Fasnacht, die Geister, die ich rief
29.01.2026 FricktalSchaurig schön, laut, bunt und schräg
Wer sagt, Fasnacht sei einfach ein farbenfrohes, lustiges Fest, der hat wohl recht, kennt aber das Fricktal nicht. Hier wird in manchen Gemeinden die fünfte Jahreszeit nicht nur ein bisschen gefeiert, sondern regelrecht zelebriert. Beispiel Laufenburg und Kaisten.
Susanne Hörth
In der närrischen Zeit gehören die seltsamsten Rituale zum Normalsten überhaupt. Da werden Geister aus ihren Flaschenverliesen entlassen, dicke Fische an Land gezogen und die Machtübernahme durch die Narren ausgerufen. Als Zeichen der Kapitulation überlassen die Gemeindeoberhäupter die übergrossen Schlüssel für die Regierungsgebäude den Fasnächtlern. Spätestens an Aschermittwoch kehrt dann, zumindest im Fricktal, wieder Ruhe ein und es gelten die einige Wochen lang ausser Kraft gesetzten Regeln wieder.
Bis dahin aber herrscht die Fasnacht. «Ach herje, schon wieder!», stöhnen da sicher die einen oder anderen. Sie werden vielfach übertönt. Denn schon am frühen Morgen des heutigen 1. Faissens kündete sich die Fasnacht in manchen Fricktaler Gemeinden mit Getöse an. Das Getöse hat einen Namen: Tschättern. «Nirgends tönt es so schaurig schön und laut wie bei uns in den Altstadtgassen», werden da viele Laufenburger Fasnachtsbegeisterte sagen. Wer es einmal erlebt hat, kommt nicht umhin, dem zuzustimmen. Das besondere Lärmkonzert beginnt kurz vor fünf Uhr morgens beim Wasentor. Da besammelt sich, mit allerlei Lärminstrumenten ausgestattet – Pauken, Sägeblätter, Pfannendeckel, Töpfe – jeweils eine stattliche Gruppe von Frühaufstehern. Angeführt werden sie von Mitgliedern der Narro-Alt-Fischerzunft 1386. Mit dem fünften Glockenschlag der Kirchenuhr setzt sich der Zug in Bewegung. Im Gleichschritt und dem monotonen Gleichklang der Instrumente geht es los durch die dunklen Altstadtgassen.
Nicht weniger enthusiastisch verlassen zur gleichen frühen Morgenstunde in der Nachbarsgemeinde Kaisten einige närrisch Angehauchte ihre warmen Betten, um draussen ebenfalls mit lautem Tschättern die Fasnacht zu verkünden.
Warum dieses Getschättere? Aus gut informierten Kreisen ist immer wieder zu hören, dass damit der Winter vertrieben werden soll. Aus ebenso guten Quellen weiss diese Zeitung, dass das Tschättern gerade im jahrhundertealten Fasnachtsbrauchtum in Laufenburg beidseits des Rheins zur Tradition gehört und gepf legt werden will. Und natürlich, weil «Tschättern einfach Freude macht!». Und immer mittendrin der Geist der Fasnacht.
In Kaisten ist es der Haldejoggeligeist. Während der fasnachtslosen Zeit fristet er ein trauriges Dasein in seinem Flaschenverlies. Dieses wird am Abend des 1. Faissens aus der Tüfelschuchi geholt. Begleitet von Fackelträgern wird die Mostflasche auf einem Karren zum Joggeliplatz gebracht. Laut dem mit der Fasnachtsgesellschaft vereinbarten Pakt darf der Haldejoggeligeist sein gläsernes Verlies für ein paar Wochen verlassen, um dann in der Nacht auf Aschermittwoch in einer schaurig schönen Zeremonie wieder in die Flasche zurück verbannt zu werden. Damit bleibt das Dorf bis zur nächsten Fasnacht von all seinen närrischen Schandtaten verschont.
In Laufenburg wacht als guter Geist die Mutter Fasnacht über das närrische Geschehen in den kommenden Wochen. So richtig los geht es in der Zweiländerstadt am 3. Faissen, dieses Jahr am 12. Februar. Wenn die Narronen, die Mitglieder der Narro-Alt-Fischerzunft 1386 – die Jahrzahl verweist auf die lange Geschichte dieser Zunft – mit ihren Weidlingen den Salm an Land bringen, ist die Städtlefasnacht offiziell eröffnet. Und mit ihr gehören fantasievolle Guggenformationen mit ihren kakofonischen Klängen, Geister, Dämonen und Hexen (Häxefüür-Umzug) sowie farbenfrohe Teilnehmende am grossen Sonntagsfasnachtsumzug zum für einmal pulsierenden Leben in den Laufenburger Altstädten. Mit der Verbrennung des Böögs herrscht ab Aschermittwoch ebenfalls wieder der gewohnte Alltag.
So weit ist es ja zum Glück noch lange nicht. Vielmehr gilt es jetzt, die närrisch-ausgelassenen Tage zu geniessen und sich selbst für einmal nicht ganz so ernst zu nehmen.


