Ihm verdankt Bad Säckingen seinen Weltruhm
22.02.2026 Fricktal, Badisch RheinfeldenJoseph Victor von Scheffel wäre am 16. Februar 200 Jahre alt geworden. Jahrzehntelang gehörte er zu den beliebtesten deutschsprachigen Dichtern. Obwohl er keine zwei Jahre seines Lebens in Bad Säckingen verbrachte, machte sein «Trompeter von Säckingen» die Stadt ...
Joseph Victor von Scheffel wäre am 16. Februar 200 Jahre alt geworden. Jahrzehntelang gehörte er zu den beliebtesten deutschsprachigen Dichtern. Obwohl er keine zwei Jahre seines Lebens in Bad Säckingen verbrachte, machte sein «Trompeter von Säckingen» die Stadt weltberühmt.
Boris Burkhardt
Stadtarchivarin Eveline Klein stellt sich lebhaft vor, wie Joseph Victor Scheffel am 30. Dezember 1849 erstmals in Säckingen ankommt: «Es war mitten in der Nacht. Er traf nur den Nachtwächter und kam fürs erste im ‹Goldenen Knopf› unter.» Die Eisenbahn sei damals nur bis Efringen im Markgräflerland gefahren und Scheffel sei den Rest mit dem «Omnibus», offensichtlich einer Pferdekutsche, gereist.
Säckingen sei damals noch eine andere Stadt gewesen, erinnert Klein: Erst 1830 war der nördliche Rheinarm zugeschüttet worden; der Anschluss an die Eisenbahn sollte erst 1856 erfolgen. «Scheffel war damals kein grosser Volksschriftsteller; er war ein unbekannter Rechtspraktikant aus Karlsruhe», sagt Klein: «Auch den Adelstitel erhielt er erst viel später zu seinem 50. Geburtstag 1876.» Wie Scheffel über Säckingen dachte, weiss die Nachwelt aus den Briefen an seine Eltern. «Er hat sich da aber wohl auch dichterische Freiheiten erlaubt», meint Klein.
Am 16. Februar jährt sich zum 200. Mal der Geburtstag des Schriftstellers, der zur Zeit seines grössten Erfolgs zu den meistgelesenen deutschen Dichtern gehörte und gleichzeitig untrennbar mit Bad Säckingen verbunden ist. Als gerade promovierter Doktor der Rechte arbeitete der junge Scheffel im Bezirksamt Säckingen. Hier recherchierte er die Geschichte des Kaufmannes Franz Werner Kirchhofer (1633–1690), der ihn zur Erzählung des Trompeters von Säckingen inspirierte: Der Bürger Kirchhofer heiratete aus Liebe die Adlige Maria Ursula von Schönau-Oeschgen, wofür der restliche Adel inklusive ihrer Familie sie beide gesellschaftlich ächtete.
Die lokale Sage machte Kirchhofer zu einem Musiker, der später vom Kaiser in den Adelsstand erhoben wird und so ein Happy End mit seiner Liebe erlebt. Seinen berühmtesten Roman schrieb Scheffel als Versepos 1853 auf der Insel Capri. Dabei liess er viel Autobiographisches einfliessen durch seine unerfüllte Liebe zu seiner Cousine Emma Koch-Heim.
Zweiter Stadtheiliger
Heinz Schlögl, Stellvertretender Vorsitzende des Vereins Scheffel-Freunde Bad Säckingen, bezeichnet Scheffel nach St. Fridolin als «zweiten Stadtheiligen». Noch zu Leb zeiten 1875 wurde er zum Ehrenbürger ernannt; Ende des 19. Jahrhunderts braute die Säckinger Brauerei Schnurr & Degler ein Trompeterbier. Dabei müsse man sich vergegenwärtigen, sagt Schlögl, «dass Scheffel keine zwei Jahre hier lebte.» Allerdings hatte er bis zum Lebensende Freunde in Säckingen und ausserdem Verwandtschaft im Schweizer Laufenburg, wie Klein anmerkt.
Die merkwürdige Schreibweise «Säkkingen» im Titel älterer Ausgaben des «Trompeters» ist übrigens mitnichten eine ältere Schreibweise des Stadtnamens, wie man denken könnte. Bernd Crössmann, Vorsitzender der Scheffel-Freunde, belegte 2022 in seiner Ausstellung «Der Trompeter von SÄK» akribisch, dass es sich dabei um einen Fehler in der damaligen Produktion handeln muss.
Hinaus in die ganze Welt
Der Trompeter trug den Namen der Stadt in die ganze Welt; Schlögl berichtet von einer Begegnung mit einer Deutschstämmigen in Kanada, die den Namen «Säckingen» gehört hatte. Exzessiv wirbt die Stadt mit dem Konterfei des Trompeters, nicht zuletzt im Logo der Stadt. Schlögl selbst bietet als Stadtführer «Trompeterführungen» an. Inzwischen hat die Stadt aber auch die Figur des Kater Hidigeigei, durch den der Autor im «Trompeter» selbst spreche, entdeckt und vermarktet. Nur den Nazis vor Ort war Scheffel im Weg, wie Klein berichtet, allerdings nicht aus ideologischen Gründen: «Sie wollten Säckingen zur modernen Kurstadt ausbauen und alte Zöpfe abschneiden. Die Einschmelzung der Scheffel-Büste auf dem Marktplatz 1942 kam ihnen daher sehr gelegen.»
Während Scheffel in Bad Säckingen fast ausschliesslich als Verfasser des «Trompeters» wahrgenommenwurde, wurde er in Singen am Hohentwiel unsterblich durch seinen zweiten Roman «Ekkehard», der ebenfalls von einer unglücklichen Liebe erzählt. Im deutschen Sprachraum beliebt war er zu seinen Lebzeiten aber vor allem als Autor burschenschaftlicher Trink- und Spottlieder. «Er war als Saufliederdichter verschrien», stellt Schlögl fest.
Unter den bekanntesten sind: «Als die Römer frech geworden», das «Frankenlied» und «Guano», in dem er die Entstehung des Vogeldungs beschreibt und sich gleichzeitig über Hegel lustig macht. Scheffel prägte durch ironische Gedichte auch den Begriff des Biedermeiers mit. Nicht nur das Gasthaus «Kater Hidigeigei» verdankt in Bad Säckingen seinen Namen den Werken Scheffels; auch der «Schwarze Walfisch» ist eine Hommage an Scheffels Trinklied «Altassyrisch», das mit der Zeile «Im schwarzen Walfisch zu Askalon» beginnt.
«Scheffel-Hype»
Einen richtigen «Scheffel-Hype» erlebte seit seiner Gründung 1871 das Deutsche Kaiserreich: Bis 1921 gab es 322 Auflagen des «Trompeters»; in vielen Wohnzimmern gehörte eine Scheffel-Büste zum guten Ton. Besonders das Bürgertum genoss es, wie Scheffel das klassizistische Wissen der damaligen Schulbildung voraussetzte, es aber vermeintlichen deutsch-germanischen Werten einer ungekünstelten, biederen und strebsamen Nation unterordnete. Besonders in den 1960ern und 1970ern wurde Scheffel deshalb auch der Vorwurf gemacht, Wegbereiter des Wilhelminismus gewesen zu sein. Von Teilen der Literaturwissenschaft wurde er bereits während seines Erfolgs als «Trivialliteratur» verunglimpft.
Die Stadt Bad Säckingen feiert das Jubiläumsjahr mit Ausstellungen, Stadtführungen und Rallyes, Aufführungen des «Trompeters» und einem grossen Stadtfest am 27. Juni. Genauere Informationen gibt es auf der Stadt-Homepage unter der Rubrik «Bad Säckingen erleben».


