«Fast ein bisschen wie ein Märchen»
25.06.2024 Frick, SportChiara Leone, Profi-Schützin aus Frick, ist für Olympia selektioniert
Ende Mai wurde Chiara Leone in Kroatien Europameisterin im Dreistellungsmatch über 50 Meter. Jetzt hat sie ein weiteres grosses Ziel erreicht: Am 23. Juli reist die 26-jährige Frickerin an die ...
Chiara Leone, Profi-Schützin aus Frick, ist für Olympia selektioniert
Ende Mai wurde Chiara Leone in Kroatien Europameisterin im Dreistellungsmatch über 50 Meter. Jetzt hat sie ein weiteres grosses Ziel erreicht: Am 23. Juli reist die 26-jährige Frickerin an die Olympischen Spiele nach Frankreich. Die NFZ unterhielt sich mit der Olympia-Teilnehmerin.
Simone Rufli
NFZ: Chiara Leone, ich zitiere ab Ihrer Webseite: «Als neue Europameisterin angekündigt werden und zuoberst auf das Podest steigen zu dürfen, ist ein Moment, den ich nie vergessen werde.» Jetzt sind Sie selektioniert für die Olympischen Spiele. Haben Sie schon ganz erfasst, was Sie in den letzten Wochen alles erreicht haben?
Chiara Leone: Ein Stück weit schon. Ich habe auf die Olympia-Selektion gehofft und nach dem Europameister-Titel schon fast damit gerechnet, aber die zwei Wochen, die wir auf den Entscheid des Verbands warten mussten, waren sehr lang. Der offizielle Entscheid war dann eine riesige Erleichterung. Es ist ein unglaubliches Gefühl zu erleben, dass sich alles, was ich bisher in diesen Sport gesteckt habe und worauf ich verzichtet habe, gelohnt hat – zum Beispiel, dass es richtig war, dass ich vor drei Jahren mein Studium zugunsten des Sports abgebrochen habe. Ich erlebe es im Moment fast ein bisschen wie ein Märchen – was ich mir vornehme, gelingt, Schritt für Schritt.
Es hätte auch anders ausgehen können. Neben Nina Christen, der Olympiasiegerin von Tokyo 2021, hätte die erst 15-jährige Emely Jäggi selektioniert werden können. Sie sind alle drei Weltklasse-Schützinnen.
Das ist so. Der Verband ist in einer komfortablen Lage wie noch nie zuvor. Mit dem Gewinn der Europameisterschaft, mit dem riesigen Vorsprung, den ich in Osijek bereits in der Qualifikation erzielt habe und dann im Final bestätigen konnte, habe ich aber sicher bewiesen, dass ich mit grossem Druck umgehen kann. Ich wusste auch lange zuvor, ich muss mir meinen Quotenplatz selber erkämpfen, wenn ich die Selektion für Paris schaffen will, die EM war meine letzte Chance, ich habe sie genutzt und ich habe dem Druck standgehalten.
Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Olympia-Selektion reagiert?
Sie finden es extrem cool und haben grosse Freude. Sie wussten natürlich auch, dass der Ausgang offen ist, weil die Konkurrenz innerhalb des Verbands so stark ist. Viele sagen jetzt, dass es speziell sei, jemanden zu kennen, der an den Olympischen Spielen teilnehmen darf.
Sie sind dabei, jetzt können Sie zu den Spielen gehen und geniessen.
(Lacht) Gemäss dem olympischen
Gedanken ist Dabeisein das Wichtigste, ja. Mein Ziel ist es aber, meine Bestleistung abrufen zu können und die Wettkämpfe mitzubestimmen.
Die Olympia-Schiessanlage befindet sich in Châteauroux rund zweieinhalb Stunden entfernt von Paris – Sie haben die Anlage bereits kennengelernt. Sagt sie Ihnen zu?
Die Anlage liegt mir. Wir waren im 2023 schon dort und zuletzt im Januar dieses Jahres. Es ist bestimmt ein Vorteil, dass wir bereits wissen, wo alles ist. Wo die Garderoben sind, wo die nächste Toilette ist und wie lange man für bestimmte Strecken innerhalb des riesigen Geländes benötigt. Der Verband hat für uns bereits vor einiger Zeit in der Nähe der Anlage eine Unterkunft gebucht.
Sie reisen am 23. Juli nach Frankreich, bestreiten die Qualifikation am 1. August. Der Final findet am 2. August statt. Werden Sie für die Eröffnungsfeier am 26. Juli nach Paris reisen?
Ich denke eher nicht, was mit Blick auf die Vorbereitung aber nicht schadet. Eine Eröffnungsfeier ist immer auch lang und anstrengend, ich habe das an der Universiade 2019, den olympischen Spielen der Studierenden, schon miterleben dürfen. Wir finden nach den Wettkämpfen sicher noch Zeit zum Feiern.
Rund um Olympische Spiele ist das mediale Interesse auch an sogenannten Rand-Sportarten plötzlich gross. Sind Sie sich im Klaren, was auf Sie zukommen wird?
Etwas davon habe ich bereits nach dem EM-Titel zu spüren bekommen. Der Verband versucht aber, uns so gut es geht zu schützen, indem er am 28. Juni einen Medientag in Biel organisiert. Danach stehen wir für Interviews nicht mehr zu Verfügung.
Eine letzte Frage: Werden Sie Ihr Gepäck besonders gut kontrollieren, bevor Sie nach Frankreich abreisen?
(Lacht). Dass meine Eltern mir einen Teil meiner Ausrüstung an die EM nach Kroatien hinterhertragen mussten, werde ich mir wohl noch lange anhören müssen. Aber ja, ich werde sicher zwei, dreimal kontrollieren, ob alle Gepäckstücke dabei sind.

