Rheinfeldens Stadtpräsidentin war zu Gast in den «Abendgesprächen» der Volkshochschule in Badisch-Rheinfelden. Claudia Rohrer sprach auch über die Grenze, die sie nie wahrnahm, über ihre Vorfahren auf dem Dinkelberg – aber auch darüber, wie sie als eine der ersten Frauen zur Feuerwehr ...
Rheinfeldens Stadtpräsidentin war zu Gast in den «Abendgesprächen» der Volkshochschule in Badisch-Rheinfelden. Claudia Rohrer sprach auch über die Grenze, die sie nie wahrnahm, über ihre Vorfahren auf dem Dinkelberg – aber auch darüber, wie sie als eine der ersten Frauen zur Feuerwehr kam.
Boris Burkhardt
Die Volkshochschule (VHS) in der badischen Schwesterstadt hatte Rohrer am vergangenen Montag zum «Abendgespräch» eingeladen, das VHS-Leiterin Veronika Plank regelmässig mit Gästen führt, 2024 auch schon mit Rohrers Amtsvorgänger Franco Mazzi. Plank, die selbst im Schweizer Rheinfelden wohnt, liess Rohrer zunächst von sich erzählen: Familienanwältin wurde die Juristin, weil sie es nicht über sich gebracht hätte, als Strafverteidigerin Mörder und Vergewaltiger zu verteidigen. In die Feuerwehr trat sie ein, als der Rheinfelder Buchhändler ihres Vertrauens, nicht zufällig auch der damalige Kommandant Hans Schaffner, sie 1991 fragte, was sie von der Gleichstellung der Frauen halte: «Als ich mich dazu positiv äusserte, fragte er mich, warum ich nicht Feuerwehrfrau werden wolle.»
Das angekündigte Hauptthema im Gespräch waren aber die Beziehungen beider Rheinfelden. «Klaus Eberhardt ist der Hammer», sagte Rohrer unumwunden über ihren deutschen Amtskollegen: «Ich bewundere ihn dafür, wie er Sachen auf den Punkt bringen kann.» Ebenso wichtig wie die gute Beziehung zwischen den beiden Stadtoberhäuptern sei ihr aber, dass sich die Mitarbeiter beider Rathäuser aus den entsprechenden Fachgebieten kennen.
Rheinsteg weiterverfolgen
Als gemeinsame Themen der Zukunft sieht sie etwa die regelmässigen Staus am Autobahnzoll. Auch den Rheinsteg will sie langfristig nicht aufgeben, auch wenn er derzeit noch kein Thema sein könne. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit beider Städte betont Rohrer beim Neujahrsempfang. Weil der Bahnhofsaal wegen Renovierung über Jahre gesperrt bleiben wird, war es in der Diskussion, den jährlich zwischen beiden Städten wechselnden Neujahrsempfang ausschliesslich auf der badischen Seite zu veranstalten. «Wir werden es aber 2027 trotz enger Platzverhältnisse auf Schweizer Seite probieren. Wenn wir danach feststellen, dass es nicht gereicht hat, wissen wir, dass wir uns jederzeit an unsere Schwesterstadt wenden können.»
Ob es etwas gibt, was sie Badisch-Rheinfelden neide? Ja, das Rathaus und den Bürgersaal, «besonders, wie er sich auf verschiedene Ebenen verteilt». Ob es etwas gibt, was sie an Badisch-Rheinfelden nerve? Nein, sonst würde sie nach Lösungen suchen.
Gerne berichtete die Stadtpräsidentin über ihre privaten Beziehungen zu Badisch-Rheinfelden: «Ich liebe es, den Rheinrundweg zu laufen, zuerst auf badischer Seite mit dem Blick auf meine Heimat, die historische Altstadt, und später auf Schweizer Seite mit Blick auf die Industrie, die Badisch-Rheinfelden grossgemacht hat.» Unter der Grenzschliessung während Corona habe sie sehr gelitten. Die badische Seite ihrer eigenen Familiengeschichte dürfte für die meisten Zuhörer neu gewesen sein: «Meine Vorfahren stammen aus der Fricker Gegend. Sie waren arm und suchten vermutlich Arbeit auf dem Dinkelberg.» Die Familientradition wolle es, dass sich die Vorfahren in Eichsel, heute ein Stadtteil von Badisch-Rheinfelden, niedergelassen hätten; weil das dortige Archiv im Pfarrhaus aber verbrannt sei, gebe es keine Gewissheit. Erst ihr Grossvater sei wieder in Lörrach nachweisbar.