-Schiedsrichter Spiele geleitet. Mehr als 350 Spiele hat er gepfiffen. Die vergangene Saison war seine letzte. Dem Verein Volley Smash 05 Laufenburg-Kaisten steht er weiterhin als ...
Bruno Schmid sagt als «Schiri» Tschüss
28 Jahre lang hat der Laufenburger Bruno Schmid als Volleyball-Schiedsrichter Spiele geleitet. Mehr als 350 Spiele hat er gepfiffen. Die vergangene Saison war seine letzte. Dem Verein Volley Smash 05 Laufenburg-Kaisten steht er weiterhin als Präsident vor.
Melanie Kägi
NFZ: Bruno Schmid, Sie waren 28 Jahre lang Schiedsrichter. Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen?
Bruno Schmid: In unserem Volleyballverein wurde damals ein Schiedsrichter gesucht. Ich hatte selbst gespielt und habe mich dann einfach gemeldet. Trainer zu sein, war nie wirklich mein Ding. Schiedsrichter hat mich mehr interessiert. Also habe ich 1998 den Kurs gemacht.
Was hat Ihnen am Schiedsrichter-Sein am meisten gefallen?
Ich habe es nie als Pflicht gesehen. Ich habe es einfach gerne gemacht. Man kommt in verschiedene Hallen, lernt viele Leute kennen und sieht den Sport plötzlich aus einer ganz anderen Perspektive. Als Spieler hast du deine Sicht vom Feld. Als Schiedsrichter ist es nochmals etwas ganz anderes.
Und wenn die Spieler reklamiert haben?
Das war für mich eigentlich kein grosses Problem. Ich war vielleicht etwas lockerer als andere. In 28 Jahren habe ich nicht eine einzige Karte gebraucht. Natürlich gab es Diskussionen, aber ich habe versucht, ruhig und konsequent zu bleiben. Und wenn ich bei einer Entscheidung mal nicht ganz sicher war, sollte man das natürlich möglichst nicht merken.
Gab es trotzdem mal einen Moment, bei dem Sie dachten: «Das war jetzt vielleicht falsch»?
Natürlich. Das gehört dazu. Manchmal merkst du nachher, dass eine Entscheidung vielleicht nicht ganz richtig war. Aber du kannst ja nicht während des Spiels zurückgehen und alles nochmals diskutieren. Irgendwann musst du entscheiden und dann auch dazu stehen.
Hat es geholfen, dass Sie viele Spieler und Vereine persönlich kannten?
Ja, sicher. Man kannte sich und wusste ungefähr, wie die Leute ticken. Dadurch war der Umgang miteinander auch einfacher. Man wusste, mit wem man ein bisschen diskutieren konnte und bei wem es besser war, einfach weiterzumachen.
Warum haben Sie den Schiri-Job so lange gemacht?
Ich hatte all die Jahre nie ein Erlebnis, bei dem ich sagen musste: Jetzt ist Schluss. Es war über all die Jahre einfach positiv. Und mit der Erfahrung wird vieles auch einfacher. Man kennt die Situationen und weiss, wie man damit umgeht.
Trotzdem haben Sie jetzt aufgehört. Warum?
Irgendwann muss man halt aufhören. Ein kleiner Grund war auch das neue Dress. Ich wollte einfach kein neues mehr. (lacht) Aber natürlich spielt auch das Alter eine Rolle. Ich gehe langsam in Pension und möchte nicht mehr so stark gebunden sein. Der Verein muss jetzt andere Lösungen finden.
Was werden Sie am Schiri-Sein nicht vermissen?
Die Samstag- oder Sonntagmorgen-Spiele. Einmal hatte ich sogar ein Spiel um zehn Uhr morgens in Aarau. Oder unter der Woche abends noch für ein Spiel um 21 Uhr ans andere Ende des Aargaus fahren zu müssen. Grundsätzlich kann ich aber nicht klagen. Ich hatte das Glück, die meisten Spiele im Fricktal zu haben, und war deshalb meistens nicht weit unterwegs.
Sie sind nicht nur als Schiedsrichter lange dabei, sondern engagieren sich generell stark für den Verein. Was bedeutet Vereinsleben für Sie?
Ich bin einfach ein Vereinsmensch. Ich war über die Jahre in verschiedenen Funktionen dabei, unter anderem als Präsident und Co-Präsident. Präsident war ich schon einmal kurz in den 80er-Jahren und jetzt wieder seit mehr als zehn Jahren. Wenn ich irgendwo dabei bin, dann richtig. Ich bin nicht jemand, der nach ein paar Jahren einfach wieder geht.
Was haben Sie in den 28 Jahren als Schiedsrichter gelernt, das Ihnen auch sonst im Leben hilft?
Dass man manchmal einfach entscheiden muss. Auch wenn man nicht hundertprozentig sicher ist. Du kannst nicht immer alles nochmals hinterfragen. Irgendwann musst du sagen: So ist es. Und dann geht es weiter.
Würden Sie das Amt anderen empfehlen?
Auf jeden Fall. Gerade für junge Leute ist das eine gute Erfahrung. Man lernt viele Menschen kennen, muss Entscheidungen treffen und sieht den Sport nochmals ganz anders. Ich finde, man kann persönlich sehr viel daraus mitnehmen.
Und was kommt jetzt nach 28 Jahren?
Ich freue mich darauf, etwas weniger gebunden zu sein. Ganz vom Volleyball los komme ich aber natürlich nicht. Ich bin seit 1978 dabei und habe bis vor drei Jahren selbst gespielt. Dann hat meine rechte Schulter nicht mehr mitgemacht. Und im Verein habe ich ja weiterhin meine Aufgaben.

