«Fussball bedeutet für mich Freundschaft und Leidenschaft»
29.06.2026 PersönlichSeit neun Jahren steht Eva Ke auf dem Fussballplatz. Die Gymnasiastin aus Rheinfelden spielt in der 2. Liga des FFT Fricktal. Mit ihrer positiven Art ist sie ein wichtiger Teil des Vereins.
Lilly Wegmann
Der Schlusspfiff ist noch weit entfernt. Die Beine werden schwerer, die Luft ...
Seit neun Jahren steht Eva Ke auf dem Fussballplatz. Die Gymnasiastin aus Rheinfelden spielt in der 2. Liga des FFT Fricktal. Mit ihrer positiven Art ist sie ein wichtiger Teil des Vereins.
Lilly Wegmann
Der Schlusspfiff ist noch weit entfernt. Die Beine werden schwerer, die Luft wird knapp und die Kräfte lassen langsam nach. Trotzdem hört man Eva Ke noch über den ganzen Platz. Sie motiviert ihre Mitspielerinnen, fordert den Ball und feuert ihr Team an. Genau das macht sie aus. Auch wenn sie selbst kaum noch Luft hat zum Atmen, hat sie immer genug Luft, um ihre Mitspielerinnen anzufeuern.
Schnell, technisch und torgefährlich
Seit der dritten Klasse gehört Fussball zu ihrem Leben. «Damals hat meine Lehrerin Flyer für ein Plausch-Training verteilt, welches ich dann besuchte.» Was zunächst als Versuch begann, wurde schnell zu einer grossen Leidenschaft. Doch Fussball ist für Eva nicht nur ein Hobby, sondern auch ein wichtiger Ausgleich zu ihrem Alltag. Zweimal pro Woche trainiert sie mit ihrem Team, dazu kommt jedes Wochenende ein Match. «Obwohl Schule und Fussball manchmal stressig sein können, würde ich niemals ein Training für die Schule absagen. Der Fussballplatz ist für mich ein Ort, um durchzuatmen und den stressigen Alltag hinter mir zu lassen.» Ein Ort, an dem sie ihre Freunde sieht, Spass hat, sich auspowern kann und einfach für einen Moment an nichts anderes denken muss als an den Ball an ihren Füssen.
«Aktuell spiele ich meist als Stürmerin, obwohl ich zwischendurch als offensive Mittelfeldspielerin auf der Zehnerposition eingesetzt werde.» Ihre Schnelligkeit, ihre gute Technik und ihr starker Abschluss machen sie besonders gefährlich vor dem Tor.
«Ich denke, meine Mitspielerinnen würden mich als laut, motivierend und kommunikativ beschreiben.» Während des Spiels spricht sie viel und versucht, das Team zu unterstützen. Auch während des Trainings ist sie immer für einen Spass zu haben und man hört sie oft über den Platz lachen. Trotzdem weiss sie genau, wann es ernst wird. Sobald das Training oder ein Spiel ihre Konzentration erfordert, schaltet sie sofort um und wird sehr fokussiert.
«Ohne Fehler kann man nichts lernen»
Trotzdem setzt sie sich nach misslungenen Aktionen oft selbst unter Druck. «Mein Ziel ist es, gelassener zu bleiben und Fehler schneller abzuhaken.» Während sie bei den Juniorinnen kaum nervös war, spürt sie bei den Aktiven vor jedem Spiel mehr Anspannung. Dort geht es um Punkte, die Gegnerinnen sind stärker und die Verantwortung grösser. «Kurz vor dem Anpfiff kreisen meine Gedanken um die Taktik und meine Aufgabe im Team.»
Besonders wichtig ist ihr dabei der Teamgeist. «Wir verstehen uns alle sehr gut», erzählt sie. Trotz grosser A ltersunterschiede im Team, die jüngsten Spielerinnen sind 18 Jahre alt, die ältesten über 30, herrscht eine gute Stimmung. Jede bringt ihre eigenen Stärken ein. Im Training wird gelacht, aber auch konzentriert gearbeitet. «Man unterstützt sich gegenseitig und hilft, wenn etwas nicht klappt.» Vor den Spielen läuft in der Kabine eine Playlist, die Eva und ihre Kolleginnen erstellt haben. «Sie gehört für mich inzwischen genauso zur Matchvorbereitung dazu wie das Auf wärmen.» Kurz vor dem Anpfiff denkt Eva vor allem an die Taktik und daran, von Anfang an Druck auf die Gegnerinnen auszuüben.
Frauen im Fussball
Als Frau im Fussball hat Eva nicht nur positive Erfahrungen gemacht. Sei es als Schiedsrichterin oder Spielerin auf dem Platz, in ihrer Fussballkarriere musste sie sich immer wieder unangenehme Kommentare von Zuschauern sowie gegnerischen Trainern und Trainerinnen anhören. Auch der Einstieg in die Fussballwelt war für sie nicht immer einfach: «Auf dem Pausenplatz früher wollten viele Jungs anfangs nicht mit mir in einer Mannschaft spielen.» Doch Eva liess sich davon nicht entmutigen. Sie fragte immer wieder nach, bis sie schliesslich mitspielen durfte. Zunächst musste sie beweisen, was sie konnte, um überhaupt eine Chance zu erhalten. Schon bald erkannten die anderen jedoch, dass sie eine starke Fussballerin war. Auch bei einem Fussballturnier am Gymnasium wurde ihr Team unterschätzt. «Einige dachten, dass eine Mannschaft mit einem Mädchen sowieso keine Chance hat.» Doch am Ende gewann ihre Klasse das Turnier. Solche Erfahrungen zeigen ihr, dass es immer noch viele Vorurteile gibt, aber auch, dass man sie mit Leistung widerlegen kann.
Doch trotz einiger schwieriger Momente im Fussball, bleibt es ihre grosse Leidenschaft. Der Fussballplatz ist für sie ein Ort der Freundschaft, ein Ort, um seine Grenzen zu testen, sein Bestes zu geben und sich stetig weiterzuentwickeln. Dabei lernt sie nicht nur mit Erfolgen umzugehen, sondern auch aus Niederlagen stärker hervorzugehen und niemals aufzugeben.
Wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird, das weiss Eva noch nicht so genau. Sicher ist aber, dass sie weiterhin Fussball spielen will, «so lange wie möglich und solange es mir Freude bereitet». Denn der Fussball ist für sie weit mehr als nur ein Sport. Es ist ein wichtiger Teil ihres Lebens.

