Fricktaler Bibliothekare empfehlen
08.12.2023 FricktalMatthias Strähl, Stadtbibliothek Rheinfelden
Anja Reich
Simone
Die Journalistin Anja Reich nimmt uns mit in ihre Jugend während der deutschen Wendejahre der späten 1980er. Die beiden Freundinnen Anja und Simone wachsen in Ostberlin auf und tun ...
Matthias Strähl, Stadtbibliothek Rheinfelden
Anja Reich
Simone
Die Journalistin Anja Reich nimmt uns mit in ihre Jugend während der deutschen Wendejahre der späten 1980er. Die beiden Freundinnen Anja und Simone wachsen in Ostberlin auf und tun das, was Teenager so tun: Tanzen, feiern, sich zum ersten Mal verlieben. Dann fällt die Mauer und das Leben der beiden Freundinnen ändert sich rasant. Anja beginnt zu arbeiten, heiratet, bekommt ein Kind, während Simone auf Reisen geht. Räumlich driften die beiden Freundinnen mehr und mehr auseinander, bleiben sich jedoch innerlich verbunden. Bis Anja eines Tages aus heiterem Himmel die Nachricht erhält, dass sich Simone das Leben genommen hat. Die grosse Frage nach dem «Warum» lässt die Journalistin nicht los und sie beginnt, das Leben ihrer verstorbenen Freundin minutiös zu rekonstruieren, spricht mit Angehörigen und Freunden, erhält Einblick in Simones Tagebücher. Diese Spurensuche hat Anja Reich in einem sehr berührenden Roman verarbeitet, der aufzeigt, wie sich Brüche in der Biographie schleichend und kaum wahrnehmbar vollziehen und wie äussere Umwälzungen den Einzelnen in seiner Lebensgestaltung überfordern können.
Aufbau, Berlin, 2023. 304 Seiten
Mirko Beetschen
Das Haus der Architektin
Die Architektin Marie-Yolande Rabaut ist vor einigen Jahren verstorben. In den 50er Jahren hat sie sich mit einem Schulhausprojekt in Neuenburg einen Namen gemacht. Die exzentrische Dame überwarf sich jedoch mit der gesamten Branche, sodass ihr nennenswerte Nachfolgeprojekte verwehrt blieben. Verbittert zog sie sich auf eine verlassene Insel im Neuenburger See zurück, wo sie sich ein Haus baute und danach jeden Kontakt mit der Öffentlichkeit mied. Nach ihrem Tod erhält ein Architekturjournalist von den Nachkommen den Auftrag, das Gebäude als erster zu sichten und einen Artikel darüber zu schreiben. Nur von seinen zwei Hunden begleitet macht er sich daran, das Anwesen zu erkunden. Was er vorfindet, setzt alle architektonischen Regeln ausser Kraft: Treppen, die ins Leere führen, Gänge, die sich zu Schlupflöchern verengen und Zimmer ohne Sinn und Funktion. Bald beschleicht ihn die unheilvolle Ahnung, dass er nicht allein auf der Insel ist. Eine nur schemenhaft zu erkennende Gestalt verfolgt ihn und will mit allen Mitteln verhindern, dass er die Insel je wieder verlässt. Ein Schweizer Schauerroman in der besten Tradition des Englischen «Gothic Novel». Gänsehaut garantiert!
Zytglogge, Basel, 2023. 229 Seiten
Johanna Sebauer
Nincshof
In einer Zeit, in der alle nach maximaler Aufmerksamkeit streben und Erfolg an den erreichten Likes und Clicks bemessen wird, kommt dieser Roman als erfrischende Gegenthese daher. Drei Männer, sie nennen sich die «Oblivisten», setzen alles daran, dass ihr Dorf von der Aussenwelt vergessen wird. Nur so lässt sich in ihren Augen wahre Freiheit leben. Ortsschilder werden abgeschraubt, die Fahrradtouristen vergrault; und dies mit Hilfe der schrulligen Dorfbewohnerin Erna Rohdiebl. Wären da nur nicht die zugereisten Städter, die mit ihren südamerikanischen Ziegen und geplanten Achtsamkeitsseminaren gestressten Grossstadtbewohnern beim Entschleunigen helfen wollen. Ein überaus humorvoller Roman, der gekonnt mit den Stereotypen Dumont, Köln, 2023. 367 Seiten
www.stadtbibliothek-rheinfelden.ch
«Fricktaler Bibliothekare empfehlen» erscheint einmal im Monat.



