Glanz und Elend der Konservativen
23.10.2026 RheinfeldenRoger de Weck wieder im Schützenkeller
Am Mittwoch, 28. Oktober, ist Roger de Weck wiederum Gast im Hotel Schützen in Rheinfelden. Er stellt im Gespräch mit Ueli Mäder sein neues Buch «Glanz und Elend der Konservativen» (Suhrkamp, Berlin 2026) vor. Der ...
Roger de Weck wieder im Schützenkeller
Am Mittwoch, 28. Oktober, ist Roger de Weck wiederum Gast im Hotel Schützen in Rheinfelden. Er stellt im Gespräch mit Ueli Mäder sein neues Buch «Glanz und Elend der Konservativen» (Suhrkamp, Berlin 2026) vor. Der Publizist war Chefredaktor des Zürcher Tages-Anzeigers, der Hamburger Zeit und SRG-Generaldirektor. Er moderierte auch die «Sternstunde Philosophie».
«Heute scheinen Mitte-rechts-Parteien hin- und hergerissen zwischen einer Allianz mit reaktionären Kräften und einem klaren Bekenntnis zur offenen Gesellschaft», so de Weck. Angesichts weltweit erstarkender autoritärer Kräfte plädiert er für eine «Selbstvergewisserung der Konservativen»: Ihr Hauptgegner stehe jetzt rechts aussen, nicht links. Statt sich im Kulturkampf gegen Sozialdemokraten, Grüne und «Gutmenschen» zu verausgaben, gelte es der Destabilisierung durch Trumpisten und Reaktionäre zu wehren, Stabilität in zerrüttenden Zeiten zu verkörpern und an mehr europäische Souveränität zu arbeiten – «wider die autoritären Mächte China, Russland und USA».
«Bessere Aussichten»
Aber wie realistisch ist so ein demokratischer europäischer Block, angesichts akuter rechtspopulistischer Strömungen? Dazu de Weck: «Die Rechtspopulisten bewirtschaften Probleme, statt sie zu lösen.» Deshalb würden sie sich nicht verewigen. Denn je härter die Zeiten, desto gefragter seien brauchbare Lösungen. «Bleiben sich die Parteien der rechten Mitte treu, statt A nleihen zu machen bei den Rechtspopulisten, dann haben sie nach einer Phase der Polarisierung mittelfristig wieder bessere Aussichten», so de Weck. Würden sie sich jedoch untreu, um die Gunst zweifelhafter Wählenden zu erlangen, werde sich ihr Niedergang beschleunigen.
Massvolle Konservative bilden laut de Weck «die Kraft, die den Rechtsautoritären am meisten zusetzen kann». Woher rührt jedoch diese Zuversicht, zumal die Rechtskonservativen auch eine Kraft seien, die sich von den Rechtsautoritären «am ehesten beirren» lasse. Dazu de Weck: «Sowohl in Ungarn als auch zuvor in Polen haben demokratisch gesinnte Erzkonservative das autokratische Regime von Orbán und Kaczynski überwunden.» Linke hätten es nicht geschafft, diesen Reaktionären so viele Wählerinnen und Wähler abspenstig zu machen. Und so habe wohl «bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten ein konservativer US-Demokrat die besten Chancen zu gewinnen und mit MAGA – Make America Great Again – aufzuräumen.»
Ein Bündel von Widersprüchen
In Deutschland sympathisiert de Weck mit Joachim Gauck. Der frühere Bundespräsident versteht sich selbst als «linker liberaler Konservativer». Sollen sich massvolle Konservative also mehr an ihm und an Persönlichkeiten wie Richard von Weizsäcker orientieren, der seinem christdemokratischen «Stammesverband» nahe lege, «mehr mit der eigenen Unvollkommenheit zu rechnen»?
Nun, der Mensch sei ein Labyrinth und ein Bündel von Widersprüchen, so de Weck. In uns wirkten stets gegensätzliche Kräfte. Und diese Unvollkommenheit entspreche der Unvollkommenheit der Demokratie: jener Staatsform, die im Gegensatz zum Autoritarismus auf «Perfektion» verzichte. «Ja, sämtliche Parteien vollbringen mehr Neuerungen, wenn sie der Unvollkommenheit des Menschen Rechnung tragen und deshalb bei Reformen Schritt für Schritt gehen, um ihn mitzunehmen.»
De Weck ist von seiner eigenen Herkunft her gut mit konservativen Milieus vertraut. Was möchte er davon weiter führen? «Konservativ bin ich nicht, oder nur teilweise», antwortet er. Aber wahrscheinlich sei er «old school» (alte Schule). Er möge «Formen und Konventionen». Und so weist de Weck auch unentwegt darauf hin, wie offen die Geschichte sei. Sie kenne zwar «Pfadabhängigkeiten», erlaube aber immer wieder «unerwartete Kehrtwendungen». (mgt)
Mittwoch, 28. Oktober (19.30 bis 21 Uhr), im Hotel Schützen (an der Bahnhofstrasse 19 in Rheinfelden): Gespräch mit Roger de Weck. Die Buchhandlung Labyrinth ist mit einem Stand vor Ort. Moderation Ueli Mäder, Musik Peter Schmid, Eintritt: 15 Franken. Tickets über: www.schuetzenhotels.ch/de/entdecken

