Herr über das Trinkwasser von 11 500 Kunden
13.09.2026 PersönlichDer Sommer 2026 hat überaus deutlich vor Augen geführt, wie wertvoll Wasser ist. Einer, der sich täglich, und zwar von der Fassung bis zum Wasserhahn, mit dem kostbaren Lebensmittel beschäftigt, ist Ruwen Bähler, Leiter regionale Brunnenmeisterdienste Frick.
Simone Rufli
...Der Sommer 2026 hat überaus deutlich vor Augen geführt, wie wertvoll Wasser ist. Einer, der sich täglich, und zwar von der Fassung bis zum Wasserhahn, mit dem kostbaren Lebensmittel beschäftigt, ist Ruwen Bähler, Leiter regionale Brunnenmeisterdienste Frick.
Simone Rufli
Morgens um 8 in der Leit stelle im Grundwasser-Pumpwerk Neumatt zwischen Frick und Oeschgen: Ruwen Bähler studiert die Verbrauchszahlen der letzten Stunden. «Kein Tag ist wie der andere, aber an jedem Wochentag gehört die Kontrolle sämtlicher Bauwerke der Wasserversorgung zu unseren Aufgaben. Wasserstände kontrollieren, Defekte erkennen …» Ein Alarmton unterbricht das Gespräch. Bähler greift zum Smartphone, quittiert, der Ton verstummt. «Das war eine künstliche Alarmauslösung wie wir sie routinemässig bei gewissen Kontrollgängen durchführen», fügt er erklärend hinzu. «Zur Routine gehört auch die Simulation eines Löschfalls. Erst wenn alles klappt, sind wir sicher, dass die Steuerung richtig funktioniert.»
Vorgegangen wird nach einer Checkliste. «Der Kanton verlangt von uns als Lebensmittelproduzenten, dass jeder Test nach dem Qualitätssicherungssystem dokumentiert wird. Was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht gemacht», so einfach sei das, sagt Ruwen Bähler. Er dreht den Bürostuhl, weist auf das Regal hinter sich und nimmt einen der zahlreichen Ordner zur Hand. «Früher wurde die Dokumentation in diesen Ordnern gesammelt.» Heute arbeiten die drei Mitarbeiter der Brunnenmeisterdienste Regio Frick mit Tablet und einem digitalen Unterhaltsprogramm.
Wasser läuft rund um die Uhr
Er habe im Prinzip geregelte Arbeitszeiten. «Aber Wasser läuft immer und Rohrbrüche lassen sich nicht planen. Wir sind während sieben Tagen rund um die Uhr auf Pikett.» 260 Stellenprozent verteilt auf drei Mitarbeiter. Fachkräftemangel? «Nicht bei uns. Aber in Rohrleitungsbauf irmen fehlen Leute und in den Ingenieurbüros.» Die Bautätigkeit fordert auch die Brunnenmeister. «Die Generelle Wasserversorgungsplanung muss mit den Einwohnerzahlen und dem Anteil an Industrie Schritt halten und wird in Zusammenarbeit mit der Bauverwaltung auf drei Planungsziele ausgerichtet, bis 5 Jahre, 5 bis 15 Jahre und bis 30 Jahre.» 600 Hydranten müssen regelmässig kontrolliert, neue Leitungen überprüft und gespült werden. Einmal pro Jahr müssen alle Reservoirs komplett entleert und gereinigt werden.
Löst der Bau von mehr und grösseren Reservoirs das Problem der Wasserknappheit? «Nein», sagt Ruwen Bähler auf dem Weg zum Reservoir am Frickberg, wo in zwei Kammern je 750 Kubikmeter Wasser ein eindrückliches Bild abgeben. «Wir können Trinkwasser nicht über beliebig lange Zeit lagern. Im Idealfall wird der Inhalt eines Reservoirs alle eineinhalb Tage ausgetauscht.»
Vom Wasser fasziniert
Ruwen Bähler ist Vater von zwei Buben im Alter von neun und elf Jahren und wohnt mit seiner Familie in Ittenthal. Er sagt: «Wasser hat mich immer schon fasziniert.» Und so hat er nach der Schule während vier Jahren eine doppelte Lehre als Spengler- und Sanitärinstallateur gemacht. Nach der Ausbildung in Möhlin arbeitete er während knapp 20 Jahren in Sulz in einem Unternehmen für Haustechnik, stieg zum Abteilungsleiter und zum Serviceleiter auf und leitete schliesslich die Geschäftsfiliale in Laufenburg – bis diese nach der Corona-Pandemie aufgegeben wurde. Bähler sah das als Chance, innerhalb der Wasserbranche einen neuen Weg zu gehen und liess sich während eines Jahres zum Brunnenmeister weiterbilden.
Mit Nachbargemeinden zusammen
Jetzt, wo es kühler werde, weniger gewässert werde, die Nächte länger und auch im Fricktal wieder etwas Regen gefallen sei, entspanne sich die Situation. Der Sommer aber war anspruchsvoll. «Vor allem die Wasserbeschaffung», sagt Bähler. «Um den rekordtiefen Grundwasserspiegel zu schonen, haben wir nicht immer am gleichen Ort bezogen. Dabei half uns die gute Zusammenarbeit insbesondere mit Gipf-Oberfrick und Eiken, deren Wasserleitungen mit unseren verbunden sind.»
Der trockene Sommer habe aber auch Defizite aufgezeigt. «Wenn wie in diesem Sommer jede Gemeinde zu kämpfen hat, ist die Zeit gekommen, in die Wasserversorgungen zu investieren – wobei das dann Sache der Politik ist.» Erfreulich sei gewesen, «dass die Bevölkerung uns unterstützt hat, indem sie den Wasserverbrauch spürbar reduziert hat.»
2 Millionen Liter pro Tag
Apropos Verbrauch: Jede Person in der Schweiz verbraucht pro Tag im Durchschnitt 150 Liter Trinkwasser. In Frick waren es im 2025, mit der ansässigen Industrie, rund 193 Liter pro Person und Tag. «In Frick werden aktuell rund 2 Millionen Liter oder 12 500 Badwannen voll Wasser pro Tag benötigt», so Bähler.
Er hofft auf zwei bis drei Wochen sanften abendlichen Dauerregens. «Damit sich der Grundwasserspiegel erholen kann.» Ein Erlebnis in diesem Sommer habe sich ihm tief eingeprägt, sagt er zum Abschied. «Während umliegende Gemeinden um jeden Tropfen Wasser kämpften und wir die Bevölkerung zum Wassersparen aufriefen, mussten wir in Gipf-Oberfrick eine neue Wasserleitung spülen und dabei 25 bis 30 Kubik Wasser rauslassen. Um das Wasser nicht zu verschwenden, habe ich ein paar Landwirte angerufen. Es war schön und hat mich beeindruckt, als sie ankamen, das Wasser entgegenzunehmen.»



