«Früher haben Jugendliche mehr über die Stränge geschlagen»
19.08.2026 RheinfeldenVor 30 Jahren hat Liliane Regitz die Leitung des Rheinfelder Jugendzentrums (RJZ) übernommen. Im Mai 1996 wurde dann der Verein schjkk gegründet, wo sie 2002 die Geschäftsführung übernahm.
Janine Tschopp
Sie hat sich damals gleichzeitig für eine Ausbildung im Maschinenbau ...
Vor 30 Jahren hat Liliane Regitz die Leitung des Rheinfelder Jugendzentrums (RJZ) übernommen. Im Mai 1996 wurde dann der Verein schjkk gegründet, wo sie 2002 die Geschäftsführung übernahm.
Janine Tschopp
Sie hat sich damals gleichzeitig für eine Ausbildung im Maschinenbau und in der Sozialpädagogik beworben. «Da es beim Unternehmen, wo ich die Ausbildung zur Maschinenbauerin hätte absolvieren sollen, keine sanitären Anlagen für Frauen gab, liess ich mich als Sozialpädagogin ausbilden. Das Schicksal hat entschieden», sagt Liliane Regitz und lacht.
Wenn man heute mit der 57-Jährigen über die vergangenen Jahrzehnte ihres Berufslebens spricht, wird klar: Das Schicksal hat richtig entschieden. Liliane Regitz ist sehr glücklich in ihrem Beruf und ihre Tätigkeit erfüllt sie voll und ganz.
30 Jahre schjkk
Nach ihrer Ausbildung zur Sozialpädagogin beim Jugendamt Lörrach arbeitete sie während viereinhalb Jahren beim Stift Olsberg. Vor 30 Jahren erhielt sie die Gelegenheit, die Leitung des Jugendzentrums Rheinfelden (RJZ) zu übernehmen. «Damals war der Verein schjkk in der Entstehungsphase», erinnert sie sich. Im Mai 1996 wurde der Trägerverein für Jugend-, Schüler- und Kinderkultur (schjkk) als Dachverein für den Robi-Spielplatz und das RJZ gegründet. Direkt nach der Gründung arbeitete Liliane Regitz für schjkk, studierte berufsbegleitend Betriebswirtschaft und fungiert seit 2002 als schjkk-Geschäftsführerin.
Im Laufe der Zeit sind immer mehr Kinder- und Jugendangebote dazugekommen. So vereinen sich heute unter dem schjkk-Dach neben dem Robi-Spielplatz und dem RJZ auch die mobile Jugendarbeit, der Jugendraum Fuchsbau im Augarten, der Jugendraum Magden, das Kindertheater sowie die Rheinfelder Sportnächte. Die Angebote sprechen Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 5 und 22 Jahren an. Wie Liliane Regitz ausführt, ist die Nachfrage in all den Jahren in etwa gleichgeblieben.
Früher weniger Einschränkungen
Welche Veränderungen sind Liliane Regitz in den letzten drei Jahrzehnten aufgefallen? «Damals haben Kinder und Jugendliche mehr ‹über die Stränge geschlagen› im Vergleich zu heute.» Vieles sei halt nicht bekannt geworden, weil es noch keine sozialen Medien gab. Heute gebe es für Kinder und Jugendliche viel mehr Einschränkungen, obschon es eigentlich dazugehöre, ab und zu «anzuecken». Auch gebe es immer weniger Örtlichkeiten, wo Kinder und Jugendliche «einfach sein» und Sachen ausprobieren könnten. «Aufgrund der vielen Vorgaben und Einschränkungen werden den jungen Menschen heute Erfahrungen vorenthalten», stellt die erfahrene Sozialpädagogin fest. Und weiter: «Von den Jungen wird erwartet, dass sie kritikfähig sind und streiten können. Aber wie sollen sie das lernen, wenn sie solche Situationen gar nicht erleben und vorher schon zurechtgewiesen werden?»
Jugendliche einbinden
Für Liliane Regitz ist es immer ein grosses Anliegen, Kinder und Jugendliche einzubinden. So wie beispielsweise im Rahmen der «Rhyfälder Sportnacht», wo die Jugendlichen selber als Coaches fungieren und Verantwortung übernehmen. Senior-Coaches hätten jeweils die Aufgabe, nach den Sportnächten Berichte zu schreiben. Der Robi-Spielplatz und seine «Mini-Teams» sind ein weiteres Beispiel dafür, dass Kinder Freude daran haben, anzupacken, Verantwortung zu übernehmen und dafür auch wertgeschätzt zu werden.
Welches waren aus Liliane Regitz’ Sicht ihre persönlichen Höhepunkte in den letzten drei Jahrzehnten? Sie lacht und sagt: «Höhepunkte gab es jedes Jahr. Ich durfte so viele unterschiedliche Sachen machen. Dabei ist es wichtig, dass wir immer spontan und f lexibel bleiben und schnell reagieren können. Es ist schön, wenn wir Wünsche der Jugendlichen schnell umsetzen können, damit sie zeitnah davon profitieren können.»
Feierlichkeiten stehen vor der Tür
Die Arbeit geht Liliane Regitz und ihrem zehnköpfigen Team, das aus Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Fachleuten Betreuung und Auszubildenden besteht, nicht aus. Unter anderem beschäftigen sie sich derzeit mit der Vorbereitung einiger Feierlichkeiten, die vor der Tür stehen. So wird am 19. September auf dem Robi-Spielplatz der Aargauer Familientag durchgeführt. Dabei werden gleichzeitig die Jubiläen des «Robi» (50 Jahre) und des Vereins schjkk (30 Jahre) gefeiert. Liliane Regitz beschäftigt sich mit ihrem Team auch bereits intensiv mit der Planung des Kindertheaters für die kommenden Jahre sowie mit dem Jugendfest, das 2027 zum nächsten Mal durchgeführt wird.
Nach ihrem täglichen Antrieb gefragt schmunzelt sie: «Es muss mich eigentlich nichts antreiben. Ich habe immer selber genug Ideen, die mich jeden Tag motivieren.» Das ist auch im Gespräch mit ihr sehr gut zu spüren. Es erfüllt sie, täglich mit neuen Ideen ans Werk zu gehen und für die Jugend anzupacken. Sich einzusetzen, dass die jungen Menschen ihre Freizeit mit viel Freude erleben können. Sie formuliert es so: «Wir bieten Kindern und Jugendlichen Räume, sich zu entfalten und zu entwickeln und haben immer ein offenes Ohr.»
Und welche Wünsche hat sie für die Zukunft? «Ich wünsche mir, dass wir weiterhin finanziell gut unterstützt werden. Mir ist es sehr wichtig, dass die Politik bei Jugendprojekten nicht spart, sondern in Kinder und Jugendliche investiert. Denn die Jugend ist unsere Zukunft, und diesen Bereich sollten wir unbedingt fördern.»

