Gipf-Oberfrick trifft Woodstock
29.10.2026 Gipf-OberfrickJugendchor, Friday Night Singers und Männerchor brachten Flower-Power ins Fricktal
«Peace, Love and Music» hiess es damals in Woodstock. In Gipf-Oberfrick zeigten am Wochenende drei Chöre mit einem grossartigen Konzertprogramm, wie die Musik aus dieser Zeit die Menschen über ...
Jugendchor, Friday Night Singers und Männerchor brachten Flower-Power ins Fricktal
«Peace, Love and Music» hiess es damals in Woodstock. In Gipf-Oberfrick zeigten am Wochenende drei Chöre mit einem grossartigen Konzertprogramm, wie die Musik aus dieser Zeit die Menschen über Generationen hinweg verbinden kann.
Petra Schumacher
Gipf-Oberfrick am letzten Samstagabend – draussen war es regennass und bereits dunkel, vor der Mehrzweckhalle stand ein hellblauer Retro-VW-Bus. Im Foyer wurden die Konzertbesucher mit einer kunterbunten Kulisse empfangen. Blumengirlanden hingen von der Decke, farbig gekleidete Menschen kamen den Eintretenden entgegen und eine fröhlich ausgelassene Stimmung war spürbar.
Alle vier Jahre wird in Gipf-Oberfrick musikalisch gross aufgetischt; dann steht jeweils ein Gemeinschaftsprojekt des Jugendchors, der Friday Night Singers und des Männerchors Gipf-Oberfrick auf dem Programm. Dieses Mal liessen sie den Geist von Woodstock zusammen aufleben.
Musik, die Generationen verbindet
Das Woodstock-Festival von 1969 in Bethel, New York, gilt als Höhepunkt der Hippie-Ära und als Meilenstein der Musikgeschichte. Auf der Bühne standen die grössten Musiklegenden der damaligen Zeit. Trotz Dauerregen, Schlamm, überlasteter Versorgung und des Zusammenbruchs der Infrastruktur blieb das geschichtsträchtige Grossereignis friedlich. «Freiheit, Gemeinschaft, Musik – Woodstock war mehr als ein Festival. Es war ein Lebensgefühl, ein Auf bruch, ein Symbol dafür, was Menschen gemeinsam erleben können», so Marcel Hasler. Der musikalische Leiter der Gipf-Oberfricker Hommage an das legendäre Festival ergänzt: «Über 50 Jahre später lassen wir mit unserem Konzert diesen Geist wieder auf leben – neu, modern und mit der Energie von heute.»
In Gipf-Oberfrick bespielten über hundert Sängerinnen, Sänger und Musizierende die Bühne. Die Jüngste von ihnen zählte sechs – der älteste Sänger 86 Jahre. «Mit Woodstock ‹früher› versus ‹heute› bringen wir Alt und Jung auf eine Bühne: Der Jugendchor, der Männerchor und die Friday Night Singers von Gipf-Oberfrick vereinen ihre Stimmen in einem musikalischen Feuerwerk, das Herz und Seele berührt», hatten die Organisatoren des Abends vorab versprochen. Und dieses Versprechen konnten sie einlösen.
Sketche als roter Faden
Sowohl alle Auftretenden als auch das gesamte Helferteam hatten sich optisch in eine grosse Hippie-Gemeinschaft verwandelt. Sogar einige Besucher waren der Aufforderung gefolgt, in Woodstock-Kluft zu erscheinen. Grosse Blachen an den Wänden mit Festivalimpressionen sowie zwei Bildschirme links und rechts von der Bühne, auf denen ebenfalls Bilder an das originale Woodstock erinnerten, versetzten das Publikum zurück ins Jahr 1969. In dieser Aufführung trafen die Songs von damals auf den Sound von heute. Dank der guten Regiearbeit von Nicole Reimann leiteten kurz gespielte Sketche von einem Song zum nächsten über. Die Freude am gemeinsamen Singen und das musikalische Können der drei Chöre liessen die Besucherinnen und Besucher das Regengrau des Samstagabends vergessen.
Gipf-Oberfrick singt
«Wir waren an beiden Vorstellungstagen ausverkauft und haben, aufgrund der grossen Nachfrage, sogar zusätzliche Tische und Stühle aufgestellt», so Arabella Kühn vom OK-Team. «Uns freut das riesige Interesse natürlich. Damit wird unsere Arbeit belohnt. Seit letztem Dezember haben wir intensiv geprobt. Dazu kommen unzählige Stunden für zusätzliche Vorbereitungsarbeiten.» Der Zusammenschluss der drei Chöre geht auf ein erstes Gemeinschaftsprojekt von Jugendund Männerchor 2010 zurück. «Wir haben auf einer Grossleinwand den Film Mamma Mia! gezeigt und die entsprechenden Lieder gemeinsam gesungen. Das war ein riesiger Erfolg», erzählt Marcel Hasler. «Seitdem organisieren wir alle vier Jahre ein gemeinsames Konzert mit den Gipf-Oberfricker Chören und freuen uns immer wieder über die begeisterten Reaktionen.» Vielleicht liegt darin Gipf-Oberfricks Geheimnis. Denn wo andernorts so manches Chorbuch geschlossen werden muss, kann in Gipf-Oberfrick eine lebendige Musiktradition gelebt werden.


