«In erster Linie war es seine Musik, die mich gepackt hat»
03.12.2023 MöhlinErnesto Tufilli ist ein grosser Elvis-Fan und singt seine Lieder
Als «The King» starb, war Ernesto Tufilli sieben Jahre alt. Das war auch dann, als der Möhliner auf den grossen Musiker aus Amerika aufmerksam wurde. Und nie mehr von ihm loskam.
Janine ...
Ernesto Tufilli ist ein grosser Elvis-Fan und singt seine Lieder
Als «The King» starb, war Ernesto Tufilli sieben Jahre alt. Das war auch dann, als der Möhliner auf den grossen Musiker aus Amerika aufmerksam wurde. Und nie mehr von ihm loskam.
Janine Tschopp
Sportlich, Lederjacke, Jeans, gut gestylte Frisur. So erschien Ernesto Tufilli zum Gespräch mit der NFZ. Beim genauen Hinschauen sieht man eine gedruckte Unterschrift auf dem Rücken seiner Lederjacke. Es ist die Unterschrift des «Kings», des grossen Elvis Presley, der vor knapp 70 Jahren mit seiner Musik den Durchbruch schaffte und zu einem der weltweit erfolgreichsten Solokünstler wurde.
«‹The King› begleitet mich seit 46 Jahren», erzählt der Möhliner. Er war siebenjährig, als der grosse amerikanische Musiker starb. «In erster Linie war es die Musik, die mich gepackt hat. Irgendwann schwappte sein ganzer Stil über mich.» Die Frisur, die langen Koteletten, seine Kleider, sein Schaffen, seine Einstellung. «Es ist das Gesamtpaket, das mich fasziniert.» Wie er hart gearbeitet hat, die Kraft in seiner Stimme und sein Charisma auf der Bühne. Ernesto Tufilli, der vor knapp 25 Jahren nach Schönenwerd zog, erzählt von einem weiteren grossen Elvis-Fan in seinem Heimatdorf: «Martin Lutz war der ‹Elvis aus Möhlin›. Er war älter als ich und gab mir Inspiration. Leider ist er vor neunzehn Jahren viel zu jung verstorben.»
«Elvis-Location»
«Bis 2015 lebte ich meine Vorliebe für Elvis und seine Lieder vor allem für mich.» Er lacht und ergänzt: «Zum Leidwesen unserer Tochter, die sich mein Gejodel im Auto immer anhören musste.» Vor acht Jahren richtete er, nahe bei seinem Zuhause, ein Musikstudio, respektive ein kleines Elvis-Museum ein. «Wenn man dort hineinkommt, ist man in einer anderen Welt. Thomas Meile, mein erster Gast im Studio, ist heute immer noch an meinen Konzerten dabei und hilft mir sogar manchmal beim Aufbau.» Später kam ihn jemand im Studio besuchen, der ihn fördern wollte. «Du spinnst, diese Musik nur für dich zu machen. Du musst raus damit», sagte er und organisierte ihm einen Auftritt.
Ernestos Frau schlug ihm spontan vor, «Elvesto» als Künstlername zu wählen. Er kreierte ein Logo und übte noch mehr als zuvor, um optimal auf sein erstes Konzert vorbereitet zu sein. Trotzdem kam es nicht gut: «Der Tonmischer versemmelte meinen Auftritt und auch denjenigen der darauffolgenden Band.» Von diesem Zeitpunkt an, verliess sich «Elvesto» nicht mehr auf Dritte, sondern nahm alles selbst in die Hand. «‹Der King› war auch so. Er hat so lange an seinen Songs gearbeitet, bis alles perfekt war. Vorher ging er nicht raus damit. Das ist auch der Grund, weshalb man seine Lieder hundert Mal hören kann, ohne dass man genug davon hat.»
Nach dem misslungenen ersten Auftritt steckte der Amateur-Sänger den Kopf nicht in den Sand, sondern machte weiter. Wichtig ist für ihn, dass er Elvis nicht kopiert oder imitiert, auch nicht mit seinem Look, sondern dass er ihn durch das Singen seiner Lieder «ehrt». «Ich will einen Beitrag dazu leisten, dass seine Lieder am Leben erhalten werden und dass man ihn nicht vergisst.»
Nie zu alt, um Gitarre zu lernen
Anfangs hat er Elvis’ Lieder – ohne Gesang – ab Band laufen gelassen und dazu gesungen. Mittlerweile arbeitet «Elvesto» zusätzlich mit dem Gitarristen Marcel Jeker zusammen, und die beiden spielen und singen die Lieder «unplugged», also ohne weitere Technik. «Ich bin jetzt auch daran, Gitarre zu lernen. Dafür ist man nie zu alt.» Wie das Singen bringt er sich auch das Gitarrenspielen selber bei.
Mittlerweile hat er rund 200 Elvis-Songs und viele amerikanische Country-Lieder im Repertoire. «Mama liked the roses» ist sein Lieblingslied. Die Tränen schiessen ihm in die Augen, während er sagt: «Denn auch meine vor elf Jahren verstorbene Mum liebte, pflegte und hegte ihre Rosen.»
Bezug zur Heimat nie verloren
Seit knapp 25 Jahren lebt Ernesto Tufilli zusammen mit seiner Familie in Schönenwerd. Den Bezug zum Fricktal hat er nie verloren. Mit einem Augenzwinkern erzählt er, dass er zwar in Möhlin geschlafen habe, aber in Rheinfelden «aufgewachsen» sei. Die Zeiten, als man sich in den Bars in Rheinfelden regelmässig mit Kollegen getroffen habe, seien schön gewesen. Auch an die Phase, als er als Fussballer in verschiedenen regionalen Clubs aktiv war, erinnert er sich gerne. Er hat noch mit vielen Freunden der ehemaligen Fussball-Mannschaft ACLI Möhlin Kontakt. «Ich unterstütze meine Heimat auch heute noch, indem ich zum Beispiel meine Merchandising-Artikel bei einer Firma aus Oeschgen herstellen lasse.»
Neben der Musik geniesst er in der Freizeit auch sein regelmässiges Sonntagsritual, das er folgendermassen beschreibt: «Mit dem Velo fahre ich Richtung Staffelegg und habe schon bald Durst. Nach einem Halt bei einer Getränkefirma in Küttigen, geht es weiter zur Pferdepension Staffelegghof. Ich geniesse den Anblick von Natur und Pferden und esse dann schliesslich meinen Lieblings-Mandelgipfel im Passbeizli auf der Staffelegg. Danach geht’s Gott sei Dank bergab wieder heimwärts.»
Nach dem Gespräch, das wir in einem Café geführt haben, laufen wir zu unseren Autos. Ernesto wird von «Elvis» erwartet. Die fünf Buchstaben des schwedischen Fahrzeug-Herstellers, hat er mit den Buchstaben «E», «L», «V», «I» und «S» ersetzt. «Auch die Autonummer passt. 1, 6 und 8 sind Tag und Monat seines Todes und in etwa 800 Songs hat er veröffentlicht.» Zufälle gibt es nicht.
Am 23. Dezember, um 20 Uhr, singt «Elvesto» Christmas Songs und weitere Elvis-Klassiker in der Bar Manhattan in Rheinfelden. Reservationen sind erwünscht (Tel. 079 924 43 10).

