Gemeindeverband vor finanzieller Bewährungsprobe
28.08.2026 FricktalDiskussionsreiche Abgeordnetenversammlung in Gipf-Oberfrick
Der Gemeindeverband Bezirk Laufenburg steht unter Druck: Steigende Fallzahlen, personelle Engpässe und hohe Mandatswechsel treiben die Kosten hoch. An der Abgeordnetenversammlung in Gipf-Oberfrick wurde deshalb ein Budget ...
Diskussionsreiche Abgeordnetenversammlung in Gipf-Oberfrick
Der Gemeindeverband Bezirk Laufenburg steht unter Druck: Steigende Fallzahlen, personelle Engpässe und hohe Mandatswechsel treiben die Kosten hoch. An der Abgeordnetenversammlung in Gipf-Oberfrick wurde deshalb ein Budget 2027 mit deutlich höheren Gemeindebeiträgen genehmigt.
Susanne Hörth
Es war keine leichte Aufgabe, die Herbert Weiss an seiner letzten Abgeordnetenversammlung als Präsident des Gemeindeverbandes Bezirk Laufenburg zu bewältigen hatte. Am Mittwochabend in Gipf-Oberfrick musste er den Delegierten aus 17 Verbandsgemeinden nicht nur die Rechnung 2025 mit einem Aufwandüberschuss von 431 117 Franken präsentieren. Er stellte als Folge davon auch für 2026 ein Defizit in Aussicht und beantragte für das Budget 2027 Gemeindebeiträge von 4,4 Millionen Franken – eine Erhöhung um 28,8 Prozent.
Kompetenzzentrum in Laufenburg
«Es sind nicht die Dienste, die schlecht gearbeitet haben», betonte der Vorsitzende. «Vielmehr sind es personelle Ausfälle, Kündigungen und Krankheiten, die zu den Mehrkosten geführt haben.» Der Gemeindeverband Bezirk Laufenburg vereint unter einem Dach die vier Dienste Logopädie, Mütter- und Väterberatung, Jugend- und Familienberatung sowie Berufsbeistandschaft. Letztere ist ein wesentlicher Kostentreiber. Zur Sicherstellung der Mandatsführung waren befristete Pensenerhöhungen, externe Mandatspersonen und weitere Leistungen Dritter notwendig.
Wie stark die Berufsbeiständinnen und -beistände belastet sind, verdeutlichen die am Mittwochabend präsentierten Zahlen. 2024 wurden 325 Mandate bearbeitet; dabei kam es zu 43 Mandatsträgerwechseln. Im Folgejahr mussten bei 358 bearbeiteten Mandaten bereits 184 Wechsel verzeichnet werden. Jeder Wechsel bedeutet für die Beistände Übergabe, Einarbeitung und Abstimmung. Die hohe Zahl der Mandatsträgerwechsel setzte sich auch im laufenden Jahr fort: Bis zum 13. August wurden bei bisher 314 bearbeiteten Mandaten bereits 86 Wechsel registriert. Die Situation zu stabilisieren und damit insbesondere eine weitere Überlastung der Mitarbeitenden, krankheitsbedingte Ausfälle und Kündigungen zu verhindern, habe aktuell und im nächsten Jahr höchste Priorität, sagte Geschäftsführerin Anja Bandi. Anhand eines Mandatbeispiels für eine ältere Frau mit beginnender Demenz zeigte sie die Komplexität und die zahlreichen, teils sehr zeitaufwändigen Aufgaben eines Berufsbeistandes auf. Entlastung bringen sollen zwei zusätzliche Stellen, die mit dem Budget 2027 beantragt wurden.
Nach der Genehmigung der Rechnung 2025 sorgte das Budget 2027 mit der markanten Steigerung der Gemeindebeiträge für zahlreiche Wortmeldungen. Die Erhöhung um 28,8 Prozent setzt sich aus 17,1 Prozent für die operative Entwicklung und 11,7 Prozent für den vollständigen Bilanzausgleich zusammen. Ein Gemeindevertreter wollte wissen, was geschehe, wenn eine Gemeindeversammlung die Erhöhung beim Gemeindeverband ablehne. «Gibt es einen Plan B?» Herbert Weiss erwiderte, der Vorstand sei sich der unschönen Situation bewusst; sie bereite auch Sorgen. «Wir suchen die Arbeit aber nicht. Die Mandate kommen von den Gemeinden. Die heutige Familiensituation hat sich gegenüber früher völlig verändert.» Die Zahl der angemeldeten Mandate nehme zu, die heutige Anzahl Mitarbeitender reiche für deren Betreuung nicht mehr aus. «Bei einem Aufnahmestopp gehen die Fälle zurück an die Gemeinden», ergänzte Geschäftsführerin Anja Bandi.
Gemeindeverband Bezirk Laufenburg
Mehrfach kam am Versammlungsabend auch das solidarische Prinzip des Gemeindeverbandes zur Sprache. Dieses dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden. Geschäftsführerin Anja Bandi verhehlte nicht, dass die akute Überlastung weiterhin andauere. Gleichzeitig betonte sie: «Wir befinden uns in der Stabilisierungsphase.» Oberstes Ziel sei es nun, wieder eine für den Verband und damit für seine Gemeinden tragbare Situation herbeizuführen. Dazu dient auch die im Budget 2027 beantragte Erhöhung der Gemeindebeiträge um insgesamt 28,8 Prozent. Davon entfallen 17,1 Prozent (585 045 Franken) auf die operative Entwicklung für den laufenden Betrieb inklusive Stellenerhöhung sowie 11,7 Prozent beziehungsweise 401 090 Franken auf den vollständigen Bilanzausgleich. Ein aus der Versammlung gestellter Antrag, den Bilanzfehlbetrag von 11,7 Prozent auf zwei Jahre zu verteilen, wurde abgelehnt. Der vollständige Ausgleich schaffe eine klare Ausgangslage, hielt der Vorstand fest. Nach längerer Diskussion stimmte die Versammlung dem Budget 2027 mit deutlicher Mehrheit zu.
Die beiden langjährigen Vorstandsmitglieder Elisabeth Keller und Herbert Weiss wurden mit Blumen und einem Präsent verabschiedet. Neu dem Vorstand gehören Martin Steinacher (Laufenburg) und Bruno Tütsch (Mettauertal) an. Wiedergewählt wurden Doris Frey (Herznach-Ueken), Peter Boss (Frick) und Sabrina Keller (Münchwilen). Als neue Präsidentin amtet Doris Frey.
(sh)

