«Ich spiele immer mit dem Herzen in der Hand»
28.10.2026 PersönlichFür Elias Kägi steht die Hauptrunde der Futsal Champions League Spiele an
Elias Kägis Leidenschaft gehört dem Ball. Beim Fussball erlebte er einige Aufs und Abs, doch erst beim Futsal ging bei ihm der Knoten ganz auf. Inzwischen gehört der 27-Jährige zum Kader der ...
Für Elias Kägi steht die Hauptrunde der Futsal Champions League Spiele an
Elias Kägis Leidenschaft gehört dem Ball. Beim Fussball erlebte er einige Aufs und Abs, doch erst beim Futsal ging bei ihm der Knoten ganz auf. Inzwischen gehört der 27-Jährige zum Kader der Futsal-Nationalmannschaft. Ebenso leidenschaftlich überzeugt, bildet der Frick taler Schreinerlehrlinge aus.
Petra Schumacher
Der Fussball begleitet Elias Kägi seit ganz jungen Jahren. Beim FC Zeiningen spielte er erstmals im Verein, wechselte für vier Jahre zu Concordia Basel und danach zum FC Basel. «Linksfüssler wie ich, werden immer gesucht und ich rechnete mir somit beim FC Basel gute Chancen aus. Der Plan ging aber nicht auf», so der Sportler. Er sass meist auf der Bank, wurde nicht gefördert und sein Selbstvertrauen war stark angekratzt. «Mein Vater, Mario Kägi, war Profifussballer beim FC Zürich. Er riet mir, erst einmal eine Ausbildung zu machen.» Elias befolgte den Rat und absolvierte in Zeiningen die Schreinerlehre.
Spiel mit vollem Einsatz
Der Ball liess Elias Kägi aber nicht los. Nach der Lehre fing er beim FC Wallbach an zu spielen und kam über verschiedene Vereinsstationen zum FC Dornach. «Dort bin ich sportlich aufgeblüht. Unser Trainer, Dejan Rakitic, hat auf mich gesetzt und alles aus mir herausgeholt», erklärt der Fussballer. «Unter Rakitic sind wir mit dem Verein in die erste Liga aufgestiegen. In dieser Zeit habe ich viel für meine Kondition getan. Technisch war ich nicht sehr versiert. Aber ich bin jemand, der für das Team kämpft, der sich voll einsetzt und einen starken Willen hat. Ich spiele einfach immer mit dem Herzen in der Hand.»
Engagierter Berufsbildner
Elias Kägi arbeitete in dieser Zeit als Schreiner in Möhlin und liess sich in Kursen zum Berufsbildner schulen. «Meine eigene Lehre war alles andere als gut», so der Schreiner. «Für jeden gemachten Fehler wurde ich mit harten Worten negativ beurteilt. Motivation und Unterstützung im Lernprozess fehlten völlig. Diese eher traumatische Erfahrung hat mich dazu bewogen, mich als Berufsbildner zu engagieren. Ich möchte den jungen Auszubildenden den Spass am Beruf vermitteln und sie in ihrer Entwicklung unterstützen.»
Erste Futsal-Erfahrung
In Dornach kam Elias Kägi 2022 zum ersten Mal mit Futsal in Berührung. Der Fussballer erklärt: «Futsal ist die offizielle, von der FIFA anerkannte, Hallenfussball-Variante. Futsal ist schneller und dynamischer als Rasenfussball. Als Spieler trägt man beim Futsal mehr Verantwortung. Wenn du dir einen Fehler erlaubst, dann ‹scheppert› es halt direkt im Goal. Aber dafür steht man im Team auch enger zusammen. Es ist recht familiär.» Eine Saison lang spielte der Fussballer parallel zum Rasenfussball in der Dornacher Futsalmannschaft. «Wir waren ein zusammengewürfeltes Team aus der dritten, der zweiten und der ersten Mannschaft. Wobei von der ersten Mannschaft nur ich vertreten war. Dann hat mich Salines Futsal von Rheinfelden angefragt. So stand ich am Samstag für Dornach auf dem Platz und spielte für Rheinfelden am Sonntag in der Halle.»
Im Kader der Nationalmannschaft
«Bei Rheinfelden Salines ist bei mir der Knoten geplatzt. Technisch war ich nicht sofort auf der Höhe, aber dank des intensiven Konditionstrainings unter Dejan Rakitic war ich schnell und ausdauernd. Ziemlich rasch habe ich mich dann auch technisch ‹eingefuchst›. Es ist schon speziell, beim Futsal scheint mir der Ball am Fuss zu kleben. Wir hatten dann ein wichtiges Cup-Spiel gegen Minerva Bern. Man muss wissen: Minerva Bern ist die Top-Mannschaft in der Schweiz. Gegen Minerva haben wir zwar 4:1 verloren, aber ich konnte ein extrem gutes Spiel abliefern und habe das eine Tor für Rheinfelden geschossen», erklärt Elias Kägi. Nach diesem Spiel erhielt der Spieler das Aufgebot für die Schweizer Futsal-Nationalmannschaft. Im Januar 2024 spielte er sein erstes Länderspiel für die Nati und erzielte sein erstes Tor.
Rückschläge einstecken
«In dieser Zeit lief es für mich sowohl drinnen als auch draussen gut mit dem Ball. Ich hatte dann ein Probetraining und drei Testspiele beim FC Zürich.» Das erste Spiel lief für den Fussballer gut, die anderen beiden weniger und der erhoffte Vertrag blieb aus. «Ich war ziemlich frustriert und kehrte zurück zum FC Möhlin. Da habe ich eine halbe Saison lang eine Klasse tiefer in der Zweitliga wieder unter Dejan Rakitic gespielt und mir dort mein Selbstvertrauen zurückgeholt, obwohl ich sportlich unterfordert war.» Nach einem kurzen Zwischenstopp jenseits des Röstigrabens kam 2024 Minerva Bern auf Elias Kägi zu: «Du hast einen super linken Fuss, hiess es.»
Dranbleiben lohnt
«Minerva Bern ist beim Schweizer Futsal das Nonplusultra. Da sagt man nicht nein», so Elias Kägi. Er zog nach Bern, bekam in einer Schreinerei eine 80-Prozent-Stelle und arbeitet in der Lehrlingsausbildung. «Der Wechsel erwies sich als absoluter Glücksgriff für mich», so der Sportler. «Wir pflegen in der Schreinerei eine offene Kommunikation und zudem wird mir viel Verständnis für mein sportliches Engagement entgegengebracht. Das schätze ich sehr. Sich auf der grössten Futsal-Bühne der Schweiz zeigen zu können und dazu den Wunschberuf auszuüben, erfüllt mich absolut mit Stolz. Ich habe wirklich einige harte Zeiten erlebt. Aber für mich hat sich gezeigt, dass es sich lohnt, nicht aufzugeben und dranzubleiben. Wenn man für seine Ziele kämpft, zahlt es sich irgendwann aus.» Am 28. Oktober steht in der Slowakei die Hauptrunde der Futsal Champions League an, in der Elias Kägi mit Minerva gegen drei andere Mannschaften spielen wird. «Vier Gruppen gibt es in dieser Hauptrunde. Mindestens ein Spiel müssen wir in unserer Gruppe gewinnen, um weiterzukommen.» Weiterkommen würde der Sportler auch gern mit der Nationalmannschaft. Sich für eine EM oder WM zu qualifizieren, steht ganz oben auf seiner Wunschliste. Aus seiner Sicht, hat Elias Kägi seine stabile sportliche Leistung auch seiner Partnerin zu verdanken. «Fünfmal in der Woche Training und am Wochenende das Spiel, da unterstützt die Akzeptanz und das Rückenfreihalten enorm, was ich meiner Partnerin auch immer wieder gern sage.»
Wer die Spiele am 28. Oktober verfolgen möchte, kann das online über arena.asport.tv tun. Live ist Elias Kägi beim nächsten Futsal-Spiel am 29. November in der Sporthalle im Rheinfelder Engerfeld zu sehen, wenn Bern Minerva auf Salines Futsal trifft.
Futsal
Erfunden wurde die Sportart Futsal in den 1930er-Jahren in Uruguay vom Sportlehrer Juan Carlos Ceriani, weil Kinder wegen fehlender Plätze oft auf Basketballfeldern in der Halle spielten. Der Name leitet sich von den spanischen und portugiesischen Begriffen für Hallenfussball (fútbol sala bzw. futebol de salão) ab. Gespielt wird auf einem harten Hallenboden (ohne Banden) im Format eines Handballfeldes mit kleinen Toren (drei mal zwei Meter). Es spielen vier Feldspieler und ein Goali pro Mannschaft. Die Spieldauer beträgt zweimal 20 Minuten. Der Futsalball ist kleiner und schwerer als ein normaler Fussball, das erleichtert die Ballkontrolle am Boden in engen Räumen.

