Hinter Gittern
25.04.2026 PersönlichSandro Ryser (17) träumt vom Durchbruch als Eishockeyprofi
Möhlin und seine Spitzensportler: Ein weiteres Kapitel kommt womöglich hinzu. Sandro Ryser spielt in der U18 beim EHC Biel, dem Club aus der National League.
Ronny Wittenwiler
Und dann passierte es. ...
Sandro Ryser (17) träumt vom Durchbruch als Eishockeyprofi
Möhlin und seine Spitzensportler: Ein weiteres Kapitel kommt womöglich hinzu. Sandro Ryser spielt in der U18 beim EHC Biel, dem Club aus der National League.
Ronny Wittenwiler
Und dann passierte es. Ausgerechnet vor Weihnachten, im allerletzten Training: Meniskusriss. Was folgte, war ein Vertrauensbeweis sondergleichen. Denn nur kurze Zeit später durfte Sandro Ryser seine Unterschrift unter den neuen Vertrag setzen. Der EHC Biel verlängerte mit dem Fricktaler für die nächsten drei Jahre, und aus der Verletzung, wie er selbst sagt, sollte er zurückkehren. Mental stärker als je zuvor.
Die Anfänge
Sandro Ryser spielt im Elite-Nachwuchs bei den Seeländern. Dabei hatte alles so klein angefangen, dort in Rheinfelden. «Ich stand mit etwa drei Jahren zum ersten Mal auf dem Eis.» Vielleicht schob er damals noch einen Pinguin mit Doppelkufen vor sich her, wer weiss das schon so genau, aber eines stand fest: Auf dem Gletscher, wie die Eishockeyaner ihr Element bisweilen nennen, fühlte er sich wie ein Fisch im Wasser.
Bald darauf durchläuft der Möhliner die ersten Juniorenstufen beim EHC Rheinfelden, lässt aufhorchen, landet in der Juniorenabteilung beim EHC Basel und dieses Portrait lässt sich ohne einen weiteren Namen nicht schreiben: Oskars Bartulis. «Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin», sagt Sandro Ryser entschieden. Der Lette trainiert den Basler Nachwuchs, spielte einst für die Philadelphia Flyers in der amerikanischen National Hockey League (NHL), Rysers Potenzial erkennt Bartulis früh. «Was willst du?», soll er ihn gefragt haben, als es um den nächsten Schritt ging – doch so schnell, wie man Geschichten erzählt, so ungleich viel mehr an Entbehrung steckt dahinter, um sie Kapitel für Kapitel erfolgreich werden zu lassen. «Zeig, was du kannst», gab Bartulis seinem Schützling mit auf den Weg, als es zum Probetraining beim EHC Biel kommt. Ryser überzeugt. Und sein Leben, wie es der Teenager kannte, sollte sich grundlegend ändern. Gerade einmal 15 ist Sandro Ryser, als er Möhlin verlässt und nach Biel zieht. Der Club stattet ihn mit einem ersten Vertrag aus.
Eine Sportlerlehre, zwei Arbeitsplätze
Ryser teilt sich eine Wohngemeinschaft mit anderen Eishockeyspielern aus der Talentschmiede vom EHC Biel. Eine Schlummermutter schaut zum Rechten. Soeben seine zweite Saison bei den Seeländern absolviert, steckt er derzeit im ersten Jahr seiner Sportlerlehre als Produktionsmechaniker. Es ist ein Leben zwischen täglichem Training, Berufsschule, Arbeitsalltag und dem Meisterschaftsbetrieb der U18-Elite an den Wochenenden. Zehn Minuten zu Fuss, oder fünf mit dem Bus, trennen Sandro Ryser von seinem Arbeitsplatz als Mechaniker und seinem Arbeitsplatz als Eishockeyspieler, dort in der Tissot Arena. Begegnungen mit den Profis beim EHC Biel, wo sich die Wege in den Stadionkatakomben nach den Trainings und bei Kraft-einheiten immer wieder kreuzen, sind für Sandro Ryser längst Alltag.
Kopfsache
Mit dem nächsten Vertrag für drei Jahre, den er nun unterzeichnete, dürfte es vorab mit diesem Alltag weitergehen und gerade der Blick zurück stimmt ihn zuversichtlich. «Im mentalen Bereich habe ich in meiner zweiten Saison Fortschritte gemacht.» Ryser hat eine Lockerheit gefunden, mit dem Druck umzugehen, der in Rheinfelden so nie herrschte, in Basel kleiner war und der nun aber auf den Spielern der Nachwuchsmannschaften auf diesem Spitzen-Niveau nun mal lastet. In seiner ersten Saison habe er nach jedem noch so kleinen Fehler gehadert, «heute weiss ich: Fehler sind da zum Lernen. Und es nützen dir alle Muskeln nichts, wenn dein Kopf nicht weiss, wie und wann du sie richtig einsetzen musst.» Ein Mentalcoach hat den robust gebauten Verteidiger noch besser werden lassen. Konstant geblieben ist sein unbändiger Wille. «Wenn du etwas erreichen willst, musst du hart dafür arbeiten.» Keine Partys. Kein Alkohol. «Das hat mich noch nie gereizt», sagt Ryser.
Was willst du?
Oskars Bartulis, sein Förderer beim EHC Basel, dürfte diese Frage im richtigen Moment gestellt haben. Dass Sandro Ryser vor über zwei Jahren den nächsten Schritt zum EHC Biel wagte, bereut er nicht eine Sekunde. Jetzt sitzt er vor einem Glas Mineralwasser und macht aus seinem grossen Traum kein Geheimnis: «Definitiv. Ich will Eishockeyprofi werden. Dafür gebe ich alles.» Noch trägt er einen Helm mit Vollgesichtsschutz. «Bis achtzehnjährig ist das Gitter Pflicht, ab dann darf man frei wählen.» Und, wird er darauf verzichten? «Ich muss mal schauen, was meine Eltern dazu meinen. Sie zahlen ja schliesslich noch meine Zahnversicherung.» Möhlin und seine Spitzensportler: Ein weiteres Kapitel kommt womöglich hinzu. Vorerst hinter Gittern arbeitet Sandro Ryser mit aller Entschlossenheit am Durchbruch.

