«Es war einfach ein besonderer Moment»
07.11.2026 PersönlichZwei Fricktaler Winzerinnen haben den ersten eigenen Wein in der Flasche
Für Jutta Vögeli ist die Winzerei ein berufliches Standbein auf dem Laubberghof, während die Reben für Cornelia Thürlemann ein Hobby sind. Beide Winzerinnen haben eine intensive Beziehung zu den Reben und ...
Zwei Fricktaler Winzerinnen haben den ersten eigenen Wein in der Flasche
Für Jutta Vögeli ist die Winzerei ein berufliches Standbein auf dem Laubberghof, während die Reben für Cornelia Thürlemann ein Hobby sind. Beide Winzerinnen haben eine intensive Beziehung zu den Reben und winzern naturnah.
Petra Schumacher
Die historische Verankerung der Weinkultur im Fricktal reicht bis in die Römerzeit zurück. Obwohl Krankheiten wie die Reblaus oder der Mehltau, Bauaktivitäten sowie der Import von billigeren ausländischen Weinen zu einem starken Rückgang der Rebf lächen geführt haben, spielt hier der Weinbau noch immer eine grosse Rolle. Zunehmend sind es im Fricktal Frauen, die die Rebkultur fortführen.
Die Winzerin vom Laubberghof
Jutta Vögeli hat in einen Bauernbetrieb eingeheiratet und vom Schwiegervater die Reben in Wil übernommen. Bislang auf dem Rebberg ungenutzte Flächen wurden neu bepflanzt, umliegende Parzellen dazugekauft. Später kamen die Reben auf dem Wessenberg hinzu, wo Jutta Vögeli inzwischen einen Hektar bearbeitet. «Ich habe einige Kurse besucht, mich aber auch getraut, einfach auszuprobieren.»
Sie sei in vielen Dingen eine Vorreiterin, erklärt die Winzerin. «Früh habe ich schon unter den Vorgaben gespritzt, auf pilzresistente Trauben gesetzt und Hagelschutznetze angeschafft.» Lange Zeit habe sie ihre Trauben verkauft, aber nach und nach sei in ihr der Wunsch gereift, den eigenen Wein in der Flasche zu haben, erklärt die Winzerin. «Meine Familie hat mich bei dieser Entscheidung unterstützt und als klar wurde, dass unsere Tochter einmal den Betrieb fortführen wird, habe ich den Schritt gemacht.»
Hobbywinzerin mit viel Herzblut
Cornelia Thürlemann ist mit dem Rebbau gross geworden. «Mein Vater hat sich mit 55 Jahren seinen Lebenstraum erfüllt und hier auf der Germatt in Sulz einen Rebberg aufgebaut.» Für sie sind die geselligen Zeiten im Weinberg, das gemeinsame Arbeiten, aber auch der Hock danach, Kindheitserinnerungen. Nach dem Tod des Vaters hatte die Winzerin eine Zeit lang keinen Bezug zu den Reben. «Mir hat aber zunehmend etwas gefehlt. Ich arbeite allerdings zu hundert Prozent als Primarschullehrerin und musste deshalb den Rebberg verkleinern.» Zudem hat sie sich mit Hanspeter Oswald einen Winzerkollegen an die Seite geholt. «Für uns ist das ein Hobby, in dem viel Herzblut steckt, auch wenn es ein zeitaufwendiges und manchmal körperlich anstrengendes Unterfangen ist.»
Der erste eigene Wein
Für die Winzerinnen ist 2026 ein wichtiges Jahr: Beide haben zum ersten Mal ihren eigenen Wein in der Flasche. Sie beschreiben das erste Glas Wein fast identisch: «Es war einfach ein besonderer Moment.» Ähnlich aufregend war für beide die Entwicklung des eigenen Logos.
Mit Hilfe von Fricktaler Grafikerinnen wurde einige Zeit lang gezeichnet, diskutiert und angepasst, bis das finale Logo gefunden war, das beide Winzerinnen nun mit Stolz präsentieren. Für Jutta Vögeli ist die Zeit der besonderen Momente noch nicht vorbei: Pünktlich zur Adventsdegustation Ende November ist der erste eigene Pinot Noir Barrique in der Flasche.
Ob als beruf liches Standbein oder als Hobby, den Winzerinnen ist die naturnahe Arbeit wichtig. So arbeiten beide projektbezogen mit dem Jurapark Aargau zusammen und setzen sich für die Artenvielfalt von Fauna und Flora im Rebberg ein. Ähnlich interessiert sind die Winzerinnen auch am Austausch mit Weininteressierten. Sowohl Jutta Vögeli als auch Cornelia Thürlemann bieten Degustationen an, öffnen Winzerstübli und Rebhaus für private Veranstaltungen und planen bereits eigene Anlässe.


