Grossartiges Spiel des «Capriccio» unter Shunske Sato
07.01.2026 RheinfeldenDas Rheinfelder Capriccio-Barockorchester konzentrierte sich an seinem Konzert zum Jahresbeginn auf Barock-Musik aus Italien und Deutschland. Im ersten Teil des Konzerts mit Instrumentalsolisten aus den eignen Reihen, im zweiten Teil zusammen mit dem international renommierten Geiger Shunske ...
Das Rheinfelder Capriccio-Barockorchester konzentrierte sich an seinem Konzert zum Jahresbeginn auf Barock-Musik aus Italien und Deutschland. Im ersten Teil des Konzerts mit Instrumentalsolisten aus den eignen Reihen, im zweiten Teil zusammen mit dem international renommierten Geiger Shunske Sato, der kraft seiner überragenden Musikalität und seiner Führungsgabe das Spiel des Orchesters prägte.
Edi Strub
Eröffnet wurde das Konzert im Rheinfelder Kurbrunnen mit der Ouverture zur oft gespielten «Tafelmusik» von Georg Philipp Telemann. Diese Musik wurde zu Telemanns Zeiten tatsächlich begleitend zum Tafeln an den feineren Tischen dieser Zeit gespielt – etwa so wie heute kaum mehr ein Restaurant ohne Musik im Hintergrund auszukommen glaubt. Wie gut das zum Klimpern des Bestecks und den Gesprächen der Essenden passte, ist im Detail kaum überliefert. Aber meist war diese Musik von der leichteren und festlichen Art. Telemann hat rund dreitausend Musikstücke der verschiedensten Art komponiert. Er wurde dafür gut bezahlt und konnte sich so eine ungewöhnlich aufwändige Lebensführung leisten. Es gab zu dieser Zeit kaum ein Repertoire, das immer wieder gespielt wurde, sondern meist wurde Neukomponiertes verlangt. Wie gut unter diesen Vorzeichen musiziert wurde, darüber kann man nur spekulieren. Gespielt wurde mit teils sehr einfachen Instrumenten. Das heisst bei der Trompete zum Beispiel, dass sie keine Ventile hatte, dass man also nur «Naturtöne» spielen konnte. Dennoch wird heute in Barockorchestern wieder auf solche Instrumente zurückgegriffen. Auch Henry Moderlak spielte am Samstag auf einer solchen Barocktrompete. Auch die Barockoboe von Rachel Heymans ist nur sparsam mit Klappen ausgestattet. Entsprechend anspruchsvoll ist es, sie zu spielen. Ob sich das lohnt, darüber kann man sich gerade nach dem durchzogenen Resultat des Neujahrskonzerts im ersten Teil streiten. Die Basler Schule, der viele der Musiker im «Capriccio» nahestehen, ist da sehr strikte, andere, auch sehr gute Ensembles und Musiker, kommen wieder davon ab. Sie spielen das im Rheinfelder Konzert erklingende Trompetenkonzert w ieder mit modernen Instrumenten mit vier Ventilen. Der Ton der Trompete ist dann wärmer und glanzvoller, die Ein-sätze und Läufe tönen sauber und sind mit dem Spiel der Streicher besser zu koordinieren. Erschwerend kam im diesjährigen Neujahrskonzert hinzu, dass auch die Streicher unter der Führung von Dominik Kiefer nicht aus einem Guss spielten. Vieles wirkte schlecht eingeübt und ohne klare Linie und Konzept.
Zug und Linie
Ganz anders war es dann im zweiten Teil des Konzerts, als eines der berühmtesten und beliebtesten Werke der italienischen Barockzeit – Le quattro stagioni von Antonio Vivaldi – erklang. Der japanisch-holländische Geiger Shunske Sato übernahm von Anfang an die Führung des Orchesters und verlieh dem Spiel Zug und Linie. Das «Capriccio» war wie verwandelt.
Shunske Sato wandte sich immer wieder ganz dem Orchester zu und übertrug so seine Spielfreude auf dessen Musiker. Wie vielen anderen Geigern der jüngeren Generation geht es Sato nicht mehr nur um Wohlklang: Sein Spiel tönt im Gegenteil oft sehr roh, es kratzt und quietscht auch mal. Und zwar absichtlich. Die Musiker des «Capriccio» machten begeistert mit und erzählten nachher von der inspirierenden und lehrreichen Probearbeit mit Sato. Auch das Publikum spürte den Unterschied und spendete am Schluss reichlich und laut Beifall. Das «Capriccio» hat, richtig geführt, unzweifelhaft Potenzial. Das hat sich schon im Konzert vom vergangenen Jahr gezeigt, als die Geigerin Leila Shayegh in eine ähnliche Rolle trat wie am Samstagabend Shunke Sato.
Danke an Franco Mazzi
Die Präsidentin des «Capriccio»-Trägervereins Christine Egerszegi nutzte die Pause, um dem in diesen Tagen zurückgetretenen Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi für seine Bemühungen um das Barockorchester «Capriccio» zu danken. Bis vor 15 Jahren sei das «Capriccio» sozusagen ein Basler Orchester gewesen. Dann aber habe man dem Orchester mit dem Kurbrunnen ein Probelokal zur Verfügung gestellt und es so ins Fricktal locken können. Ohne die grosse Unterstützung von Franco Mazzi wäre das nicht gelungen, sagte Egerszegi. Er habe massgeblich geholfen, Widerstände und Schwierigkeiten zu beseitigen.
Mit einem Blumenstrauss willkommen geheissen wurde im Anschluss die neue Stadtpräsidentin Claudia Rohrer. Auch sie ist wie Franco Mazzi eine fleissige Konzertgängerin, von der man daher hofft, dass sie sich ebenso entschieden für das einheimische Barockorchester einsetzen wird wie bislang Ex-Stadtammann Franco Mazzi. (est)

