Der Kanton Aargau sei beim Bau von neuen Mittelschulen – unter anderem in Stein – zu grosszügig. Dies bemängeln ein Grossrat aus Möhlin und eine Grossrätin aus Möriken-Wildegg. Mit einer Motion verlangen sie eine Anpassung.
Valentin Zumsteg
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Der Kanton Aargau sei beim Bau von neuen Mittelschulen – unter anderem in Stein – zu grosszügig. Dies bemängeln ein Grossrat aus Möhlin und eine Grossrätin aus Möriken-Wildegg. Mit einer Motion verlangen sie eine Anpassung.
Valentin Zumsteg
Es sind deutliche Worte: «Es scheint, als werden im Kanton Aargau riesige Kantonsschulen geplant und gebaut, die viel mehr ein Denkmal setzen sollen, als dass sie zweckmässig und wirtschaftlich sind.» Dies schreiben FDP-Grossrätin Jeanine Glarner aus Möriken-Wildegg und SVP-Grossrat Stephan Müller aus Möhlin, in einer Motion, die sie letzte Woche im Parlament eingereicht haben.
Die hohen Kosten für die neuen Mittelschulen, die der Aargau in den kommenden Jahren baut, sind ihnen ein Dorn im Auge. Sie verweisen auf einen Planungsbericht für die Aargauer Mittelschulen aus dem Jahr 2019. In der Botschaft zum damaligen Bericht nannte der Regierungsrat für den Bau einer Kantonsschule im Fricktal mit 33 oder 44 Abteilungen Kosten in der Höhe von 70 bis 90 Millionen Franken zuzüglich Landkosten. Die Regierung ging von Erstellungskosten von rund zwei Millionen Franken pro Abteilung aus, bei einer Genauigkeit von +/- 25 Prozent. «Der Grosse Rat genehmigte diesen Planungsbericht nicht zuletzt deshalb, weil die Kosten für die neuen Kantonsschulen im Fricktal und im Mittelland sowie die Erweiterung der Kantonsschule Wohlen als verhältnismässig betrachtet wurden», betonen Glarner und Müller.
Heute sehe die Sache ganz anders aus: Gemäss Botschaft für den Verpf lichtungskredit, der im September 2025 vom Grossen Rat genehmigt wurde, wird in Stein eine Kantonsschule mit 44 Abteilungen gebaut. Der bewilligte Bruttoaufwand liegt bei 221,6 Millionen Franken. Darin inbegriffen ist die Übergangslösung in Höhe von 26 Millionen Franken sowie 7,5 Millionen Franken für den Landkauf. Bleiben also 188,1 Millionen Franken für den Bau der Kanti. Dies ergibt Kosten von rund 4,275 Millionen pro Abteilung. «Damit ist dieser Bau rund doppelt so teuer wie im Planungsbericht 2019 ausgewiesen», bemängeln Glarner und Müller.
«Verteuerung der Bauten»
Es stelle sich die Frage, was seit 2019 dazu geführt habe, dass diese Kosten «explodiert» sind. «Ein Effekt ist sicher die Bauteuerung, die aber nie in diesem Ausmass durchschlägt. Vielmehr sind es die vom Nutzerdepartement und insbesondere den Schulen gestellten Anforderungen an das Raumprogramm», halten Müller und Glarner fest. Das Raumprogramm bei den Schulen in Stein und Wohlen sei sehr grosszügig. Es müsse von einer schlechten Auslastung ausgegangen werden. Das Fazit von Glarner und Müller ist klar: «Die Immobilienstandards Mittelschulen führen letztlich zu einer deutlichen Verteuerung der Bauten, sowohl in der Investition wie in Betrieb und Unterhalt.» Mit ihrer Motion fordern sie den Regierungsrat auf, die Immobilienstandards Mittelschulen so anzupassen, dass die Fläche des Raumprogramms um 15 Prozent reduziert wird. Diese Vorgabe soll bereits für die Erweiterung der Kantonsschule Wohlen gelten – «entsprechend wäre das Wettbewerbsverfahren zu wiederholen». Die Kanti Stein würde das nicht mehr betreffen, dort wird bereits gebaut.