«Ich werde die Energie der Kinder vermissen»
10.05.2026 PersönlichDer Trompetenlehrer Edward Cervenka geht in Pension
Seit 1999 unterrichtet der Trompeter Edward Cervenka an der Musikschule Unteres Fricktal. Im Sommer wird er pensioniert. Er weiss jetzt schon, dass er seine Schülerinnen und Schüler, aber auch die Kollegen vermissen wird.
...Der Trompetenlehrer Edward Cervenka geht in Pension
Seit 1999 unterrichtet der Trompeter Edward Cervenka an der Musikschule Unteres Fricktal. Im Sommer wird er pensioniert. Er weiss jetzt schon, dass er seine Schülerinnen und Schüler, aber auch die Kollegen vermissen wird.
Janine Tschopp
Die Freude, die er ausstrahlt, wenn er die Greenhorns, die Tornados oder die Windband dirigiert, täuscht nicht. «Die Energie der Kinder beim Musizieren ist sehr schön», sagt Ed Cervenka. Seit 1999 ist er als Trompetenlehrer an der Musikschule Unteres Fricktal (vormals Musikschule Rheinfelden-Kaiseraugst) tätig. Er begleitet seine Schülerinnen und Schüler auch gerne am Klavier und dirigiert drei Jugendensembles. An der Musikschule war er bei verschiedenen Projekten, wie beispielsweise «Sound of Music» (2010), «Seussical» (2019) oder «Aris» (2025), dabei. Speziell Freude haben ihm zudem die Reisen – zum Beispiel jene nach Katalonien mit der Windband über Auffahrt 2025 – sowie die verschiedenen Lager gemacht. «In einer Woche Lager kommt man weiter als in einem ganzen Semester», ist der erfahrene Musiklehrer überzeugt.
Aufgewachsen bei Washington D.C.
In einem Vorort von Washington D.C. verbrachte Ed Cervenka seine Kindheit. «Wir hörten zu Hause viel klassische Musik.» Er selber nahm schon bald Klavierunterricht und lernte später Trompete. Bereits früh spielte er in Bands und sammelte Konzerterfahrung. Als Teenager war für ihn schon klar, dass er Musiker werden möchte. So studierte er Trompete an der Juilliard School in New York und arbeitete anschliessend als Musiker. Den Weg in die Schweiz fand er 1985, als er das Fach «Barocktrompete» an der Schola Cantorum Basiliensis in Basel belegte. «Ich hätte damals nie gedacht, für immer in der Schweiz zu bleiben.» Er wohnte anschliessend für viele Jahre in Basel. Seine Frau, geboren in Irland, kam ihm zuliebe in die Schweiz. Heute lebt die Familie in Biel-Benken im Baselbiet.
Fokus mehr und mehr auf dem Unterrichten
Nach dem Studium war Ed Cervenka, zuerst in New York und später in der Schweiz, als Trompeter in verschiedenen Orchestern und Formationen unterwegs. «In Amerika ist es fast nicht möglich, von der Musik leben zu können.» Im Laufe der Zeit spielte er immer weniger in Orchestern und seine Tätigkeit verlagerte sich stärker aufs Unterrichten. Bereits in den 1980er-Jahren unterrichtete er während zwei Jahren an der Musikschule Rheinfelden-Kaiseraugst. Seit 1999 ist er dort (heute Musikschule Unteres Fricktal) als Lehrer fest angestellt. «Beim Unterrichten hat man viel mehr persönlichen Kontakt. Auch bringt es einem musikalisch weiter.» Er schätzt die Energie und die Motivation der Schülerinnen und Schüler. Auch schätzt er die grosse Unterstützung der Eltern sowie der Schulleitung und der Lehrerkolleginnen und -kollegen an der Musikschule Unteres Fricktal.
«Ich erhielt noch einmal ein neues Leben»
Der 6. November 2025, sein 65. Geburtstag, war ein sehr wichtiger Tag für Ed Cervenka. «Eigentlich wollte ich an diesem Tag eine Ausstellung einer japanischen Künstlerin im Beyeler Museum besuchen.» Stattdessen lag er im Bruderholzspital und wurde nach sieben Tagen in der Intensivstation im Universitätsspital Basel an seiner Herzklappe operiert.
Er lebte schon mehrere Jahre mit einem Herzklappenfehler, der sich im Laufe der Zeit immer stärker auf sein Wohlbefinden und seine Fitness auswirkte. Ed Cervenka ist sehr glücklich, dass die Operation erfolgreich verlaufen ist, und er nach einem Rehabilitationsaufenthalt wieder ein intaktes Herz hat und im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Er strahlt: «Ich erhielt noch einmal ein neues Leben.»
Mit der Pensionierung im Sommer beginnt für den Musiklehrer ein neuer Lebensabschnitt. «Gerne würde ich mit meiner Frau Japan bereisen und Bekannte in Kenia besuchen», erzählt er über seine Pläne nach der Pensionierung. Ist es für ihn ein Thema, nach der Pensionierung wieder in seine ursprüngliche Heimat zurückzukehren? «Nein, wir möchten gerne hierbleiben. Auch unsere Kinder sind in der Schweiz verwurzelt.» Zudem wolle er unbedingt den Kontakt zu seinen Kolleginnen und Kollegen der Musikschule Unteres Fricktal behalten und weiterhin für Stellvertretungen oder spezielle Projekte zur Verfügung stehen. Auf die Frage, was er im neuen Abschnitt am meisten vermissen werde, sagt er ganz spontan und mit einem Schmunzeln: «Gewisse organisatorische Aufgaben werde ich sicher nicht vermissen, alles andere schon. Zum Beispiel die Energie der Kinder sowie meine Kolleginnen und Kollegen.»
Besonders schön fand er, dass er einige seiner Schülerinnen und Schüler auf einem langen Weg – teilweise vom Kindergarten bis Ende Gymnasium – begleiten durfte. Er habe erleben dürfen, wie Jugendliche mit viel Begeisterung über Jahre hinweg immer den Willen hatten, dranzubleiben und schliesslich musikalisch richtig erfolgreich wurden. «Manchmal war ich nicht nur Trompetenlehrer, sondern auch persönlicher Coach. Und ich versuchte immer, das Beste aus jedem Kind herauszuholen.»

