Gesegnet und gewappnet für die närrische Zeit
30.01.2024 MöhlinAm Samstagabend feierten Don Cristiano und Don Stefano mit ganz vielen Närrinnen und Narren den Fasnachtsgottesdienst. Die Christkatholische Kirche in Möhlin war so gut besucht, dass nicht alle sitzen konnten.
Am Samstagabend feierten Don Cristiano und Don Stefano mit ganz vielen Närrinnen und Narren den Fasnachtsgottesdienst. Die Christkatholische Kirche in Möhlin war so gut besucht, dass nicht alle sitzen konnten. Janine Tschopp Die Freude stand den beiden Hausherren der Möhliner Christkatholischen Kirche ins Gesicht geschrieben. Don Cristiano, Pfarrer Christian Edringer, und Don Stefano, Diakon Stephan Feldhaus, begrüssten die vielen fröhlichen Fasnächtlerinnen und Fasnächtler ganz herzlich und, wie es zu dieser Zeit gehört, mit einem zünftigen Narri, Narro. Vorher füllte sich die Kirche schon früh mit Närrinnen und Narren in ihren bunten Kostümen. Jedem und jeder war die gute Laune und die Vorfreude auf die fünfte Jahreszeit gut anzumerken. Nach dem Einzug der Ryburger Gugger, die einen fetzigen Start hinlegten, hörte man schon die ersten Trommelklänge der Tambouren der Fasnachtzunft Ryburg. Auch sie zogen mit einem musikalischen Feuerwerk in die Kirche ein, gefolgt vom Bürkligeist, den Amnesischen Brüdern und fasnächtlich verkleideten Ministrantinnen und Ministranten. Es ist einfach wunderbar. Ich kann mich nicht sattsehen», sagte Don Cristiano, während er in die Augen der vielen strahlenden Gesichter schaute. Sein Herz schlage wie verrückt. «Wir haben extra ganz viele Plauderbänkli aufgestellt», scherzte er und dankte dem Gemeinderat dafür. Wie an einem Konzert machten die beiden Hausherren schliesslich ein Massenselfie. Dies sei für den Wettbewerb «Wer hat die vollste Kirche?», meinte Don Stefano. Eine Fasnachtspredigt mit Tiefgang Dann folgte Don Stefanos eindrückliche närrische Predigt «Glückselig sind die, die Frieden stiften». Die Predigt, die er von der Kanzel aus vortrug, ging unter die Haut. In Reimform kommentierte, hinterfragte und kritisierte er die aktuelle Weltlage. «Es sind drei Worte: Streit Hass und Krieg. Überall auf der Welt kämpfen die Menschen um Sieg, und wie sie noch brutaler und mit noch mehr Waffen nur für sich selbst etwas Tolles und Grosses erschaffen.» Was er sich wünschte, sei ein Schweigen der Waffen und dass endlich Frieden geschaffen werde. «Und in der Schweiz, das sei mir als Schwob verziehen, sollten wir uns wirklich mehr bemühen, aus den Entwicklungen um uns herum zu lernen und uns von der Mitte und vom Konsens nicht mehr zu entfernen. Auch bei uns hören sich Linke und Rechte kaum noch zu, ideologisch verblendet, teilweise dumm wie eine Kuh.» Don Stefano beleuchtete zudem den Krieg in den sozialen Medien und wünschte sich auch im Netz mehr Menschlichkeit. «Ich glaube, es beginnt bei uns selbst: Wenn Du den Respekt voreinander über alles stellst. Wenn nicht die Lüge uns verwirrt, sondern Ehrlichkeit zur Regel wird.» Glückselig seien die, die Frieden schaffen und nicht immer alles an sich raffen. Eine Welle für die Fasnachtspredigt Es war still, während alle Närrinen und Narren Don Stefanos tiefgründiger und brillant vorgetragener Fasnachtspredigt zuhörten. Danach gab es einen langen, begeisterten Applaus und sogar eine Welle durch die ganze Kirche. Später folgte die Kommunion, die durch die Klänge der Ryburger Gugger und Tambouren begleitet wurde und zu der sich die Gottesdienstbesucher auch noch ein Schlückchen Wein gönnen durften. Don Cristiano war schon bald bei der Verabschiedung, als zwei Überraschungsgäste aus Mülhausen die Kirche betraten. Die beiden Schnitzelbänkler «Jacqui und Tildi» meditierten mit den Närrinnen und Narren und stimmten sie anschliessend mit ihrer Fasnachtshymne auf die kommende Zeit ein. Und wie immer liess es sich Don Cristiano beim Auszug nicht nehmen, seine Schäfchen, respektive das närrische Volk mit viel Weihwasser zu segnen. Nach diesem eindrücklichen Gottesdienst ist Möhlin mit all seinen Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern für die fünfte Jahreszeit gewappnet.




