Als das Mountainbike noch Geländerad hiess
Das waren noch Zeiten: 1987 hat Rolf Meyer aus Rheinfelden sein erstes «Geländerad» gekauft. Das Velo nutzt er noch immer; er musste es aber ein zweites Mal kaufen.
Valentin Zumsteg
Heute ist das kaum mehr vorstellbar, doch ...
Als das Mountainbike noch Geländerad hiess
Das waren noch Zeiten: 1987 hat Rolf Meyer aus Rheinfelden sein erstes «Geländerad» gekauft. Das Velo nutzt er noch immer; er musste es aber ein zweites Mal kaufen.
Valentin Zumsteg
Heute ist das kaum mehr vorstellbar, doch vor 40 Jahren waren Mountainbikes in der Schweiz nahezu unbekannt. Als Rolf Meyer aus Rheinfelden 1987 einen Prospekt für ein «Geländerad» der Marke Peak&Trail sah, war es um ihn geschehen: «Ich wusste: Das muss ich haben.»
Ohne Federung über Stock und Stein
Der ehemalige Musiklehrer und Künstler fuhr schon damals leidenschaftlich Velo – auch im Wald. «Ich bin mit meinem gewöhnlichen 5-Gang-Rad viel offroad gefahren. Das war zu jener Zeit aussergewöhnlich. Abseits der Strassen sah man noch keine Velofahrer. Ich dachte immer: Niemand weiss, wie schön das ist.» Als es dann endlich ein passendes Velo dafür gab, zögerte er nicht lange und kaufte es in einem Geschäft in Basel. «Es kostete 1800 Franken. Das war viel Geld. Ich wusste aber, das ist mein Ding.»
Von einem Mountainbike heutiger Bauart war das Modell noch weit entfernt: «Es hatte keine Federung, einen gemufften Stahlrahmen und schmale 1,5-Zoll-Reifen», erzählt der heute 68-Jährige. Zusammen mit einem Kollegen unternahm er mit dem neuen «Geländerad» grosse Touren, zum Beispiel von Interlaken über Habkern und die Lombach-Alp nach Sörenberg und über den Sattelpass nach Giswil. Ein anderes Mal ging es von Rheinfelden – über Stock und Stein – auf eine mehrtägige Tour ins Tessin. «Dass Biken einmal so populär wird, habe ich damals nicht erwartet. Anfangs war die Szene noch klein und überschaubar. Ab den 1990er-Jahren hat es aber Fahrt aufgenommen», erzählt Meyer, der jede Woche drei bis vier Mal für ein paar Stunden im Velosattel sitzt und unterwegs ist.
Geklaut und wieder aufgetaucht
Sein erstes «Geländerad» besitzt er noch immer. «Die 1800 Franken von damals haben sich also gelohnt, das Velo ist längst amortisiert», sagt er mit einem Lachen. Es sieht aber ganz anders aus als 1987: «Ich nutze es als Alltagsrad. Deswegen habe ich Licht, Schutzbleche und eine Glocke montiert.» Das Velo ist auch nicht mehr weiss wie in der Anfangszeit, sondern rot. Meyer liess es umspritzen und mit dem Signet «No Brand» (keine Marke) versehen. In Rheinfelden und Umgebung ist er häufig damit unterwegs. Daneben hat er vier weitere Velos, unter anderem ein E-Mountainbike und ein E-Gravelbike.
Dass er sein erstes «Geländerad» noch nutzen kann, ist ein kleines Wunder, denn es wurde ihm in den 1990er-Jahren aus einem Schopf neben seiner damaligen Wohnung gestohlen. «Ich habe es der Versicherung gemeldet und bekam das Geld zurückerstattet.» Doch damit war die Geschichte nicht zu Ende: Ein halbes Jahr später stand das Velo plötzlich wieder vor seiner Haustür. Das war eine freudige Überraschung. «Ich kaufte es der Versicherung wieder ab, denn ich wollte es unbedingt zurück.» So kam sein «Geländerad», mit dem er so viel erlebt hat, ein zweites Mal in seinen Besitz. Dort soll es bleiben.