«In einer Schnitzelbank erwähnt zu werden, ist eine Ehre»
07.02.2026 LaufenburgKein Spruch, kein Auftritt und kein Helgen scheinen vergessen. Ilse Jehle, Anita Schraner und Monika Spring sind voller Erinnerungen an 20 Jahre Schnitzelbank «Salm-Tratschä». Werden es weitere Jahre werden? Die Laufenburgerinnen lachen spitzbübisch und singen mehrstimmig ...
Kein Spruch, kein Auftritt und kein Helgen scheinen vergessen. Ilse Jehle, Anita Schraner und Monika Spring sind voller Erinnerungen an 20 Jahre Schnitzelbank «Salm-Tratschä». Werden es weitere Jahre werden? Die Laufenburgerinnen lachen spitzbübisch und singen mehrstimmig an: «20 Jahre und kein bisschen leise …»
Susanne Hörth
Ilse Jehle kann sich noch sehr genau an die Anfänge erinnern. «Es war am Narrentreffen 2005, am Abend des 22. Januar. Silvia Obrist von den ‹Waschwiiber› erklärte damals, dass es dieses Jahr keine Schnitzelbank geben wird.» Für Ilse Jehle als überzeugte Fasnächtlerin und aktives Mitglied der Salmfänger Grund zum sofortigen Handeln. Wenige Tage später, am 3. Faissen, es war der 3. Februar 2005, präsentierten Ilse Jehle, Monika Spring und Anni Jehle das «Salmfänger Notfallprogramm». Ein Jahr später, starteten die Schnitzelbank-Gruppe «Salm-Tratschä» offiziell. Sie taten es nicht nur mit spitzen Sprüchen zum Lokal- und Weltgeschehen, sie unterstrichen ihre Verse mit passender Musik zusätzlichen mit einem Rap. Wenn schon, dann recht, so ihre Devise. Ausserdem: «Die ersten Jahren waren wir alle ohne Spickzettel unterwegs.»
Nicht ganz von Anfang an dabei war Anita Schraner. «Wir haben ja gar keine Helgen. Kannst Du malen?» «Nein!» «Ich auch nicht!» «Aber Anita Schraner kann es!» Monika Spring und Ilse Jehle schmunzeln in Erinnerung an diese kurzen Dialoge, welcher der Anfrage an Salmfänger-Mitglied Anita Schraner, eine sehr begabte Zeichnerin, vorausgingen. Anni Jehle blieb zwei Jahre in der Schnitzelbank-Gruppe. Seither sind die «Salm-Tratschä» zu dritt unterwegs.
«Du kannst alles bringen, was wahr ist. Bringe aber keine Person, die Du persönlich nicht magst. Das kommt nicht gut», wiederholt Ilse Jehle den Ratschlag von Edgar Maier, einem früheren, langjährigen Laufenburger Schnitzelbänkler. Daran haben sich die «Salm-Tratschä» -Frauen gehalten und dazu passt auch ihre Überzeugung: «In einer Schnitzelbank vorzukommen, ist eine Ehre.»
Was an den Auftritten locker daherkommt und immer auch sehr strapaziös für die Lachmuskeln des Publikums ist, dem geht stets ein aufwändiger Prozess voraus. Insbesondere, da die drei Schnitzelbänklerinnen aktiv in die Organisation der grenzüberschreitenden Laufenburger Städtlefasnacht eingebunden sind. «Es macht uns einfach Freude», erklären die Frauen, warum sie sich mit so viel Zeit und Herzblut für eine lebendige Fasnacht und damit das Bewahren eines jahrhundertealten Brauchtums in Laufenburg einsetzen
Für ihre Schnitzelbänke gehen sie sehr strukturiert vor. Bevor aber im längst festgelegten Ablauf mit Dialog, Lied, Versen mit Reimen und dazugehörenden Helgen losgelegt werden kann, braucht es Inhalte. «Wir sammeln das ganze Jahre hindurch Zeitungsausschnitte, gehen auf Leute zu und fragen sie direkt ‹Stimmt es, dass …›. Auch wird uns immer wieder Interessantes von der Bevölkerung zugetragen», so die drei Schnitzelbänklerinnen. «Überall bei uns zuhause liegen Zettel mit Notizen für Verse herum», lachen die Frauen und bestätigen eine entsprechende Frage mit: «Ja, wir schreiben alle.»
Wenige Wochen vor der Fasnacht gehen die Laufenburgerinnen mit den gesammelten Informationen sowie Kleidung für drei Tage im Gepäck in eine Schnitzelbank-Klausur. «Immer auswärts», sagt Anita Schraner. In diesen wenigen Tagen passiert ganz viel. Eine Vers-Auswahl wird getroffen, die passende Musik ausgewählt, Reime geprobt und vieles mehr. Für Anita Schraner bleibt oft nicht mehr allzu viel Zeit für das Zeichnen der in Schwarz-Weiss gehaltenen Helgen. «Manchmal stehe ich mitten in der Nacht auf, wenn mir gerade eine Idee durch den Kopf gegangen ist.» Ilse Jehle ergänzt: «So geht es uns allen auch beim Verse schreiben.» Ist gerade kein Papier zur Stelle, wird auf dem Smartphone die Aufnahmetaste aktiviert.
Geprobt wird dann bis zur letzten Minute. Parallel dazu, wie schon erwähnt, sind auch da ja auch noch die organisatorischen Aufgaben für die Städtlefasnacht. Und wieder kommt fast unisono von den drei Laufenburgerinnen: «Es macht einfach unglaublichen Spass.» Sie reden dabei von der Schnitzelbank-Aufgabe wie der Fasnacht allgemein.
Längst nicht nur in Laufenburg kann die Schnitzelbank-Gruppe «Salm-Tratschä» erlebt werden. Regelmässig werden sie zu Auftritten in anderen Teilen der Schweiz eingeladen. Diese Auswärtsauftritte sind für die drei Frauen jeweils auch eine schöne Gelegenheit, die Kameradschaft untereinander zu geniessen.
In Laufenburg zirkulieren am Abend des 3. Faissens nach einem festgelegten Fahrplan noch drei weitere Schnitzelbank-Gruppen durch die Lokalitäten. Eine gemeinsame Hauptprobe ermöglicht den Frauen und Männern das gegenseitige Erleben der Verse.
Zurück zur eingangs aufgeworfenen Frage, ob es nach 20 Jahren «Salm-Tratschä» weitergeht. Anstelle einer Antwort stimmen Ilse Jehle, Monika Spring und Anita Schranker an: «20 Jahre und kein bisschen leise … aus vergangenen Jahren viel gelernt, das Ende ist noch weit entfernt.»


