In Kaiseraugst ist ein Sandmandala am Entstehen

  05.02.2026 Kaiseraugst

Am Samstag, 31. Januar, ist das Sandmandala-Projekt im Kirchgemeindehaus Kaiseraugst eröffnet worden. Tags darauf fand ein Gottesdienst zum Thema «Mandala» statt.

Andreas Fischer

Zur Einstimmung in die Anfangszeremonie spielte die Flötistin Bettina Berger die impressionistische Komposition «Syrinx» von Claude Debussy. Mitten im Stück schaute Abt Kunga Tenzing lächelnd zu seinem Schüler, Lama Nawang Funchok. Die Überraschung war gelungen: Bettina Berger hatte «Syrinx» improvisatorisch hinübergeführt in die Melodie des Medizin-Buddha-Mantras.

Andreas Fischer, reformierter Pfarrer in Kaiseraugst, brachte seine Freude zum Ausdruck, dass Abt Kunga Tenzing nach vier Jahren wieder hierhergekommen sei: «Die tibetischen Mönche schöpfen aus einer ungeheuer reichen Tradition, die mir weitgehend unbekannt ist.

Doch da ist eine Einfachheit, eine Klarheit, eine Herzlichkeit, die sich unmittelbar überträgt, auf einer Ebene, auf der wir alle einfach Mensch sind.» Er sei überzeugt, sagte Fischer, dass die während des Sandmandala-Projekts sich ausbreitende Atmosphäre eine heilende Kraft habe.

Ein Palast für die Gottheit
Cornelia Pereira Notter, Präsidentin des in Magden ansässigen Schulvereins Lo-Manthang, welcher das Sandmandala-Projekt organisiert, erläuterte die Tradition der Sandmandalas im Buddhismus: «Sie werden in einem genauen Vorgaben folgenden Ritual aus farbigem Sand gestreut und dienen der Meditation. Ein Mandala stellt einen Palast dar, der seine Tore in alle Himmelsrichtungen öffnet; im Zentrum befindet sich die Gottheit.» Das Medizin-Buddha-Mandala stehe für Heilung und symbolisiere einen inneren Raum von Ruhe und Harmonie. Nach einer kurzen Begrüssung fingen Abt und Lama an, mit obertonreichen Stimmen Mantren zu beten und die Holzplatte zu vermessen.

Kinder zeichnen Mandalas
Am Sonntag, 1. Februar, fand im selben Raum ein Gottesdienst statt, der von den Katechetinnen Katharina Metzger und Susanne Ammann zusammen mit Kindern des Religionsunterrichts gestaltet wurde. Sie hatten Mandalas gezeichnet, welche auf die Leinwand projiziert wurden. Der Pianist Lukas Sehr improvisierte im Stil von «Minimal Music» mit kreisförmig sich wiederholenden Melodien. Susanne Ammann, die als «Agnes von Rheinfelden» auch Führungen im Städtli macht, erzählte die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus, welcher auf eigene Faust in den Jerusalemer Tempel geht. Der Tempel, erläuterte Pfarrer Fischer in der Predigt, sei der Ort, wo Gott wohnt, und in diesem Sinne ebenfalls eine Art Mandala. Der Tempel wurde im Jahr 70 n.Chr. von den Römern dem Erdboden gleichgemacht, und die tibetischen Mönche werden ihr Mandala, wenn es nach einer Woche intensiver Arbeit fertiggestellt ist, zerstören und dem Rhein übergeben. Das, so Fischer, sei ein Hinweis darauf, dass weder Tempel noch Kirche noch Sandmandala, sondern unser Herz der Ort sei, wo Gott Wohnung nehme.

Eindrücklich waren die Fürbitten, welche die Kinder formuliert hatten. Bis Freitag, 6. Februar, werden die Mönche täglich am Mandala arbeiten. Um 15 Uhr findet die Schlusszeremonie statt. Informationen auf www.ref-rheinfelden.ch


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