Grosses Kirchentreffen in Rheinfelden
29.09.2026 RheinfeldenKnapp 300 Alt-Katholiken aus Europa trafen sich zum Kongress
Zuletzt war der Inter - nationale Alt-Katholiken-Kongress 1957 in Rheinfelden zu Gast. Die Kirche, die in der Schweiz christkatholisch genannt wird, ist klein, aber in ganz Europa zu Hause. In Rheinfelden wurde vor 150 Jahren ...
Knapp 300 Alt-Katholiken aus Europa trafen sich zum Kongress
Zuletzt war der Inter - nationale Alt-Katholiken-Kongress 1957 in Rheinfelden zu Gast. Die Kirche, die in der Schweiz christkatholisch genannt wird, ist klein, aber in ganz Europa zu Hause. In Rheinfelden wurde vor 150 Jahren der erste Schweizer Bischof Eduard Herzog geweiht.
Boris Burkhardt
«To czytanie bedzie odczytane po polsku», heisst es an der einen Stelle im Begleitheft zum Gottesdienst, «Cette lecture sera lue en français», an anderer: Die erste und zweite Lesung aus der Bibel werden auf Polnisch beziehungsweise Französisch gehalten, dazwischen der Psalm 98 auf Holländisch gesungen: «Zing voor de Heer en verheerlijk zijn naam!» Es ging international zu am vergangenen Freitagabend in der Stadtkirche St. Martin. Christkatholiken aus ganz Europa – ausserhalb der Schweiz Alt-Katholiken genannt – waren für das Wochenende zu ihrem 34. Internationalen Kongress zusammengekommen. Dieser findet alle vier Jahre statt in Städten wie Wien, Köln und Den Haag, in der Schweiz zuletzt 2010 in Zürich.
Dass 288 Mitglieder dieser kleinen christlichen Kirchen im Städtchen Rheinfelden zusammenkommen, ist für Stephan Feldhaus eine grosse Freude; zuletzt war dies 1957 der Fall. Feldhaus ist OK-Mitglied des Kongresses und neben Peter Feenstra und Christian Edringer Pfarrer der erst zu Jahresbeginn aus allen fünf bisherigen christkatholischen Gemeinden im Fricktal fusionierten Kirchgemeinde Fricktal. Das ist für Feldhaus ein Glück: «Eine einzelne der ehemaligen Gemeinden hätte diesen Anlass nicht stemmen können.» Der Grund für die Ortswahl des 34. IAAK liegt in Eduard Herzog (1841–1924). Der gebürtige Luzerner war für 48 Jahre der erste Bischof der Christkatholischen Kirche in der Schweiz und wurde am 18. September 1876, vor 150 Jahren, in der Stadtkirche in Rheinfelden geweiht. Geleitet wurde der Eröffnungsgottesdienst auf Deutsch und Englisch vom Erzbischof von Utrecht, Bernd Wallet: Er ist das Oberhaupt der Utrechter Union, in der alle alt-katholischen Kirchen zusammengeschlossen sind.
Eine grosse Chance
Für Feldhaus bedeutet das internationale Treffen eine «grosse Chance, uns nach aussen und innen präsenter zu fühlen». Für Aussenstehende verfassten die Fricktaler Christkatholiken eine Broschüre, die Geschichte und Gemeindeleben ihrer Kirche darstellt; die Gottesdienste und Gebete waren offen für alle Interessierten. Im Kern gehe es aber nicht um eine Marketingaktion, betont Feldhaus: «Wir wollen zusammenarbeiten und unsere Gemeinschaft erleben.» Wie familiär im wahrsten Sinne des Wortes es in der alt-katholischen Gemeinschaft, in der es kein Zölibat gibt, zugeht, belegt Feldhaus lachend: «Die Tochter des Erzbischofs organisierte die Silent Disco.»
Die Veranstaltungen des eigentlichen Kongresses fanden am Freitag und Samstag im Kurbrunnensaal statt. Klassische Vorträge gab es keine, wie Feldhaus erklärt: Im sogenannten «Open Space»-System legten die Teilnehmer selbst die Themen fest, über die sie den Tag über dann in Workshops diskutierten. Die Teilnehmer kamen neben der Schweiz vor allem aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich, kleinere Gruppen aus Polen und Tschechien. Die vielen frankophonen Teilnehmer stammten aus der Westschweiz – in Frankreich gibt es so gut wie keine Alt-Katholiken.
Auch 45 Jugendliche und junge Erwachsene nahmen gleichberechtigt am Kongress teil und lasen im Gottesdienst die Fürbitten auf verschiedenen Sprachen. Noch jüngere Teilnehmer waren am Freitag die acht Ministranten, die Diakon Patrick Zillig aus Bern mitgebracht hat. Für den Fernsehgottesdienst am Sonntag musste Feldhaus die Zahl der Fricktaler Ministranten, die dabei sein wollten, sogar begrenzen. Den Fernsehgottesdienst leitete der Schweizer Bischof Frank Bangerter.
Und ein Jubiläumsbier
Am Freitagabend ging es in einer Buchvernissage in der Stadtkirche noch einmal um Bischof Herzog. Dozenten und Studenten der christkatholischen Theologie an der Universität Bern haben in wenigen Monaten die Hirtenbriefe Herzogs auf 828 Seiten zusammengestellt und wiederkehrende Themen kommentiert. Bischof Bangerter, fünfter Nachfolger Herzogs, zeigte sich bewegt von diesem «unschätzbaren Geschenk für alle», eine theologische und geistliche Erschliessung des altkatholischen Glaubens, die er auch Lesern ausserhalb der Kirche empfehle. In der Hand hielt Bangerter den Hirtenstab Herzogs, 1867 ein Geschenk der «Frauen und Jungfrauen aus Olten», wie seine Widmung verrät.
Eduard Herzog zu Ehren liess das Schweizer Bistum 3000 Flaschen Jubiläumsbier in Rheinfelden brauen, das noch in der Kirche verteilt und getrunken wurde. Statt der naheliegenden Rheinfelder Grossbrauerei, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 150-Jahr-Jubiläum feiert, wählten die Christkatholiken die kleine Nordsud-Brauerei: «Uns gefiel der Gedanke, ein Unternehmen zu unterstützen, dass so klein angefangen hat wie die christkatholische Kirche», erklärt Pfarrer Edringer auf Nachfrage.


