Hochsommerwetter, schöne Klänge, hervorragende Musiker
11.08.2026 RheinfeldenDas 5. Open Classics auf dem Inseli in Rheinfelden
Einmal mehr profitierte das Freiluft-Musikfestival auf dem Inseli in Rheinfelden von besten Wetterbedingungen. Am Samstag mit dem glänzend disponierten Kammerorchester Basel und dem Weltklasse Mandolinisten Avi Avital. Zur Eröffnung des ...
Das 5. Open Classics auf dem Inseli in Rheinfelden
Einmal mehr profitierte das Freiluft-Musikfestival auf dem Inseli in Rheinfelden von besten Wetterbedingungen. Am Samstag mit dem glänzend disponierten Kammerorchester Basel und dem Weltklasse Mandolinisten Avi Avital. Zur Eröffnung des Festivals am Freitag stand eine Live-Vertonung des Chaplin-Streifens «City Lights» auf dem Programm.
Edi Strub
«City Lights» ist ein Stummfilm, der von Charlie Chaplin zusammen mit Arthur Johnston in sechswöchiger, nicht ganz konfliktfreier Arbeit, 1930 vertont wurde. «Ich summte ihm die Melodien vor, er schrieb sie auf.» Das wurde als Hintergrundmusik dann die Tonspur des Films zusammen mit ein paar wenigen Lauten und Gesprächsfetzen. Und dies war dann im Konzert in Rheinfelden die Vorlage für die Musik, die das City Light Symphony Orchestra zum laufenden Film spielte. Das ist ein höchst diffiziles Unterfangen, das die Luzerner Musiker unter der Leitung von Timothy Brock jedoch perfekt meisterten. Der Dirigent hatte auf seinem Pult einen Bildschirm mit dem laufenden Film, damit er die Spielgeschwindigkeit des Orchesters und die Einsätze genau darauf abstimmen kann. Bei der Aufführung am Freitag wurden die Bildschirme dann aber plötzlich mal schwarz. Eine Sicherung war durchgebrannt, weil die einsetzende Dunkelheit mehr Strom für die Beleuchtung erforderte. Doch die Techniker waren schnell zur Stelle und lösten das Problem. Der Film wurde nach ein paar Minuten ein bisschen zurückgespult und neu gestartet. Darauf setzte auch das Orchester mit der Musik wieder ein. Applaus.
Kein Happy-End
«City Lights» gilt vielen als der beste Film Chaplins. Mit Slapsticks noch und noch, die das Publikum zum Lachen bringen, aber auch mit einer grossen Sensibilität und einem hintergründigen feinen Humor. Hauptfigur ist ein «Tramp» (ein armer Vagabund, gespielt von Chaplin selbst), der sein Herz an ein blindes Blumenmädchen verliert. Und weil dieses mit dem Blumenverkauf nicht genug verdient, kann seine Grossmutter, wo es wohnt, die Miete nicht mehr bezahlen. Tramp versucht dem Mädchen zu helfen, indem er versucht, selbst Geld zu verdienen. Zuerst als Strassenreiniger, dann erfolglos als Preisboxer und schliesslich erfolgreich als Freund eines lebensmüden Millionärs und Alkoholikers. So «verdient» sich der Tramp tausend Dollar, die für die Miete und für eine Wundermedizin gegen Blindheit reichen. Der Film hüpft so von einer komischen Situation zur andern, endet schliesslich aber tragisch, weil das nun wieder sehende Blumenmädchen Tramp bei der letzten Begegnung nicht erkennt. Nicht nur das Publikum auf dem Inseli am Freitag fanden diesen Plot grossartig und herzerweichend, sondern auch Filmgrössen wie Federico Fellini, Woody Allen, Andrej Tarkowski und andere mehr.
Französische Mentaliät am Samstagabend
Als eine Art Entre Act am Festival wurde am Samstagvormittag begabten Amateuren Gelegenheit geboten, ihr Können zu zeigen. Zuerst war das Sunnebärgchörli an der Reihe, in perfekter traditioneller Aufmachung und vielen guten Stimmen, dann der Alphornbläser Christian Hanselmann, der die Naturtöne, die diesem Instrument eigen sind, sicher traf, und schliesslich die Brass Band Fricktal, die mit Klängen von unter anderem Rossini (Tell-Ouvertüre), Simon Dobson (Clash) und Stephan Jaeggi (General Guisan-Marsch) brillierte.
Am Samstagabend stand das Programm unter dem Motto «Esprit français». Das Basler Kammerorchester spielte zur Eröffnung zwei Adaptionen von Streichquartetten von Claude Debussy und Maurice Ravel bevor es einen Ausflug in die Wienerklassik machte mit zwei Werken von Joseph Haydn. Dann folgte das populäre Mandolinenkonzert von Nepomuk Hummel. An der Mandoline der Israeli Avi Avital, der das Publikum schon bei einem früheren Auftritt in Rheinfelden verzauberte hatte. Er zeigte sich erneut als ein grosser Meister seines Fachs. Im zweiten Teil des Konzerts spielte Avital dann bekanntes Französisches. So «Quel joli temps» von Barbara (Brodi), einer berühmten Chansonnière, Liedertexterin und Komponistin der 60erbis 90er-Jahre. Sie war eine der ersten, die sich ihre Lieder nicht (von Männern) texten und komponieren liess, sondern alles selbst machte. Gespielt wurde am Freitag eine gelungene Bearbeitung von David Lundblad für Mandoline und Orchester. Dann folgte ein weiterer Hit aus dieser Epoche: Padam Padam von Norbert Glanzberg. Damit war man dann schon bei Édith Piaf (Je ne regrette rien), von der in der Folge dann auch noch «La vie en rose» erklang. Der Jubel war unbeschreiblich, Avi Avital revanchierte sich für den grossen Beifall mit einer Zugabe aus der eigenen Kompositionswerkstatt. Auch die Mitglieder des Orchesters hörten dem Solovortrag Avitals gebannt zu.


