«Ich fühle mich von Brahms verstanden»
26.10.2026 PersönlichMusik ist sein Leben und seine Leidenschaft: Timo Waldmeier aus Magden dirigiert Laienchöre und Profi-Orchester. Demnächst gastiert er mit dem Jugendchor beider Basel und später mit dem Motettenchor Region Basel in Rheinfelden.
Valentin Zumsteg
Mozart war seine erste ...
Musik ist sein Leben und seine Leidenschaft: Timo Waldmeier aus Magden dirigiert Laienchöre und Profi-Orchester. Demnächst gastiert er mit dem Jugendchor beider Basel und später mit dem Motettenchor Region Basel in Rheinfelden.
Valentin Zumsteg
Mozart war seine erste musikalische Liebe. «Ich habe als Siebenjähriger die ‹kleine Nachtmusik› auf der Blockflöte gespielt – immer wieder», erzählt Timo Waldmeier mit einem Lachen. Die Musik hat ihn von Kindsbeinen an begleitet – und nie mehr losgelassen. Am Gymnasium mit Schwerpunkt Musik sang der junge Bariton mit Begeisterung im Chor.
«Aufnahmeprüfung mit Ach und Krach bestanden»
Dass aus seiner Liebe zur Musik einmal ein Beruf würde, konnte er sich lange nicht vorstellen. Doch als Mitglied des Schweizer Jugendchors «jutz.ch» war er vom Wirken des damaligen Chorleiters Marco Beltrani so begeistert, dass er sich für diesen Weg entschied. «Mir wurde klar, dass ich in der Musikwelt, die ich am Europäischen Jugendchorfestival Basel erleben durfte, zu Hause sein will. Und ich wollte lernen, was Marco Beltrani so wunderbar vorlebte.» Also bereitete er sich während seiner Zivildienstzeit auf die Aufnahmeprüfung für das Studium in Chorleitung an der Hochschule für Musik in Basel vor. «Ich bestand sie mit Ach und Krach», erinnert er sich. Das Masterstudium schloss er dann 2022 mit Auszeichnung ab.
Heute ist Timo Waldmeier, der in Magden aufwuchs und in Basel lebt, Leiter des Swiss Chamber Festivals, freischaffender Chorleiter und freischaffender Orchesterdirigent. Daneben studiert er Orchesterleitung an der Zürcher Hochschule der Künste. Trotz seines jungen Alters von 30 Jahren konnte er schon viele Erfahrungen mit professionellen Orchestern sammeln. Seit 2021/22 arbeitet er regelmässig mit dem Sinfonieorchester Basel und seit 2025 mit der Bodensee-Philharmonie zusammen. «Das ist eine sehr schöne Arbeit. Als junger Dirigent bekommt man nicht immer die grössten Projekte, man ist aber dankbar für jede Chance, mit einem professionellen Orchester zusammenarbeiten zu können.» Eigentliche Vorbilder beim Dirigieren hat er nicht, er schätzt aber zum Beispiel Simon Rattle «als Mensch und Dirigent».
In seiner Arbeit sucht Timo Waldmeier nach einer gemeinsamen musikalischen Sprache, in der Ideen nicht allein vom Dirigenten ausgehen, sondern von allen Beteiligten getragen werden. «Der Dirigent darf und muss aber Entscheidungen treffen, für demokratische Entscheide bleibt meist keine Zeit.»
«Eine gewisse Narrenfreiheit»
Aber auch die Arbeit mit den Laienchören bereitet ihm viel Freude – und sie hilft ihm, seit seinem Studienbeginn 2017 den Lebensunterhalt zu bestreiten. «Als junger Dirigent geniesst man eine gewisse Narrenfreiheit. Ich darf Dinge ausprobieren, das gefällt mir sehr.» Was muss ein guter Dirigent mitbringen? Darauf hat Timo Waldmeier eine einfache Antwort: «Es braucht eine klare musikalische Vorstellung, die so vermittelt wird, dass sie sich mit Freude umsetzen lässt.» Neben Mozart und Beethoven liebt er vor allem die Musik von Brahms. «Ich fühle mich von ihm verstanden», erklärt er.
In den kommenden Wochen ist Timo Waldmeier zwei Mal mit Chören im Fricktal zu Gast. Am 31. Oktober gastiert der Jugendchor beider Basel in der Stadtkirche St. Martin in Rheinfelden. Am 22. November tritt Waldmeier am gleichen Ort mit dem Motettenchor Region Basel auf, den er seit rund eineinhalb Jahren dirigiert. «Die Arbeit macht sehr viel Spass. Die Sängerinnen und Sänger sind sehr ambitioniert.» Er freut sich auf die beiden Auftritte im Fricktal und hofft, dass viele Bekannte im Zuschauerraum sitzen werden. «Das Fricktal ist meine Heimat. Ich spreche auch ‹Fricktalienisch›, das ist mir wichtig.» Wohin ihn sein Weg führen wird, ist für Timo Waldmeier derzeit noch offen. «Ich weiss nicht, wo ich in fünf Jahren sein werde.» Er wünscht sich aber, dass er eine Anstellung in einem Theater erhält – egal ob in der Schweiz oder im Ausland. «Am liebsten in der Sparte Musiktheater, denn dort kommen viele Kunstformen zusammen: Orchester, Gesang, Tanz, Schauspiel und Bühnenbild.»
Motettenchor und Jugendchor in der Stadtkirche
Der Motettenchor der Region Basel widmet sich im November dem Thema Abschied – und der darin innewohnenden Hoffnung. Unter dem Titel «Auf Wiedersehen» erklingen Werke von Heinrich Schütz und Claudio Monteverdi, ergänzt durch Musik von Zeitgenossen wie Andreas Hammerschmidt. «Die Musik des frühen Barocks macht den Text zum Ausgangspunkt allen Ausdrucks: Klage, Trost und Zuversicht werden unmittelbar hörbar. Geistliche Werke eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf das, was Abschied bedeuten kann», heisst es in einer Medienmitteilung. Der Chor wird von einer Continuo-Gruppe mit jungen Musikerinnen und Musikern der Schola Cantorum Basiliensis auf historischen Instrumenten begleitet. Cembalo, Violone, Theorbe und Viola da Gamba entfalten ein tragendes Fundament. In Rheinfelden tritt der Chor mit Dirigent Timo Waldmeier am Sonntag, 22. November, um 17 Uhr in der Stadtkirche St. Martin auf.
Bereits am Samstag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr ist Dirigent Timo Waldmeier mit dem Jugendchor beider Basel in der Stadtkirche in Rheinfelden zu Gast. Unter dem Titel «Hex» entführt der Chor in die Welt des Unheimlichen und Wunderbaren. (mgt/nfz)

