«Ich bin immer noch der Kronenwirt-Peter»
28.09.2026 PersönlichEgal, ob es um die Geschichte der Dorf-Übernamen im Fricktal oder die Historie der Möbelindustrie im Kanton Aargau geht – Peter Brack interessiert sich für vieles und hat ein enormes Wissen darüber gesammelt.
Petra Schumacher
«Meine Mutter war sehr geschichtsinteressiert ...
Egal, ob es um die Geschichte der Dorf-Übernamen im Fricktal oder die Historie der Möbelindustrie im Kanton Aargau geht – Peter Brack interessiert sich für vieles und hat ein enormes Wissen darüber gesammelt.
Petra Schumacher
«Meine Mutter war sehr geschichtsinteressiert und konnte gut erzählen», berichtet Peter Brack, Jahrgang 1951. «Ich war schon immer ein ‹Gwundriger› und habe gern zugehört.» Peter Brack stammt sowohl von den Bracks als auch von den Heubergers ab. Beide Familien haben massgeblich die Geschichte des oberen Fricktals mitgeprägt. Sein Vorfahre, Kaspar Heuberger, urkundlich als des Müllers Sohn genannt, kaufte 1827 im Hinterdorf von Hornussen eine Liegenschaft, die «Krone», und errichtete dort eine Pferdewechselstation. «Obwohl die Familie kein Gasthaus betrieb, bekam das Haus und damit auch die Familie den Dorfnamen Kronenwirt.
Geschichte der Dorfnamen
«Früher hatte hier in Bözen und Hornussen jedes Haus seinen eigenen Namen und die Menschen, die darin lebten, wurden mit diesem Namen angesprochen. Noch heute bin ich für die alten Leute im Dorf der Kronenwirt-Peter. Wenn eine Frau heiratete und zügelte, nahm sie ihren Hausnamen mit. Das ist schon speziell.» Das Wissen um die Dorfnamen und die Geschichte der Häuser fand sich bisher in keinem Archiv. «Ich habe das Gefühl, dass ich zur letzten Generation gehöre, die noch Zugang zu dem alten Wissen hat», erzählt Peter Brack. «Wenn diese Geschichten jetzt nicht festgehalten werden, sind sie auf immer verschwunden. Das fände ich sehr bedauerlich, denn das sind doch unsere Wurzeln.» Für die Aufarbeitung dieser Geschichten, die für ihn zur Herzensangelegenheit geworden ist, verwendet er aktuell viel Zeit.
Frühes Interesse für Möbel
«Als Kind war ich vom Sekretär meiner Tante ganz fasziniert», erzählt Peter Brack. «Immer wieder fand ich bei diesem Möbel ein kleines Fach oder einen versteckten Einlass. Schon früh habe ich angefangen, Möbel zu zeichnen, aus Katalogen auszuschneiden und aufzukleben. Ich habe dann bei der Firma Ströbel in Frick die Lehre als Möbelschreiner gemacht, da ich Möbelzeichner werden wollte. Diese Berufsbezeichnung verschwand allerdings und das Berufsbild wurde zum Innenausbauzeichner weiterentwickelt.» 1970 schloss Peter Brack die Lehre ab und absolvierte anschliessend die Holzfachschule in Biel. Einige Berufsstationen folgten, bevor der Innenausbauzeichner ins Planungsbüro der Firma Umdasch Shopkonzepte nach Oberentfelden wechselte. Von 1977 bis 2000 war er schweizweit in der Umgestaltung von Geschäften tätig. «Als ich auf die Fünfzig zuging, merkte ich, dass ich das hektische Termingeschäft nicht bis zur Pensionierung beibehalten wollte», erzählt Peter Brack. «Aus einem Impuls heraus bewarb ich mich 1999 auf die ausgeschriebene Stelle des Restaurators auf Schloss Lenzburg und bekam sie.»
Aufbau einer Aargauer Möbelsammlung
«Das Museum Lenzburg gehört zum Historischen Museum Aargau. Im Rahmen meiner Arbeit habe ich mich mit dem Fundus der Sammlung in Egliswil befasst und festgestellt, dass der Möbelbereich schwach aufgestellt war und mehrheitlich aus ausserkantonalen Möbeln bestand. Das beschäftigte mich sehr», so der ehemalige Konservator. «Als Reaktion darauf erstellte ich eine Liste mit Aargauer Möbelproduzenten. Aus meiner Zeit bei der Firma Umdasch Shopkonzept kannte ich viele dieser Firmen persönlich und wusste, was sie produzieren. Manche dieser Firmen bewegten sich auf hohem Niveau. So hat beispielsweise die Firma Simmen in Brugg in den 1950er-Jahren den Bundesratswagen der SBB eingerichtet. Andere, wie die Firma Woodtli, produzierten für den normalen Hausgebrauch. Ausser den Architektenmöbeln schenkte man den Möbeln aus dem 20. Jahrhundert, die für die allgemeine Bevölkerung produziert wurden, lange keine Beachtung. Das Wissen um diese Möbel schien verloren zu gehen. In Absprache mit der damaligen Museumsdirektorin, Daniela Ball, konnte ich nach und nach Objekte für die Sammlung erwerben. Diese Möbel sind in meinen Augen ein Teil unseres regionalen Kulturguts. Töchter bekamen zur Hochzeit ihre Aussteuer, die meist ein Leben lang hielt. Neben der Weisswäsche mit den eingestickten Monogrammen, dem Porzellan und dem Silberbesteck gab es eben auch die regional hergestellten Möbel als ‹Mitgift›.» Das gerade im Juni erschienene Buch vom Museum Aargau: «Möbelindustrie und -Handel seit 1870», ist der dritte Band zur Aargauer Industriegeschichte. Das Buch richtet seinen Blick auf die Möbelgeschichte des Aargaus und bezieht sich dabei auf die Möbelsammlung des Museums, die massgeblich von Peter Brack in Pionierarbeit aufgebaut wurde.
Kronenwirt-Jubiläum
Auch über die Pensionierung hinaus beschäftigt sich Peter Brack mit Möbeln. Er räumt ein: «Ich habe wirklich viel gesammelt. Ob Produktkataloge, Prospekte von Messen oder Objektfotos. Hinter jedem dieser Möbel steckt eine Geschichte und die interessiert mich einfach.» Von Teilen seiner Sammlung hat er sich inzwischen getrennt, aber «gwundrig» ist er noch immer. «Ich gehe gern wie ein Detektiv auf Auktionen und freue mich, wenn ich dort Informationen finde, um eine geschichtliche Lücke in meiner Sammlung zu schliessen.» Sein aktuellstes Projekt überschreibt Peter Brack mit: «Familiensachen ordnen». Seine Fotos gehen bis ins Jahr 1870 zurück. Auch an einem Stammbaum arbeitet er. «Grosse Freude hat mir bereitet, dass mein Neffe, Martin Brack, vor drei Jahren die Kronenwirt-Liegenschaft zurückkaufen konnte. So können wir 2027 das 200-jährige Kronenwirt-Jubiläum feiern und Familiengeschichten austauschen.»

