Fürstlich seit 30 Jahren

  14.03.2026 Frick

Am 1. März 1996 haben Erika und Daniel Fürst die Stiftshalde übernommen. 30 klimatisch gute Jahre später und inmitten vielfältiger Herausforderungen haben sie noch immer Freude an der Arbeit im Rebberg, der inzwischen von drei Generationen gepflegt wird.

Simone Rufli

Vor 150 Jahren war das Fricktal voller Reben, der Wein ein Durstlöscher. Dann brachten die Reblaus und der falsche Mehltau den Rebbau zum Erliegen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich die Branche. «Heute», sagt Daniel Fürst, «geht es darum, den neuen Plagen Herr zu werden.» Kirschessigfliege, Asiatische Hornisse, Japan-Käfer, Vergilbungskrankheiten … Seit 2009 werden auf den sechs Hektaren in der Stiftshalde, am Hang über Hornussen, der bis zur Gründung des Kantons Aargau dem Kloster Säckingen gehörte, immer mehr sogenannte Piwi (pilzwiderstandsfähige Sorten) angepflanzt. «Inzwischen machen sie über 20 Prozent der Fläche aus. Sie sind weniger anfällig auf Pilzkrankheiten und haben dickere Traubenhäute. Doch bis sich neue Sorten etabliert haben, dauert es.» Schneller geht es in einem anderen Bereich. «Hat man früher erst nach dem 20. September mit der Ernte begonnen», so Erika Fürst, «muss man heute am 1. September bereit sein.» Auch das eine Folge der Klimaveränderung.

Idealer Boden
Die ersten Pinot Noir-Rebstöcke wurden im Jahr 1965 gesetzt. Den ersten Blauburgunder aus dem steinigen Jurakalkboden der Stiftshalde gab es im Jahr 1967. Am 1. März 1996 übernahmen Daniel und Erika Fürst das Weingut von André und Lotti Näf-Geu, die zwar acht Kinder hatten, aber keines, das den Familienbetrieb weiterführen wollte. Er hingegen habe sich früh für den Weinbau interessiert, erzählt Daniel Fürst.

Aufgewachsen auf dem Schwanenhof in Oeschgen – einem klassischen Fricktaler Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerbau, Vieh, Kirschen und Reben –, den seine Eltern Alex und Silvia Fürst bewirtschafteten, zog es ihn immer schon zu den Reben hin. Und so absolvierte er nach der Landwirtschaftlichen Lehre auch die Ausbildung zum Winzer in Wädenswil mit anschliessendem Meisterdiplom 1993. Als Kellermeister, von 1989 bis 1996, im aargauischen Staatskeller an der Landwirtschaftlichen Schule in Frick, war er für den Verkauf des Staatsweins zuständig. Daneben wurden die ersten Pachtflächen in der Stiftshalde frei, die er mit seiner Frau Erika im Nebenerwerb bewirtschaftete.

Seine Zukunft sah er im Weinbau und in seiner Frau Erika fand er seine Verbündete. «Es war immer unser Traum, etwas Eigenes zu haben, einen eigenen Betrieb zu führen. Im Weinbau sahen wir dafür mehr Spielraum als in der Landwirtschaft.» Letztlich sei es dieser Wille gewesen, «unsere jugendliche Dynamik und die Freude am Weinbau, die Lotti und André Näf überzeugten, das Weingut 1996 an uns zu übergeben.»

Ein mutiger Schritt
Bei aller Euphorie. «Es war ein mutiger Schritt, damals vor 30 Jahren», sagen Fürsts. Der Weinbau in der Stiftshalde war alles andere als rosig, die Schweizer Weine allgemein unter Druck. Lediglich für einen Drittel der Fläche sei der Absatz gesichert gewesen. «Die anderen zwei Drittel hingen in der Luft. Doch wir waren 29 Jahre jung und überzeugt, dass wir es schaffen.» So schwer es zu Beginn gewesen sei: «Unseren Erfolg verdanken wir dem kompromisslosen Qualitätsdenken und der Ausrichtung auf die Privatkundschaft.»

Vor 30 Jahren wuchsen in der Stiftshalde 3 Rebsorten – neben dem Pinot Noir und Riesling-Sylvaner auch Pinot Gris. Mit der Lockerung des eidgenössischen und kantonalen Rebbau-Verzeichnisses gab es nach und nach mehr Raum für Eigenverantwortung. «Heute sind es 15 Rebsorten und wir keltern 20 verschiedene Weine – darunter vier Weine mit dem Namen unserer Kinder.» Zu Beginn der 2000er-Jahre konnten zusätzliche Rebflächen erworben werden, was eine Rebsorten-Erweiterung ermöglichte. Im fassrunden Keller – der 2014 errichtete Anbau sticht von der Autobahn aus ins Auge – lagern 85 verschiedene Weine. Die Vielfalt der Fremd-Kelterung macht die Arbeit im Keller zu einer grossen Aufgabe.

30 Jahre nachdem sie die Stiftshalde übernommen haben, geben Daniel und Erika Fürst das Weingut zum Ende des Jubiläumjahrs, im Dezember, an ihren Sohn weiter. Mit Weibautechniker Marvin Fürst
– er arbeitet seit Sommer 2024 im Betrieb mit – übernimmt dann die dritte Generation. «Für uns eine riesige Freude.»


Image Title

1/10

Möchten Sie weiterlesen?

Ja. Ich bin Abonnent.

Haben Sie noch kein Konto? Registrieren Sie sich hier

Ja. Ich benötige ein Abo.

Abo Angebote