«Ich habe an die Marke geglaubt»
16.02.2026 PersönlichMarc Joss hat es geschafft, Switcher erfolgreich zurück auf den Markt zu bringen
Marc Joss aus Frick ist bei Switcher Mitinhaber und Geschäftsführer. Im März wird als erster Laden im Aargau ein Switcher-Shop in Rheinfelden eröffnet.
Petra ...
Marc Joss hat es geschafft, Switcher erfolgreich zurück auf den Markt zu bringen
Marc Joss aus Frick ist bei Switcher Mitinhaber und Geschäftsführer. Im März wird als erster Laden im Aargau ein Switcher-Shop in Rheinfelden eröffnet.
Petra Schumacher
«Ich bin einer aus dem oberen Fricktal», stellt sich Marc Joss, Jahrgang 1976, bei unserem Gespräch in seinem Büro in Frick vor. Er ist in Bözen geboren und aufgewachsen. «Ich war da im Turnverein, der Jugendriege und später im Fussballclub in Frick fest eingebunden und tief verwurzelt. Es war eine richtig gute Zeit.» Nach der Schule ging es zur Ausbildung als Detailhandelskaufmann nach Aarau, anschliessend zur ersten Anstellung nach Seon. Dort, bei Mammut, hatte er viel mit Westschweizern zu tun und merkte, dass er mit seinem Schulfranzösisch so ziemlich an die Grenzen kam. Auf Veränderungen aus, entschloss er sich für die Saisonarbeit in einem Sportgeschäft im Walliser Skigebiet Grimentz. Es gefiel ihm, er lernte Französisch, hängte eine zweite Saison an und zügelte 2001 nach Lausanne. «In der Westschweiz war mein Deutsch sehr gefragt. Damit hatte ich, zusammen mit der Berufserfahrung, gute Chancen bei der Jobsuche und so bin ich bei Switcher gelandet.» Eigentlich wollte er nach Bözen zurück, doch seine nächste Station war zunächst Hongkong, wo er ein Jahr lang die Switcher-Geschäfte mit China koordinierte, und sein Englisch verbesserte, bevor es für ihn vorerst wieder nach Lausanne ging.
«Die Zeit in Lausanne hat mich ziemlich geprägt. Zehn Jahre waren es schliesslich, die ich dort war. Da habe ich auch meine Frau kennengelernt und wir haben mit unseren zwei Jungs als Familie dort gelebt», erzählt Marc Joss. «Ich war richtig in der Romandie angekommen. So habe ich mit meiner Frau erst nach längerer Zeit gemerkt, dass wir auch Schweizerdeutsch miteinander sprechen können, da sie ja aus dem Zürcher Oberland kommt», ergänzt er schmunzelnd.
Doch das Heimwehgefühl nach Bözen blieb und als er von der Mutter Bauland erbte, stand der Rückkehr nichts mehr im Weg. «Es war eine Heimkehr zu den Wurzeln. Ich habe mich schnell wieder eingelebt, war wieder im Turnverein und auch vier Jahre im Gemeinderat aktiv. Für meine Familie war die Umstellung da schon grösser. Gerade für meine Jungs, die bis dahin nur Französisch gesprochen hatten, war das ein richtiger Neustart.»
Glaube an die Marke
Marc Joss bleibt weiterhin bei Switcher, übernimmt die Schweizer Verkaufsleitung und pendelt von Bözen aus durch die ganze Schweiz. Während es für Marc Joss gut läuft, entwickeln sich bei Switcher Turbulenzen, die 2016 mit dem Konkurs enden. «Für mich persönlich war damit der Schlusspunkt aber noch nicht gesetzt», erklärt Marc Joss. Als die Insolvenz rechtlich geregelt, die Markenrechte von Switcher verkauft und neue Geldgeber mit an Bord waren, suchten die neuen Investoren jemanden vor Ort in der Schweiz und fragten bei Marc Joss an. «Ich habe keine Sekunde überlegen müssen, als das Angebot kam», so der Switcher-CEO. «Ich habe an die Marke geglaubt.»
«Ich wusste, dass wir klein anfangen müssen», sagt Marc Joss rückblickend. «In Elfingen sind wir im alten Gemeindehaus gestartet.» Das teure Lager in der Westschweiz wurde gekündigt. Im Sommer 2023 zog das Unternehmen mit Lager und Büro in Frick an der Widengasse ein. «Der Wiederaufbau von Switcher war eine wirklich harte Zeit. Vier Jahre waren wir ja weg vom Markt und dazu kam dann noch Corona. Unsere anfängliche Strategie mit dem Handel ging leider nicht auf und die Investoren waren mit den Zahlen nicht zufrieden», so der Geschäftsführer. «In dieser Zeit hat mich die Vereinstätigkeit gerettet. Da habe ich den Kopf frei bekommen, das war meine Rückendeckung. Ich hatte aber auch einen eisernen Willen und wusste, ich muss die richtige Formel finden und dann wird es funktionieren.»
Erfolgreich auf neuen Wegen
Der Onlineshop wurde hochgefahren, das Marketing verstärkt und die Logistikabläufe optimiert. Die Formel ging auf. Die Zahlen wurden besser, viel besser. «Wachstum wünscht man sich, aber ich wusste, wenn wir mit der Firma jetzt weiterhin wachsen, ohne einiges anzupassen, bekommen wir Probleme. Wachstum muss man im Griff haben», erklärt Joss. Mit Galaxus und Zalando Schweiz wurden zwei neue Vertriebskanäle installiert, Marc Joss stellte einen Marketingfachmann ein und eröffnete im Jahr 2025 das erste Ladengeschäft in Winterthur. «Ich verfüge über ein breit aufgestelltes Halbwissen und kann überall gut mitreden», verrät Marc Joss. «Aber ich bin kein Spezialist und ab einer gewissen Grösse braucht es Spezialisten. Viele kleine Firmen bleiben in der Entwicklung stecken, weil sie da nicht die richtigen Entscheidungen treffen.» Die Pläne des Geschäftsführers sind ehrgeizig. Am 3. März wird in der Rheinfelder Marktgasse der erste Switcher-Laden im Aargau eröffnet, die nächste Eröffnung folgt dann im August in Bulle. Bis Ende 2027 sollen fünf bis zehn weitere Shops folgen. Wie schafft man so eine ambitionierte Arbeit kräftemässig? «Ich kann gut mal nichts machen, ich kann wirklich komplett abschalten», antwortet Marc Joss auf die Frage, und fügt hinzu: «Mich erfüllt der Job. Daraus ziehe meine Kraft».
Switcher, das Unternehmen mit dem gelben Wal als Logo, wurde 1981 in Lausanne mit dem Ziel gegründet, nachhaltige und langlebige Basismode zu einem erschwinglichen Preis zu produzieren. 2016 musste Switcher Konkurs anmelden. Die Markenrechte wurden verkauft, neue Investoren stiegen ein.

