«Ich stehe schon seit über 30 Jahren im Sägemehl»
18.01.2026 PersönlichDie Fricktaler Jungschwinger sind derzeit auf Erfolgskurs. Mit welcher Formel der Trainer dafür arbeitet und worauf es neben dem sportlichen Können beim Schwingen noch ankommt, erklärt Jürg Mahrer.
Petra Schumacher
Der Schwingkeller vom Schwingklub Fricktal ...
Die Fricktaler Jungschwinger sind derzeit auf Erfolgskurs. Mit welcher Formel der Trainer dafür arbeitet und worauf es neben dem sportlichen Können beim Schwingen noch ankommt, erklärt Jürg Mahrer.
Petra Schumacher
Der Schwingkeller vom Schwingklub Fricktal befindet sich in Möhlins alter Turnhalle. Ordentlich aufgereiht hängen die Schwingerhosen der Wand nach, ein Viertel vom Keller ist mit Sägemehl gefüllt. «Wir sind der Gemeinde äusserst dankbar, dass wir hier die Möglichkeit haben, trainieren zu können», sagt Jürg Mahrer, Jahrgang 1986. Der ehemalige Schwinger trainiert seit fünf Jahren die Fricktaler Jungschwinger. «Beim Bau der Turnhalle muss das Schwingen von Anfang an geplant gewesen sein, denn der Boden unter dem Sägemehl wurde als Naturboden belassen. Das ist schon besonders.»
Schwingen steht für Werte
Jürg Mahrer fing mit acht Jahren an, im Sägemehl zu stehen. Dem Vater und älteren Bruder wollte er es gleichtun. «Ich war als Bub auch ein Schlitzohr», erklärt er schmunzelnd. «Die Regeln und Werte vom Schwingen haben mir da definitiv gutgetan.» Und das erfolgreich. Jürg Mahrer hat in seiner aktiven Zeit diverse Siege an Klubschwingfesten und 40 Kränze gewonnen. Einer der Höhepunkte war der Sieg am Basellandschaftlichen Kantonal Schwingfest 2013.
Gerade die Werte möchte der Schwingtrainer den Jungen und auch Mädchen mit auf den Weg geben. Vor einem Kampf reicht man sich die Hand, ab dann steht der Kampf im Vordergrund und man ist Gegner. Sobald der Kampfrichter den Kampf abruft und es einen Sieger gibt, reicht der Gewinner dem Verlierer die Hand, hilft ihm auf und wischt ihm den Rücken ab. Ab da ist der Kampf beendet und die Kameradschaft steht wieder im Vordergrund. «Genau das macht das Schwingen aus», so der Jungschwingerobmann. Die Regeln und Werte werden von Anfang im Training vermittelt.
«Das Sägemehl muss man mögen»
«Unsere jüngsten Jungschwinger sind 6 Jahre alt, die ältesten 15. Mit 16 Jahren wechseln die Jungschwinger dann zu den Aktivschwingern. Ein besonderes Augenmerk brauchen die ganz Jungen und die älteste Gruppe», erklärt Jürg Mahrer. Vor dem Heranführen an die ersten Schwünge stehen Fallund Abrollübungen an. «Da zeigt sich, wer als Jungschwinger bleibt, denn letztendlich muss man es nun mal mögen, im Sägemehl zu stehen, denn das hat man überall.» Die ältesten Jungschwinger fasst der Trainer als eine gesonderte Gruppe zusammen. «Bei den Jungschwingern treffen die 14- und 15-Jährigen auf Gleichaltrige und messen sich mit denen. Danach geht es zu den Aktivschwingern und da steht dann vor einem 16-Jährigen auch mal ein Brocken von 100 Kilo. Darauf müssen die Schwinger vorbereitet werden.»
Auf Erfolgskurs
Laut Jürg Mahrer werden jährlich zahlreiche Anstrengungen vom Verein unternommen, um neue Jungschwinger zu gewinnen. Schnuppertage, Trainings mit anderen Vereinen und Schulklassen sowie Ferienspassaktionen im Sommer sind festes Programm. «Natürlich haben wir nach dem Eidgenössischen Schwingfest 2022 in Pratteln ein grösseres Interesse gespürt», so der Schwingtrainer. 42 Jungen und Mädchen stehen derzeit auf der Fricktaler Jungschw ingerliste. Davon trainieren 20 bis 30 Kinder regelmässig im Schwingkeller. Die Saison 2025 war intensiv, aber auch erfolgreich. Insgesamt nahm der Verein an 20 verschiedenen Schwingfesten teil. Im Durchschnitt waren 10 bis 15 Jungschwinger pro Fest am Start. 56 Zweige wurden gewonnen, das sind mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr und dazu kamen mehrere Festsiege. Der Fricktaler Schwingklub ist mit den Jungschwingern auf Erfolgskurs.
Ein Fricktaler Schwingerkönig
«Schwingsport ist Teamwork, auch wenn zum Schluss jeder für sich allein auf dem Sägemehlplatz steht», sagt Jürg Mahrer. «Neben dem sportlichen Können und dem Engagement der Jungschwinger braucht es die Eltern, die die Kinder fahren und auch emotional unterstützen und es braucht die Schwingergemeinschaft. Auch von meiner Familie bekomme ich Rückendeckung und bin stolz, schwingen meine beiden Söhne Nino und Jannick. Bei den Trainings werde ich regelmässig von ehemaligen Aktivschwingern unterstützt. Nur so können wir allen Altersklassen gerecht werden. Und es braucht die Anlässe neben dem Training, die das Vereinsgefühl stärken.» Nach der aktuellen Erfolgsformel gefragt, antwortet der Jungschwingerobmann: «Ich glaube, all diese Puzzlestücke passen bei uns gerade gut zusammen. Unser Ziel ist gesteckt, wir wollen einen Fricktaler Schwingerkönig.»
Vorbilder braucht es
Dürfen die Jungschwinger ein Idol aus einem der anderen Verbände haben? «Unbedingt», meint Jürg Mahrer. «Völlig egal, ob es Armon Orlik, Samuel Giger oder Joel Wicki ist, ein Vorbild zu haben, an dem man sich orientiert, finde ich wichtig.» Zur Orientierung wird zum Training auch immer wieder ein Spitzenschwinger eingeladen – ein Höhepunkt für die Jungschwinger. «Sicherlich war das Eidgenössische Schwingfest 2022 in Pratteln für die Jungschwinger ein ganz besonderer Anlass, wo sie ganz direkt ihre Vorbilder erleben konnten», sagt Mahrer. «Wir durften zudem als Verein beim Festumzug dabei sein und am Sonntag beim Festanlass in die Arena mit einmarschieren. Dieser Moment vor den über 50 000 Zuschauern hat bei uns allen Hühnerhaut hinterlassen und bleibt im Gedächtnis.»
Jürg Mahrer blickt zuversichtlich in die kommende Saison. Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Fricktaler Jungschwinger an ihre Erfolge anknüpfen können. Die Nachwuchsfrage beschäftigt den Jungschwingerobmann aber weiter. Gern lädt er alle interessierten Jungen und Mädchen immer am Mittwoch von 18 bis 20 Uhr zum Probetraining in den Schwingkeller ein.

