Hartes Ringen um Parkplatz-Kompromiss
23.06.2026 BrennpunktDie Parkgebühren ab der ersten Minute beim Einkaufszentrum Kaiserhof in Kaiseraugst bleiben ein Dauerthema. Beim zweiten Treffen mit allen Beteiligten ist man einen kleinen Schritt weitergekommen. Bis eine Lösung umgesetzt werden kann, dauert es im besten Fall noch Monate.
Valentin ...
Die Parkgebühren ab der ersten Minute beim Einkaufszentrum Kaiserhof in Kaiseraugst bleiben ein Dauerthema. Beim zweiten Treffen mit allen Beteiligten ist man einen kleinen Schritt weitergekommen. Bis eine Lösung umgesetzt werden kann, dauert es im besten Fall noch Monate.
Valentin Zumsteg
Der Wille, eine Lösung zu finden, scheint bei allen Beteiligten vorhanden zu sein. Am Donnerstagabend ist in Kaiseraugst das zweite Treffen zur Parkplatz- und Verkehrssituation beim Einkaufszentrum Kaiserhof durchgeführt worden. Neben dem VCS und Coop nahmen daran der Gemeinderat Kaiseraugst, verschiedene Ortsparteien, Gewerbler und eine Vertreterin der älteren Bevölkerung teil.
«Ganz unterschiedliche Meinungen»
Zur Erinnerung: Früher konnten die Kundinnen und Kunden beim Kaiserhof gratis parkieren, seit ein paar Jahren kostet es ab der ersten Minute 1,50 Franken. Zahlreiche Konsumentinnen und Konsumenten meiden deswegen dieses Einkaufszentrum oder nutzen es weniger häufig als früher. Dies sorgt dafür, dass Gewerbler und Dienstleistungsunternehmen, aber auch Coop mit Umsatzrückgängen kämpfen. Wie gross der Ärger ist, zeigte sich diesen Frühling. Der 91-jährige René Weinhold hat eine Petition lanciert, die von rund 1000 Personen unterzeichnet wurde. Darin verlangen sie, dass mindestens eine halbe Stunde gratis parkiert werden kann.
René Weinhold hat mit seiner Unterschriftensammlung erreicht, dass alle Beteiligten an einen Tisch sitzen und mögliche Lösungen diskutieren. Ende Mai war die erste Zusammenkunft (die NFZ berichtete), am vergangenen Donnerstag folgte die zweite. «Es war wieder ein angenehmes und sachliches Gespräch. Bei einzelnen Punkten gibt es aber ganz unterschiedliche Meinungen», sagt Rolf Baumgartner. Er ist Präsident der FDP Kaiseraugst und hat sich stark für diese Treffen eingesetzt. Es gelte, ein Gesamtpaket zu schnüren, das alle Interessen vereint. Konkret geht es auf der einen Seite um eine bessere Erschliessung des Areals für Velofahrer und Fussgänger, die Schaffung von Abstellplätzen für Lastenvelos und zusätzliche Parkplätze für Handicapierte. Andererseits wird auch über eine kurze Gratis-Parkzeit diskutiert. «Das ist der Knackpunkt. Die Bandbreite reicht hier von 10 bis 30 Minuten», schildert Baumgartner. «Aus meiner Sicht sind aber 20 Minuten das Minimum, im Idealfall 30 Minuten», so Baumgartner.
«Situation ist ziemlich vertrackt»
Yves Gärtner, Geschäftsführer des VCS Aargau, spricht ebenfalls von einem guten Gespräch. «Wir sind in Richtung konkreter Schritte gegangen», erklärt er. Grundsätzlich wolle der VCS nicht, dass Gratis-Parkieren möglich werde. Auf der anderen Seite sei es aber auch nicht die Absicht des Verkehrsclubs, den Service Public kostenpf lichtig zu machen. Im Kaiserhof gibt es unter anderem eine Entsorgungs- und eine Päckchenstation sowie eine Apotheke. «Es hat dort verschiedene Dienstleistungen, bei denen es nicht angebracht ist, dass man für das Parkieren bezahlen muss», so Gärtner. Auch bei Grosseinkäufen könne es Sinn machen, das Auto zu nutzen. Eine mögliche Lösung wäre es, dass in bestimmten Fällen Gratis-Parktickets abgegeben werden. Darüber sei am Donnerstag diskutiert worden. «Die Situation ist aber ziemlich vertrackt. Es braucht jetzt weitere Abklärungen durch Fachleute.»
Der Ball liegt damit bei Coop als Eigentümerin des Einkaufszentrums. Der VCS will ihm beratend zur Seite stehen und seine Expertise beim Langsamverkehr einbringen. «Es ist das Ziel, eine Lösung zu erarbeiten, hinter der alle Beteiligten stehen können», betont Gärtner.
«Es harzt»
Weniger positiv fällt das Fazit von Petitionär René Weinhold aus: «Es harzt», erklärt er und spricht von Erpressung seitens des VCS. Er kann nicht verstehen, wieso es so schwierig sein soll, eine Gratis-Parkzeit einzuführen.
Am 12. August ist ein weiteres Treffen geplant. Vorher sollen die nötigen Abklärungen getroffen sein. Bis allerdings mögliche Massnahmen umgesetzt werden können, dürfte es noch Monate dauern – im besten Fall.

