Simone Rufli
Ich muss Sie nicht fragen, ich weiss, dass Sie es getan haben. Ich weiss, dass auch Sie angefangen haben. Was hätten Sie auch sonst tun sollen? Sich weigern? Unmöglich. Nach dem 31. Dezember ist Schluss. Keine Ausnahme. Keine Verlängerung. Vor dem Kalender ...
Simone Rufli
Ich muss Sie nicht fragen, ich weiss, dass Sie es getan haben. Ich weiss, dass auch Sie angefangen haben. Was hätten Sie auch sonst tun sollen? Sich weigern? Unmöglich. Nach dem 31. Dezember ist Schluss. Keine Ausnahme. Keine Verlängerung. Vor dem Kalender sind wir alle gleich.
Eigentlich geht doch alles einfach weiter. Wäre da nicht dieser Anfang. Er allein trennt das Davor vom Danach. Selbst wenn er ganz leise kommt, markiert er eine Grenze. Der Anfang sagt: Ab hier wird es anders. Er ist der seltene Moment, in dem noch nichts festgelegt ist. Alles ist offen, alles denkbar. Der Anfang trägt so viel Zukunft in sich wie kein anderer Moment. Klar, dass er sich diese Sonderstellung nicht nehmen lassen will.
Ob Keim, Ursprung, Ausgangspunkt – Prolog, Präambel, Einstand – Startschuss, Eröffnung, Auftakt oder Jahresanfang – Anfänge haben immer etwas von ungeöffneten Briefen. Man hält sie in der Hand, spürt ihr Gewicht und weiss im Moment des Aufreissens trotzdem nicht genau, was auf einen zukommt.
Oder beim Schreiben: Wie oft sitzen wir vor einem weissen Blatt Papier (zugegeben, es handelt sich um ein Word-Dokument, aber Blatt Papier klingt schöner) auf der Suche nach dem ersten Satz. Jeder Text ein Anfang.
«Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», so schön hat es Hermann Hesse formuliert. Zwei Tage sind wir bereits vom Anfang entfernt. Nach und nach werden wir erfahren, was das 2026 an Zauber für uns bereithält. Das Licht im Saal ist bereits gedimmt, der Vorhang noch unten, doch hinter den Kulissen raschelt es schon.
Ich wünsche Ihnen ein zauberhaftes 2026.