Hochrhein wählt gegen den Landestrend
10.03.2026 FricktalIn der Region liegt die CDU vor den Grünen
Die deutschen Nachbarn am Hochrhein wählten den Kandidaten der CDU statt der Grünen in den neuen Landtag von Baden-Württemberg. Die AfD als dritte Kraft ist stärker als im Landesergebnis, genauso die stark lädierte ...
In der Region liegt die CDU vor den Grünen
Die deutschen Nachbarn am Hochrhein wählten den Kandidaten der CDU statt der Grünen in den neuen Landtag von Baden-Württemberg. Die AfD als dritte Kraft ist stärker als im Landesergebnis, genauso die stark lädierte SPD.
Boris Burkhardt
Im Endspurt war die Wahl zum Landtag Baden-Württemberg in Stuttgart am vergangenen Sonntag zu einer Wahl zum Ministerpräsidenten geworden: Cem Özdemirs Grüne und Manuel Hagels CDU lieferten sich ein Kopfan-Kopf-Rennen; die landesweite Hochrechnung war bis Redaktionsschluss am Sonntagabend mit 30,3 Prozent für die Grünen und 29,7 Prozent für die CDU noch so knapp, dass sich nicht mit Sicherheit sagen lässt, ob mit Özdemir erstmals ein türkischer Secondo Ministerpräsident in einem deutschen Bundesland werden wird. Alle anderen Parteien, abgesehen von der Af D als dritter Kraft (18,8 Prozent) wurden von diesem Duell regelrecht zerrieben.
Im Wahlkreis Waldshut–Rheinfelden, zu dem die Gemeinden am Hochrhein zwischen Rheinfelden und Jestetten gehören, schaffte es mit 33,3 Prozent der Erststimmen allerdings der 27-jährige CDU-Kandidat Simon Herzog aus Lauchringen, den grünen Wahlgewinner von 2021 Niklas Nüssle aus Wutöschingen (24,1 Prozent) zu beerben. Nüssle war 2021 selbst als junger Kandidat der erste grüne Gewinner eines Direktmandats im Wahlkreis gewesen; damals war die Rede vom «Kretschmann-Bonus» gewesen. Auch in den Grenzstädten am deutschen Hochrhein gewann Herzog, am deutlichsten in Laufenburg mit 31,1 zu 24,5 Prozent, in Bad Säckingen mit 30,8 zu 28,2 Prozent.
Erstmals wählten die Baden-Württemberger ihren Landtag mit zwei Stimmen statt einer; analog zur Bundestagswahl gab es nun eine Erststimme für den Kandidaten und eine Zweitstimme für die Partei. Hier schnitten die Grünen in Bad Säckingen mit 31,8 Prozent gegenüber der CDU mit 26,9 Prozent besser ab, ebenso in Rheinfelden mit 30,6 zu 26,2 Prozent. Dies ist bemerkenswert, weil der Landestrend eher dahin zu gehen schien, dass viele Wähler der Mitte eine starke CDU aber einen Ministerpräsidenten Özdemir wollten. Im Wahlkreis liegt die CDU aber mit 30,2 Prozent der Zweitstimmen vor den Grünen mit 28,1 Prozent.
In Rheinfelden liegen die Prozentwerte der Erststimmen mit 29,7 Prozent für Herzog und 25,9 Prozent für Nüssle etwas niedriger als in den anderen beiden Städten, was am relativ hohen Abschneiden der SPD mit 9,9 Prozent der Erststimmen und 6,9 Prozent der Zweitstimmen in Rheinfelden liegt. Die älteste deutsche Partei musste allerdings überall ordentlich Federn lassen: Im Landesergebnis schaffte sie mit 5,5 Prozent knapp über der Fünf-Prozent-Hürde überhaupt noch den Einzug ins Parlament. Im Wahlkreis Waldshut–Rheinfelden kam sie immerhin auf 6,8 Prozent der Erststimmen, in Laufenburg noch auf 7,0 und in Bad Säckingen auf 7,6 Prozent, bei den Zweitstimmen aber nur noch auf 5,6 beziehungsweise 6,1 Prozent.
Die FDP, eine Partei, die nach dem Krieg in Baden-Württemberg gegründet wurde und im Südwesten Deutschlands immer besonders stark war, wird seit 75 Jahren erstmals nicht mehr im Landtag vertreten sein: Bei der Wahl 2021 hatte sie im Wahlkreis noch ein Spitzenergebnis von 10,7 Prozent der Erststimmen erreicht; jetzt sackte sie auf jeweils 3,8 Prozent der Erstund Zweitstimmen ab, in Rheinfelden sogar auf 3,5 Prozent der Zweitstimmen, in Bad Säckingen auf 4,0 und in Laufenburg auf 3,6 Prozent.
Den grössten Stimmenzuwachs hatte auch im Wahlkreis Waldshut– Rheinfelden die AfD, die die Erststimmen von 9,9 Prozent von 2021 mit 21,2 Prozent im Wahlkreis mehr als verdoppeln konnte. Ebenso viele Erststimmen erhielt Direktkandidat Matthias Jehle in Rheinfelden und Bad Säckingen, im traditionell AfD-starken Laufenburg 23,6 Prozent und in Wehr, wo er Stadtrat ist, sogar 24,9 Prozent. Dass die Zahlen der Zweitstimmen überall denen der Erststimmen entsprechen, zeigt, dass AfD-Wähler sehr selten ihre Kreuze bei zwei verschiedenen Parteien machten. Die Wahlbeteiligung stieg mit 64,8 Prozent im Wahlkreis wieder auf das Niveau von 2016 nach nur 56,6 Prozent im Jahr 2021, blieb aber für deutsche Verhältnisse sehr niedrig. In den drei Grenzstädten lag sie mit jeweils rund 61 Prozent noch niedriger.

