«Es war viel zu ruhig»
19.05.2026 FokusRheinfelder Festival der Kulturen litt unter dem schlechten Wetter
Seit Ruedi Berner 1995 das Festival der Kulturen ins Leben gerufen hat, gehört es zu Rheinfelden fast wie der Rhein zur Stadt. Marktstände, Tänze, Kulinarik und interkultureller Austausch erfreuten auch dieses Jahr die ...
Rheinfelder Festival der Kulturen litt unter dem schlechten Wetter
Seit Ruedi Berner 1995 das Festival der Kulturen ins Leben gerufen hat, gehört es zu Rheinfelden fast wie der Rhein zur Stadt. Marktstände, Tänze, Kulinarik und interkultureller Austausch erfreuten auch dieses Jahr die Gemüter. Der Besucheraufmarsch aber hielt sich in Grenzen.
Yasmin Malard
«Pure Lebensfreude!» So beschreibt die Besucherin Giuseppina Mannino die Djembe-Kurse im Seffelraum (Rotes Haus). Regelmässig reist die Seniorin bis nach Zürich, um die belebenden Tanzkurse von Saf Sap New Generation zu besuchen. Besonders bewundert sie die positive Kultur der Senegalesen: «Es sind arme Leute, die trotzdem zufrieden sind, und diese Einstellung zu lernen, war ein unglaublicher Mehrwert für mich.»
Brennende Kaffeeverkäuferin
Sarah Roduner verkaufte, wie schon in den letzten zwei Jahren, Kaffee aus Äthiopien – traditionellerweise zusammen mit Popcorn. Bis eine Tasse zubereitet ist, geht es gut eine halbe Stunde, denn die Bohnen werden zuerst im offenen Feuer geröstet und das Mahlen wird von Hand gemacht. Deswegen wird der Kaffee nicht schnell-schnell getrunken (wie hierzulande teilweise für den schnellen Energiekick). Während Sarah Roduner von der Kunst der Kaffeemacherei erzählt, fängt ihr Kleid plötzlich Feuer. Die Stichflammen lodern an ihrer Körperseite bis sie diese mit Mekedes zusammen ersticken kann. «Alles gut», sagt sie danach und lacht, während sie sich ein neues Kleid überzieht.
Kleinere, aber treue Kundschaft
Rita Kramer zählt zu den treusten Kundinnen des Kulturfestivals. Sie wünscht sich die Zeiten zurück, als Marktstände bis über die Brücke nach Deutschland und bis weit in die Stadt hinein die Strassen schmückten. Das «Multikulti», neue Sachen erfahren und mit den Leuten «schäkere» schätzt sie besonders, denn die meisten Leute seien für einen Schwatz zu haben.
Trotz der guten Stimmung und glücklichen Gesichter kündigten mehrere Stimmen an, vor allem Marktbetreiber, sie kämen nicht mehr im folgenden Jahr. Die Stände seien im Verhältnis zu den Einkünften, die sie generieren könnten, zu teuer. Jaja Uthman vermutete, dass die Leute Anfang Monat noch nicht bereit wären, Geld auszugeben oder wenn, dann «nur für Essen». Allerdings schienen die Essstände besser besucht als die Warenstände. Anna Sinigaglia nannte gerade das Essen als Hauptgrund für ihr jährliches Wiederkommen. Man käme kulinarisch gut auf seine Kosten; das einzige was jetzt noch fehlen würde, sei ein Aperol Spritz, sagte sie munter, während sie in ihr Gözleme biss.
Die Marktbetreiberin der Gözleme war jedoch trotz Essensausgabe nicht zufrieden mit der Besucheranzahl. So wie Arya Ghorbani, der Trockenfrüchte, Nüsse und Gewürze aus dem Iran verkaufte. Er sagte: «Es hat bis jetzt nur geregnet, es ist gar nichts passiert, es war viel zu ruhig.»
Globale Konflikte
Viel zu ruhig war auch sein Kontakt zu Bekannten im Iran, seit sich die Angriffe der USA verstärkt haben. Vor zwei Monaten hat er das letzte Mal von ihnen gehört, seither scheint das Internet abgestellt zu sein. Auch in Myanmar bleibt die Lage seit dem Militärputsch angespannt und trostlos. Ernst Häuselmann antwortet auf die Frage, wie sich die Situation im letzten Jahr entwickelt hat, mit, sie habe sich leider nicht entwickelt. Er selbst hat die Einreisebewilligung ins Land schon länger verloren, seine Frau Malay war vor drei Jahren zuletzt in ihrer Heimat und kam damals nicht planmässig zurück, da der Flughafen bombardiert wurde. Für Situationen wie diese bleibe die Kunst als Ausdruck der Hoffnung und des Widerstands. Bilder, wie diese an ihrem Marktstand, würden die bösen Geister vertreiben und werden traditionellerweise an den Türen aufgehängt.
Gesang, Tanz und Mode
Der «Design Market» bot dieses Jahr zum ersten Mal jungen Designern eine Plattform. Als Teil davon präsentierte «Cottoned» eine Fashion Show. Internationale und nationale Künstlerinnen und Künstler traten auf der Bühne neben dem Kurbrunnensaal in allen möglichen Genres von Hip-Hop bis zu Reggae auf. Die Sängerin «Lucky The Girl» sang über Menschenrechte, instabile Phasen im Leben und über ihren verstorbenen Vater. «So viel Tragisches geschieht zurzeit, aber die Farben hier werten das heute etwas auf.» Die Sonne agierte als Katalysator und lockte um die Mittagszeit am Samstag doch noch einige Menschen nach draussen, ob sitzend, stehend oder laufend. Der Platz füllte sich und so fühlte sich der Event mehr und mehr wie ein Festival an.




