«Ich habe sechs Gemeindeammänner erlebt»
13.07.2026 PersönlichDieter Studinger feiert sein 30-Jahr-Dienstjubiläum beim Gemeindewerk Mumpf
Einen Blick für die Arbeit muss man haben, nächtliche Einsätze gehören eingeplant, das Wetter muss man nehmen, wie es kommt und für die Dorfbevölkerung braucht es ein offenes Ohr. Dieter Studinger hat in ...
Dieter Studinger feiert sein 30-Jahr-Dienstjubiläum beim Gemeindewerk Mumpf
Einen Blick für die Arbeit muss man haben, nächtliche Einsätze gehören eingeplant, das Wetter muss man nehmen, wie es kommt und für die Dorfbevölkerung braucht es ein offenes Ohr. Dieter Studinger hat in seinen 30 Dienstjahren als Leiter Gemeindewerk Mumpf viel erlebt. Den Beruf würde er jederzeit wieder wählen.
Petra Schumacher
Dieter Studinger, Jahrgang 1961, ist in Mumpf aufgewachsen und zur Schule gegangen. Seine Lehre als Bauspengler hat er in Möhlin gemacht. «Die handwerkliche Arbeit lag mir und den Aufgabenbereich als Spengler fand ich sehr interessant», so der Mumpfer. «Als die Stelle des Gemeindewerkers ausgeschrieben war, wollte ich einfach mal meinen Marktwert testen. Als dann die Zusage kam, musste ich schon einen Moment gut überlegen, ob ich wirklich wechseln wollte.» Bereut hat er diesen Schritt nicht, auch nach 30 Jahren gefällt ihm seine Arbeit.
Blick für die Arbeit
«Natürlich erhalte ich Arbeitsaufträge, aber im Grunde bin ich mein eigener Chef», so der Gemeindewerker. «Logischerweise muss man da einen Blick für die Arbeit haben und in der Lage sein, sie eigenständig zu erledigen.» Reparaturarbeiten, die Pflege der Grünanlagen, der Unterhalt der Wasserversorgung und der Friedhofsdienst sind nur ein Teil der langen Tätigkeitsliste. «Der Bürojob gehört auch noch dazu», ergänzt Dieter Studinger. «Den mag ich weniger, wie ich auch die Beerdigungsarbeiten als notwendige Pflicht sehe.»
Einen Lehrmeisterkurs mit Diplomabschluss in Lenzburg hat er in seinen Dienstjahren absolviert, drei Lehrlinge erfolgreich ausgebildet und zahlreiche «Ferienjöbler» betreut. «Neben meinem Mitarbeiter bekomme ich auch immer mal wieder Leute zugeteilt, die nur mit einem geringen Stellenprozent für kurze Zeit hier arbeiten. Da braucht es Menschenkenntnis, um zu wissen, welche Maschine und welche Aufträge ich den Leuten zuweisen kann», so der Leiter vom Gemeindewerk.
Wertschätzung der Arbeit
In den letzten 30 Jahren hat sich viel verändert, erzählt Dieter Studinger. «Beim Computer musste ich immer am Ball bleiben», sagt er und ergänzt mit einem Lächeln: «An die neuen Maschinen habe ich mich schneller gewöhnt.» Die Arbeit sei nicht immer einfach gewesen, berichtet der Gemeindewerker, für manche Problemlösungen habe es länger gebraucht. «Ich habe den Sinn meiner Arbeit gesehen und das Ergebnis vom Tag war immer erkennbar, das war meine Motivation.» Sechs Gemeindeammänner und diverse Gemeinderäte hat er inzwischen erlebt. Zum Dienstjubiläum gab es einen Apéro mit Ehrung auf der Gemeinde. Der schönste Lohn sei aber eigentlich die Wertschätzung, die er für seine Arbeit im Dorf erhalte, erklärt Dieter Studinger. «Wenn mir die Leute sagen, dass man es an vielen Stellen im Dorf direkt merkt, wenn ich in den Ferien bin, freut mich das sehr.»
Der Allrounder
Jeder Tag sei bei ihm anders, erzählt der Gemeindewerker, der gern draus sen unterwegs und stolz auf seinen Kommunaltraktor ist. «Die Maschine ist mir dabei eine grosse Hilfe. Damit kann ich den Sportplatzrasen mähen, den Schneepflug vorne montieren oder Salz streuen. Früher sass ich im offenen Traktor für den Winterräumdienst und musste immer überlegen, wie viele Schichten ich anziehen muss, um nicht zu frieren.» Auch nächtliche Anrufe, die ihn zum Einsatz rufen, zählen zum Arbeitsalltag. «Ich habe schon öfter Wasserleitungsbrüche miterlebt. Egal zu welcher Uhrzeit, da müssen wir schnell handeln.» Und dann wird noch etwas ganz anderes von ihm eingefordert. Das Zuhören. «Wenn ich draussen am Schaffen bin, kommen oft die älteren Leute. Sie erzählen von früher und brauchen jemanden, der gerade einen Moment Zeit für sie hat. Ich habe das Gefühl, das hat sogar zugenommen. Inzwischen plane ich das in meinem Tagesprogramm mit ein.»
Geändert hat das Verhalten seiner Mitmenschen, findet der Gemeindewerker. «Das Littering und das Bedürfnis, etwas sinnlos zu zerstören, sind leider mehr geworden. Generell wird heutzutage viel mehr weggeworfen. Einige Leute entsorgen gedankenlos ihren Müll wahllos rund ums Dorf. Dafür habe ich so gar kein Verständnis und natürlich bedeutet das für mich auch einen zusätzlichen Arbeitsaufwand.»
Gute Ideen kommen unterwegs
Einen grossen Wunsch hat sich Dieter Studinger vor einigen Jahren selber erfüllt. Da hat er den Motorradschein in der Kategorie A gemacht und sich eine Harley zugelegt. Die erste grosse spontane Ausfahrt endete auf Korsika. «Meine Frau hatte damit nicht gerechnet, aber gefallen hat es ihr dann doch», so Dieter Studinger mit einem Augenzwinkern. «Ich sitze gern auf dem Töff. Da bekomme ich den Kopf vom Alltag frei und mir fallen neue Ideen ein.» Noch weiter ging es 2017. «Wir sind nach Amerika geflogen und haben dort eine geführte Töfftour auf dem Highway No 1 und der Route 66 gemacht. Das war gewaltig. Ich bin ja nicht so der Reisemensch, aber das hat mir gefallen.»
Pensionierung in Sicht
Im dreissigsten Dienstjahr geht es bei Dieter Studinger auch auf die Pensionierung zu, denn im Herbst wird er 65. «Ich schaffe wirklich gern auf dem Beruf, aber ich kann dann auch gut in die Pensionierung gehen», so der Gemeindewerker. Seine Grosskinder wissen ihn zu beschäftigen, vielleicht wird er einen Französisch-Sprachkurs belegen und Ausflüge und Reisen mit seiner Frau stehen an. «Neben kleinen Töfftouren nehmen wir gern eine SBB-Tageskarte und erkunden ganz in Ruhe die Schweiz. Für uns muss es nicht immer weit weggehen.» Auf die Frage, ob es abschliessend einen Ratschlag gibt, um 30 Jahre glücklich im Beruf zu sein, antwortet Dieter Studinger: «Man braucht einen breiten Rücken, muss sich auch mal durchbeissen können und sollte seine geleistete Arbeit selber wertschätzen.»

