Das Theater Gansingen feierte vergangenen Freitag die Premiere von «Matto». Regisseur Markus Streit ist es mit seinem Ensemble gelungen, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das sehr professionell daherkommt.
Das Theater, so wie der Roman aus dem Jahr 1936, entführt in eine ...
Das Theater Gansingen feierte vergangenen Freitag die Premiere von «Matto». Regisseur Markus Streit ist es mit seinem Ensemble gelungen, ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, das sehr professionell daherkommt.
Das Theater, so wie der Roman aus dem Jahr 1936, entführt in eine melancholische Welt, die viel Biografisches von Roman-Autor Friedrich Glauser enthält, der in seinem kurzen 42-jährigen Leben viel erlebt hat. Der Suchtkranke war Patient in einer psychiatrischen Anstalt aber auch Fremdenlegionär.
Gansingen wird mit «Matto» zu Randlingen. «Matto» heisst auf Italienisch «Wahnsinn» und ist im Stück ein allgegenwärtiger fiktiver Geist, der das Geschehen leitet, wenn man Fremdenlegionär Schül, wunderbar eindrücklich dargestellt von Beda Denkinger, glaubt. Er sieht «Matto» und hat eine ganz besondere Beziehung zu ihm.
In der damaligen Zeit konnte eine solche Heilanstalt auch zur sozialen Kontrolle dienen, so wie es Herbert Kaplaun (Philipp Müller) im Stück erlebt, der durch seinen Vater (Thomas Szabo) und Direktor Borstli (Thomas Leu) gezwungen wird, in Randlingen zu bleiben. Die Behandlungsmethoden und der Umgang waren auch eher etwas rabiater als heute, so droht Oberschwester Weihrauch (Monika Brändli) den Insassen mit dem Bad und lässt sie von Pfleger Gilgen (Robi Oeschger) immer wieder aufs Zimmer führen. Die Leidtragenden sind die Patienten, neben Herbert und Schül sind noch der Bundesrats-Attentäter Schmocker ( Walter Oeschger), Frau Schwegler (Annelies Oeschger), Frau Leibundgut (Rita Oeschger), Frau Wirz (Andrea Mathis) und ein paar Namenlose (Beate und Jürgen Grabbe, Beatrice Oeschger, Katharina Streit) traumatisiert in der Klinik.
Auftritt Studer
Neben den «Bösen» mit eher zweifelhaften Methoden gibt es auch die «Guten» im Stück, die eine andere Einstellung und einen anderen Umgang mit den Patienten pflegen, Frau Dr. Laduner (Daniela Boutellier), Schwester Irma (Selina Oeschger) und auch Pfleger Gilgen setzen sich gegen Borstli und Co. zur Wehr und kämpfen für die ihnen anvertrauten Patienten. Auch der sympathische Portier (André Oeschger) bringt Menschlichkeit und Empathie in diese kranke Welt.
Es ist also nicht verwunderlich, dass der «Kampf von Gut gegen Böse» zum Mord an Direktor Borstli führt, aber wer ist der Mörder? Das herauszufinden, ist die Aufgabe von Glausers berühmter Figur des Wachtmeister Studer, ein gemütlicher, Zigarre rauchender Berner Polizist, wunderbar dargestellt von Jules Steinacher. Dieser hat viel Empathie für die Insassen der Psychiatrischen Anstalt Randlingen und mit seiner ruhigen Art findet er am Ende heraus, wer den Direktor auf dem Gewissen hat. «Matto» hat es natürlich von Anfang an gewusst!
Das Ensemble setzte die Charakteren grossartig um und beeindruckt das Publikum. Die musikalische Umrahmung von Doris Erdins Akkordeon greift die Stimmung wunderbar auf, immer wieder erkennt der Zuschauer die Melodie; sie trägt das Stück bis zum Chorlied am Ende wunderbar und lässt das Publikum in eine andere Welt eintauchen. (mgt)
Es gibt noch vereinzelt Tickets für die Aufführungen vom 17., 18, 22., 23. und 24. Januar. www.theater-gansingen.ch