«Ich will Profi werden»
21.10.2026 PersönlichLevin Hüsler aus Gansingen fuhr in dieser Saison als Radsportler erstmals in der Kategorie U-19/Junioren. Letztes Jahr war Hüsler der jahresbeste Anfänger/U-17-Fahrer. Für den 17-jährigen Gansinger ist klar: «Ich will Profi werden». Gleichwohl will er seine vierjährige Lehre in einem ...
Levin Hüsler aus Gansingen fuhr in dieser Saison als Radsportler erstmals in der Kategorie U-19/Junioren. Letztes Jahr war Hüsler der jahresbeste Anfänger/U-17-Fahrer. Für den 17-jährigen Gansinger ist klar: «Ich will Profi werden». Gleichwohl will er seine vierjährige Lehre in einem Architekturbüro in Laufenburg abschliessen.
August Widmer
Vor dem ersten Rennen in der höheren Kategorie im April im Wallis ermahnte ihn sein Vater Emanuel: «Schau, wie es dir in der höheren Kategorie läuft. Du wirst am Anfang Lehrgeld bezahlen müssen.» Emanuel Hüsler wusste, wovon er sprach. Er fuhr selber in der Elite-Kategorie und ist in Gansingen immer dann OK-Präsident, wenn der örtliche Velo-Moto-Club ein grösseres Rennen oder gar eine Tour de Suisse-Etappenankunft organsiert. Dass Sohnemann Levin kein Lehrgeld bezahlen musste, hatte weniger damit zu tun, dass Levin Hüsler etwa nicht auf die Ratschläge seines Vaters hören würde, als vielmehr damit, dass er zu den hoffnungsvollsten Nachwuchsfahrern gehört. Er machte dort weiter, wo er letztes Jahr aufgehört hatte. In der Kategorie Junioren/U-19 gehörte er von Saison-Anbeginn an zu den besten Fahrern. Im Jahresklassement dieser Kategorie, die zwei Jahrgänge umfasst, ist Levin Hüsler der beste Fahrer, derjenigen, die auch nächstes Jahr nochmals als U-19-Fahrer starten können.
Stürze konnten ihn nicht bremsen
Wenn Levin Hüsler Lehrgeld bezahlen musste, machte das der Gansinger ungewollt bei Stürzen. «In der Saison 2026 bin ich dreimal gestürzt. Zum Glück habe ich mir dabei nichts gebrochen. Aber die Stürze haben Substanz gekostet.» Den schwersten Sturz erlitt Hüsler an der Berner Rundfahrt: «Da hatte ich am ganzen Körper Hautabschürfungen und konnte fast einen Monat lang keine Rennen bestreiten.» Trotz dieser Rückschläge lässt sich Hüsler, der schon als Kleinkind mit dem Laufrad Radrennen bestritt und sich später der Radsportschule Sulz-Gansingen anschloss, nicht unterkriegen: «Stürze müssten eigentlich nicht sein. Aber leider gehören sie ein bisschen zum Radsport.» Unterkriegen lässt sich Levin Hüsler durch solche Missgeschicke nicht: «Dass ich mich nicht unterkriegen lasse, liegt daran, dass es mir Spass macht, mich auf dem Rennrad mit Gleichaltrigen zu messen.» Für den am 11. September 2009 geborenen Levin Hüsler war es deshalb keine Frage, dass er sich nach den erlittenen Stürzen sofort wieder aufrappelte und sich wieder aufs Rennrad schwang. Dass er nach solchen Zwangspausen wieder mit den Besten mithalten und vorne mitfahren konnte, zeigte nicht nur seine Veranlagung für den Radsport, sondern liess ihn diese Missgeschicke auch rasch wegstecken. So wurde Levin Hüsler an der Schweizermeisterschaft von Ende Juni im Jura Zweiter. Dies obwohl er im Mai und im Juni fast einen Monat lang kein Rennen bestreiten konnte. Am GP Rüebliland, dem Juniorenrennen quer durch den Aargau, hielt Hüsler mit der internationalen Gegnerschaft mit und kam als bester Aargauer auf den 27. Rang.
Europameisterschaft als erfreuliche Saisonzugabe
Dass er nicht für die Weltmeisterschaften in Kanada aufgeboten wurde, nimmt Hüsler gelassen: «An der Weltmeisterschaft konnten nur zwei Schweizer U-19-Fahrer starten. Dass ich für die Weltmeisterschaft kein Aufgebot erhielt, ist vielleicht auf mein Sturzpech zurückzuführen. Vor allem im Zeitfahren fehlten mir deswegen die Resultate.» Mehr als ein Trostpf laster war es für Hüsler, dass er für die am ersten Oktober-Sonntag in Slowenien stattgefundene Junioren-Europameisterschaft vom nationalen Verband ein Aufgebot erhielt. «Die Teilnahme an der Europameisterschaft war für mich der Saisonhöhepunkt. Ich konnte mich im grossen Feld gut behaupten und kam als zweitbester Schweizer auf den 39. Rang.» Hüsler hätte auch noch gerne das Mixed Relay, ein Mannschaftszeitfahren in dem drei Juniorinnen und drei Junioren ein Team bildeten, bestritten. Aber da blieb er in der Funktion des Ersatzmannes. Der Europameisterschaft konnte Hüsler gleichwohl nur Positives abgewinnen: «Wie am GP Rüebliland konnte ich in Slowenien internationale Rennluft schnappen. Das kommt mir sicher inskünftig zugute.» Hüsler möchte, obwohl er noch jung ist, vermehrt an internationalen Rennen teilnehmen. Deshalb schliesst er sich nächstes Jahr auch einem italienischen Nachwuchs-Team aus der Region Mailand an: «Bisher habe ich hauptsächlich Rennen in der Schweiz bestritten. Durch das italienische Team gibt es 2027 die Möglichkeit, vermehrt an internationalen Rennen teilzunehmen.» Obwohl Levin Hüsler eines Tages Profi werden möchte, steht für den jungen Gansinger fest: «Meine vierjährige Lehre als Zeichner in Fachrichtung Architektur beim Architekturbüro Lenzin Partner in Laufenburg stehe ich durch und werde sie fertig machen.» Levin Hüsler ist im zweiten Lehrjahr seiner Ausbildung. Sein Lehrgeschäft hat mit ihm erstmals einen jungen Auszubildenden, der Spitzensport betreibt. Hüsler weiss, dass dies auch für seinen Lehrbetrieb herausfordernd ist und ist sehr dankbar: «Ich spüre zwar keinen Druck, aber ich setze mich auch in der beruflichen Ausbildung ein.» Lehre und beruf liche Ausbildung unter ein Dach zu bringen, verlangt viel Selbstdisziplin und Struktur. Solange Hüsler auch im Lehrgeschäft seinen Mann stellt und die Noten in der Berufsschule nicht unter 5 sind, hat er die Rückendeckung des Lehrbetriebs. Auch dann, wenn sportlich nicht immer alles rund läuft, wie am zweiten Oktober-Sonntag am Querfeldein von Steinmaur. Beim ersten Abstecher in die Querfeldein-Rennen, mit denen Hüsler die Saison noch etwas verlängern wollte, erlitt er viermal einen Defekt. Auch eine solche Pechsträhne kann Levin Hüsler jedoch auf seinem radsportlichen Weg nicht stoppen.


