In der Amtsstube geht es drunter und drüber
20.01.2026 Stein«D Gedächtnislücke» feiert Premiere im Saalbau Stein
Im aktuellen Theaterstück des Theatervereins Stein geht es um Irrungen und Wirrungen in der Amtsstube des Gemeindeammanns Franz Matter. Es ist eine gute Geschichte, die mit vielen Überraschungen und ...
«D Gedächtnislücke» feiert Premiere im Saalbau Stein
Im aktuellen Theaterstück des Theatervereins Stein geht es um Irrungen und Wirrungen in der Amtsstube des Gemeindeammanns Franz Matter. Es ist eine gute Geschichte, die mit vielen Überraschungen und amüsanten Begebenheiten von überzeugenden Schauspielern in einem herausragenden Spiel gezeigt wird. Das Premiere-Publikum war begeistert.
Petra Schumacher
Esther Ammann führt in diesem Jahr Regie und spielt auch selbst. Auf die eigene Rolle schauen und das gesamte Stück dabei im Blick zu haben und daran zu arbeiten, muss sehr anstrengend sein. «Natürlich ist es eine Herausforderung», geht Esther Ammann auf entsprechende Bemerkung ein. «Wenn ich Textsicherheit von den anderen fordere, muss ich als Vorbild voran gehen und übe entsprechend intensiv. Aber ich spiele nun mal so gern.»
«D Gedächtnislücke» zeigt den stressgeplagten Gemeindeammann Franz Matter, irgendwo in einer ländlichen Gemeinde. Vom Pech verfolgt, vergisst er zum Ärger seiner Frau den Hochzeitstag und wird von nervigen Zuzüglern aus der Stadt, dem überkandidelten Ehepaar von Stetten, mal wieder mit Beschwerden über den krähenden Hahn, die probende Blaskapelle und die läutenden Kirchturmglocken attackiert.
Ein Schlag auf den Kopf
Der Gemeindeammann ist nervlich am Ende, Lösungen müssen her. Die Glocken will er eigenhändig abhängen, doch der Versuch geht schief und Franz Matter erhält einen Schlag auf den Kopf, der ihm das Gedächtnis der letzten fünf Jahre raubt. In der Amtsstube geht es jetzt drunter und drüber. Auch die Sekretärin Hanni trägt mit einer Heiratsanzeige dazu bei, dass die Lage alsbald eskaliert. Und damit ja alle im Dorf erfahren, was sich da beim Gemeindeammann abspielt, erkauft sich die Schwatzbase Emma vom Lädchen gegenüber die jeweils neuesten, aber nicht unbedingt ganz zutreffenden Gerüchte mit kleinen Geschenken.
Die Rollen scheinen den Schauspielern auf den Leib geschneidert zu sein. Jede einzelne Besetzung spielt hervorragend und erweckt den jeweiligen Charakter zum Leben. Eine einzelne Leistung lässt sich gar nicht herausstellen, denn gerade das Zusammenspiel im Team war bei der Premiere einfach perfekt. «Da ich schon länger mit dem Theaterverein zusammenarbeite, kenne ich viele der Spieler», so Esther Ammann. «Da weiss ich schon beim Drehbuchlesen, wer zu welcher Rolle passt. Mit Neubesetzungen machen wir ein kleines Casting, um die wirklich passende Person zu finden.»
Der Saal war am Freitag zur Premiere nur gut zur Hälfte gefüllt. Von einigen Theaterbesuchern ist zu hören, dass das Stück vom Vorjahr nicht gut angekommen ist. So sind die Erwartungen hoch. Und nach der Aufführung? Das Publikum ist begeistert. «Unglaublich gut», «bestens amüsiert», «Theater vom Feinsten» – die Kommentare sind durch die Bank weg positiv und viele Besucher gehen mit einem Lächeln aus dem Saal.
Stein und das Theater
In Stein wird seit 1983 Theater gespielt. «Am Anfang haben wir mit Stücken wie ‹Erna vom Goldingerhof› klassisches Volkstheater gespielt», weiss Erika Güntert, die zu den Gründungsmitgliedern des Theatervereins Stein zählt, zu berichten. Derzeit werde im Schauspielhaus in Zürich ein Bauernschwank in breitem Berndeutsch gespielt und das Theater am Neumarkt zeige die Geschichte der Gilberte de Courgenay. Eine Rückkehr zum Volkstheater? Esther Ammann fühlt sich bestätigt: «Wir spielen schon lange Volkstheater. Halt in einer frischen Version.» Und in guter Qualität, lässt sich nach der Premiere des aktuellen Stückes ergänzen.
«D Gedächtnislücke» ist nochmals am 24. und 25. Februar zu sehen.


