«Infrastruktur ist bereits stark ausgelastet»
08.04.2026 FricktalIm Januar haben 13 Fricktaler Grossrätinnen und Grossräte ein Postulat eingereicht, in dem sie sich für einen Ausbau der S-Bahn in der Region Basel stark machten. Die Antwort der Regierung liegt jetzt vor – ändern wird sich vorerst nichts.
Valentin Zumsteg
...Im Januar haben 13 Fricktaler Grossrätinnen und Grossräte ein Postulat eingereicht, in dem sie sich für einen Ausbau der S-Bahn in der Region Basel stark machten. Die Antwort der Regierung liegt jetzt vor – ändern wird sich vorerst nichts.
Valentin Zumsteg
Wenn es um Anliegen des ganzen Fricktals geht, dann sind sich die Grossrätinnen und Grossräte der beiden Bezirke Laufenburg und Rheinfelden meistens einig. Die Parteizugehörigkeit spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. So auch beim Postulat, das im Januar von 13 Fricktaler Politikerinnen und Politikern im Grossen Rat eingereicht worden ist. Damit beauftragten sie den Regierungsrat, einen umfassenden Bericht zu möglichen Verbesserungen und Weiterentwicklungen der S-Bahn in der Region Basel vorzulegen. Konkret ging es den Fricktaler Grossräten unter anderem um den Einsatz von Doppelstockzügen zur Kapazitätserweiterung.
«Ein grosser Kapazitätsausbau»
Jetzt liegt die Antwort aus Aarau vor. Um es vorwegzunehmen: Der Kanton sieht keine Möglichkeit, um aktuell mit Sofortmassnahmen etwas zu verändern. «Die im Postulat aufgeworfenen Fragen wurden in den letzten Jahren vom Trägerverein trireno und den beteiligten Kantonen abgeklärt und zum Teil bereits umgesetzt. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 erfolgte ein grosser Kapazitätsausbau mit doppelstöckigem Rollmaterial im Fernverkehr, zusätzlichen Halten des Interregios im Fricktal und Ergolztal, dem Viertelstundentakt der S-Bahn zwischen Liestal und Basel sowie dem Halbstundentakt im Fernverkehr im Laufental», hält die Regierung fest. In den nächsten Jahren seien weitere Ausbauten geplant wie der Viertelstundentakt nach Aesch. «Zusammen mit den noch ausstehenden, aber bereits beschlossenen Taktverdichtungen im Birs- und Wiesental wird in den kommenden Jahren voraussichtlich genügend Kapazität zur Verfügung stehen, damit die S-Bahn die Nachfrage bewältigen kann. Nicht zuletzt gilt es dabei zu beachten, dass das Potenzial der S-Bahn limitiert ist, solange die Durchbindungen im Knoten Basel fehlen.»
Betreffend Doppelstockzügen äussert sich der Regierungsrat detailliert: «Die aktuelle Stossrichtung ist, die trinationale S-Bahn Basel wegen der kurzen Reisezeiten und des ausgeprägten Fahrgastwechsels mit einstöckigen Zügen zu betreiben und auf den langläufigen Linien mit starker Nachfrage (RE und IR) doppelstöckige Züge einzusetzen. Letztere übernehmen an den nachfragestarken Bahnhöfen einen beachtlichen Teil des Fahrgastaufkommens.» Um die Kapazität der Bahnkorridore möglichst hochzuhalten, müssen die S-Bahn-Züge, welche überall halten, in ähnlicher Geschwindigkeit zwischen den übrigen Zügen verkehren. «Dazu ist ein schneller Fahrgastwechsel notwendig, wie ihn einstöckige Züge mit stufenlosem Einstieg und vielen Türen bieten.» Aktuell verkehren im Bereich der trinationalen S-Bahn Basel ausschliesslich einstöckige Züge. Die Beschaffung von doppelstöckigen Zügen für den S-Bahn-Verkehr könne geprüft werden, wenn die «Flirt»- Züge der neueren Generationen ihr Lebensende erreichen und ersetzt werden müssen. «Dies wird voraussichtlich in den 2040er-Jahren der Fall sein. In diesem Zeithorizont wird auch ein nächster Bahnausbauschritt liegen, so dass eine Abstimmung zwischen Angebot, Infrastruktur und Rollmaterial erfolgen kann.»
«Flügeln» in Stein?
Die Fricktaler Grossrätinnen und Grossräte haben in ihrem Postulat angeregt, ein sogenanntes «Flügeln» der S-Bahn-Züge in Stein (ein Teil des Zuges geht nach Frick, der zweite nach Laufenburg) zu prüfen. Auch hier winkt die Regierung ab: «Der Einsatz von Flügelzügen, also das fahrplanmässige Trennen von zwei gekoppelten Zugseinheiten und die Wiedervereinigung bei der Rückfahrt, kann zu einem Komfortgewinn führen, indem das Umsteigen entfällt. Durch den technisch bedingten Zeitbedarf für das Trennen und Vereinigen verlängert sich aber insgesamt die Reisezeit. Im Gegensatz zu Zugsfahrten mit Umsteigen führen Flügelzüge in der Regel zu einer Reduktion der Knotenund Streckenkapazität.» Das Flügeln der Züge der S1 in Stein-Säckingen sei bereits abgeklärt und verworfen worden, da die Kosten für die notwendigen Infrastrukturen und Mehrkosten beim Betrieb zu hoch waren.
Der Regierungsrat nimmt das Postulat entgegen und beantragt die gleichzeitige Abschreibung.

