«Froh, dass ich es ins Ziel geschafft habe»
26.03.2026 FricktalCape Epic Südafrika: Tom Deiss im Finisher-Club, Michèle Mahrer im Pech
Die dritte Teilnahme am härtesten Mountainbike-Etappenrennen der Welt setzte dem Fricktaler Duo zu wie keine zuvor. Gemeinsam gestartet, trennten sich die Wege von Oldie und Goldie zwei Etappen vor dem Ziel.
Simone Rufli
«Es war vermutlich der heftigste Anlass, den ich absolviert habe», meldete sich «Oldie» Tom Deiss am Montag aus Stellenbosch. Dort am Zielort des Cape Epic Südafrika erholt er sich dieser Tage von den Strapazen der letzten Woche. Fiebrig sei er, der Körper schmerze, «und müde bin ich», meinte er gähnend. Er habe Glück gehabt, meinte der 53-Jährige. «Bei mir kamen die Beschwerden erst, nachdem ich das Ziel erreicht hatte.» Dieses Glück war seiner 15 Jahre jüngeren Rennpartnerin nicht beschieden. Michèle Mahrer, Team-Name «Goldie», hatte kurz nach dem Start der zweitletzten Etappe vollkommen dehydriert aufgeben müssen, nachdem sie sich in den frühen Morgenstunden hatte übergeben müssen. «So traurig das war, Michèle wurde von den mobilen Medizinern auf der Strecke bestens betreut und anschliessend in ein Spital gefahren, wo sie sich gut und schnell erholen konnte», so Deiss.
Einmalige Stimmung
Acht Tage, 550 Kilometer, über 13 000 Höhenmeter. Hitze im Wechsel mit Kälte, Staub, Wind, Regen, Schlamm. Am kräfteraubendsten Tag bis zu acht Stunden im Sattel, kaum Zeit zum Auftanken und immer zu wenig Zeit zum Erholen. «Ja, es ist extrem. Aber die Stimmung unter den Teilnehmenden aus den unterschiedlichsten Ländern ist einmalig. Die Gegend um Stellenbosch mit den vielen Trails für jeden Biker ein Traum, die Organisation perfekt und die Hilfsbereitschaft der Einheimischen und vielen Freiwilligen eine riesige Freude.» Unter den Freiwilligen war in diesem Jahr auch die Partnerin von Deiss. «Sie war jeden Tag länger im Einsatz als ich auf dem Velo, stand jeweils um halb vier Uhr auf und kehrte oft erst gegen 19 Uhr ins Zeltlager zurück. Aber auch ihr hat es Spass gemacht.»
Viele Ausfälle
Die Ausfallquote allerdings war hoch, «höher als bei unseren zwei vorherigen Teilnahmen»: Von 725 gestarteten Teams erreichten lediglich 503 das Ziel. Rund ein Drittel blieb früher oder später auf der Strecke. Unter jenen, die das Rennen aufgeben mussten, war auch Michèle Mahrers Partner. Er zog sich schon früh bei einem Sturz einen Handgelenkbruch zu. 103 Teilnehmende beendeten das Rennen als sogenannte «individual finisher», unter ihnen Tom Deiss. Zu seiner Gemütslage nach der Zieldurchfahrt meinte er: «Es war Michèles und mein Traum, das Rennen als Duo dreimal zu Ende zu fahren, um zusammen in den Amabubesi Finisher Club aufgenommen zu werden. Natürlich freue ich mich, dass ich es geschafft habe, aber mit Goldie wäre es noch schöner gewesen.»
Für Tom Deiss und seine Partnerin ist das Abenteuer noch nicht zu Ende. Sie bleiben noch bis Ende April in Südafrika. Erholen und geniessen sei jetzt angesagt, betont der Fricker, der seinen Wohnsitz vor anderthalb Jahren ins Engadin verlegt hat. Auch Velofahren? Lachen am anderen Ende der Leitung. «Wir sind mit einem Mietauto unterwegs … Aber ja, wir nehmen die Velos natürlich mit. Es gibt hier unten einfach zu geniale Trails!»
Kann es sein, dass diese extremen Velorennen süchtig machen? Die Pause am anderen Ende der Leitung ist kurz: «Ich denke, sie haben das Potenzial dazu. Aber wenn ich heute entscheiden müsste, würde ich sagen, dreimal Cape Epic Südafrika reichen mir.»


