«Den Menschen in Gambia geht es aktuell sehr schlecht»
10.10.2026 BrennpunktBereits zum siebten Mal leistet Tibor Horvath einen ehrenamtlichen Hilfseinsatz in Gambia. Von Mitte November bis Anfang Dezember wird er kostenlos Dutzende von Operationen durchführen.
Valentin Zumsteg
Was Tibor Horvath in Gambia zu sehen bekommt, ist teilweise schrecklich: kleine Kinder mit Knocheninfekten und Erwachsene, bei denen Gliedmassen amputiert werden müssen. Trotzdem sagt der Rheinfelder Chirurg: «Ich freue mich jedes Jahr mehr auf meinen Einsatz. Es ist nicht mehr so viel ungewiss, wie in den ersten Jahren. Die Mitarbeitenden der Klinik freuen sich auch, dass wir wieder kommen.» Bereits zum siebten Mal reist er von Mitte November bis Anfang Dezember nach Gambia, um dort für die gemeinnützige Organisation «Drive to Help» in der ASB Health Clinic in Serekunda medizinische Hilfe zu leisten und lebensverbessernde Operationen durchzuführen. In diesem Jahr besteht das Team unter anderem aus drei Chirurgen.
Die Spitäler sind überlastet
«Im letzten Jahr konnten wir innerhalb von zweieinhalb Wochen rund 120 Operationen vornehmen. Insgesamt waren es in den vergangenen sechs Jahren über 500 Operationen», schildert der Rheinfelder. Die Spitäler in Gambia sind völlig überlastet, die Behandlungen für viele Menschen unerschwinglich. Tibor Horvath und seine Kollegen bieten die Operationen gratis an. «Im letzten Jahr kam ein Mann zu uns, der bei einem Motorradunfall seinen Ober- und seinen Unterarm gebrochen hatte. Die Behandlung des Oberarms im öffentlichen Spital hatte er sich leisten können, für den Unterarm reichte sein Geld nicht mehr. So war der gebrochene Unterarm rund ein Jahr unbehandelt geblieben, bevor der Mann zu uns kam. Alte Frakturen zu behandeln, ist schwierig, doch wir konnten ihm helfen.» Solche Schicksale sieht Tibor Horvath immer wieder.
«Den Menschen in Gambia geht es aktuell sehr schlecht», erzählt er. Die hohen Benzin- und Energiepreise treffen das arme Land mit voller Wucht. Es kommt immer wieder zu langen Stromausfällen, teilweise dauern diese bis zu 48 Stunden. «Die Leute gehen auch weniger ins Spital, zum einen wegen der Behandlungskosten und zum anderen wegen der höheren Transportkosten.»
Photovoltaik für die Klinik
Er hat schon mehrfach erlebt, dass während einer Operation der Strom ausfiel. «Wir haben zwar ein Notstromaggregat, doch das ist uralt. Es lärmt und stinkt, irgendwann wird es wohl aussteigen.» Horvath, der sich im Vorstand des Vereins «Drive to Help» engagiert, leitet aktuell das Projekt für die Anschaffung einer Photovoltaik-Anlage, damit würde die ASB Health Clinic etwas unabhängiger von der öffentlichen Stromversorgung. Der Rheinfelder Professor und Elektroingenieur Roger Buser hat ihm bei der Auswahl geholfen.
Tibor Horvath und seine Kollegen operieren nicht nur kostenlos, sie übernehmen auch die Reiseund Aufenthaltskosten in Gambia selber – und sie sammeln Spenden, denn die Hilfsorganisation «Drive to Help» ist darauf angewiesen. Horvath: «Es ist immer wieder fantastisch, wie viele Leute aus der Region unser Projekt finanziell unterstützen. So gibt es mittlerweile Menschen, die an ihrer Hochzeit oder am 80. Geburtstag auf Geschenke verzichten und für uns sammeln. Dafür sind wir dankbar.»
Eines ist jetzt schon klar: Für Tibor Horvath wird es nicht der letzte Einsatz in Gambia sein.


