Wölfliswil lässt Oberhof stehen – bei offener Tür: «Brutal viel Geschirr zerschlagen», sagen die einen. Viele andere sind überzeugt, «es geht nur so». Gemeint ist der Verwaltungs-Alleingang. Fakt ist: Der Gemeinschaftsverwaltungs-Vertrag ist gekündigt, eine Lösung muss her und ...
Wölfliswil lässt Oberhof stehen – bei offener Tür: «Brutal viel Geschirr zerschlagen», sagen die einen. Viele andere sind überzeugt, «es geht nur so». Gemeint ist der Verwaltungs-Alleingang. Fakt ist: Der Gemeinschaftsverwaltungs-Vertrag ist gekündigt, eine Lösung muss her und Wölflinswil scheint sie für sich gefunden zu haben.
Simone Rufli
Frau alt Gemeindeammann Barbara Fricker bat um Aufschub, einen weiteren Anlauf für Verhandlungen mit Oberhof, schlug eine externe Mediation vor und stellte einen Rückweisungsantrag. Grossrat Alex Reimann unterstützte diesen und warnte: «Ihr werdet nie mehr zusammenfinden! Da fällt so viel auseinander.» Peter Bircher, zwei Jahrzehnte lang Gemeindeschreiber für Wölflinswil und Oberhof – «die Zusammenarbeit verlief all die Jahre einvernehmlich» – gab zu bedenken, dass die Beziehungen im Tal quer durch beide Dörfer gehen und es «hundert Dinge gibt, die beide Gemeinden gemeinsam betreffen». Anders Werner Habermacher, knapp 40 Jahre lang Förster in Wölf linswil. Er fand klare Worte: «Es geht nur so!» und meinte damit den vom Gemeinderat detailliert beschriebenen Verwaltungs-Alleingang. Unterstützung erhielt er von Alice Liechti, um die Jahrtausendwende Frau Gemeindeammann von Wölf linswil. «Mein Vertrauen in unseren Gemeinderat ist gross», erklärte sie. Dass die Türe für Oberhof offen bleibe, sei wichtig, «aber jetzt braucht es diesen Schritt». Das sah eine Mehrheit genauso und lehnte den Rückweisungsantrag Fricker wuchtig mit 62 Nein gegen 18 Ja ab.
Emotionale Voten
Es gab zahlreiche Wortmeldungen für und wider das vom Gemeinderat vorgestellte Modell «Verwaltung Wölflinswil 2028». Einige verlangten zusätzliche Fakten, andere den wahren Grund für die Differenzen; alle Voten waren emotional. Mit 89 Ja-Stimmen gegen 11 fiel der Entscheid am Ende aber deutlich, folgte die Einwohnergemeinde-Versammlung dem Antrag des Gemeinderats und stimmte der Einführung eines neuen Verwaltungsmodells ab dem 1. Januar 2028 zu. Ein Modell mit klarer Führungsstruktur, einfacheren Entscheidungswegen, effizienter und – wenn die Berechnungen des Gemeinderats zutreffen– finanziell günstiger.
Nach der gemeinderätlichen Empfehlung, die Fusion mit Oberhof abzulehnen – Wöflinswil lehnte im Juni 2024 denn auch ab, Oberhof stimmte der Fusion zu – und der Kündigung des Gemeinschaftsverwaltungs-Vertrags im Juni 2025 (per 31.12.2027), ist das Ja zu «Verwaltung Wölf linswil 2028» ein weiterer Schritt. «Wenn Oberhof damit leben kann, dass die Verwaltungsführung bei Wölf linswil liegt, bleibt die Zusammenarbeit möglich», so Giuliano Sabato und Vizeammann Hansjörg Treier.
Die Einwohnergemeinde-Versammlung genehmigte folgende weiteren Geschäfte: Rechnung 2025, Kreditabrechnung «Sanierung Schwimmbad Huebmet», Nachtragskredit Bau- und Nutzungsordnung, Ersatz Wasserleitung «Hinterbühlstr.-Dorfstr., Oberhof. Von 819 Stimmberechtigten waren 112 anwesend. Das Quorum wurde nicht erreicht, sämtliche Beschlüsse unterliegen dem fakultativen Referendum.