«Es ist ein Traum, aber auch ein finanzieller Kraftakt»
02.05.2026 PersönlichMit Footgolf hat Sandro Bertoli vor neun Jahren eine neue Sportart kennengelernt, die ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Mittlerweile ist der Rheinfelder Vize-Schweizermeister und qualifizierte sich für die kommende Weltmeisterschaft in Acapulco.
Janine Tschopp
Als ...
Mit Footgolf hat Sandro Bertoli vor neun Jahren eine neue Sportart kennengelernt, die ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Mittlerweile ist der Rheinfelder Vize-Schweizermeister und qualifizierte sich für die kommende Weltmeisterschaft in Acapulco.
Janine Tschopp
Als grosser YB-Fan sah Sandro Bertoli im Clubmagazin des BSC Young Boys einen Wettbewerb, bei welchem man eine Teilnahme an einem Footgolf-Turnier in Österreich gewinnen konnte. «Aus Spass haben wir mitgemacht», erinnert er sich und fährt schmunzelnd fort: «Wir haben den Wettbewerb zwar nicht gewonnen, sind dann aber trotzdem zu viert ans Footgolf-Turnier nach Österreich gefahren.»
So kam der Rheinfelder erstmals in Kontakt mit der neuen Sportart, die ihn seither fasziniert. Mit einer Handvoll Gleichgesinnten gründete er 2018 «Footgolf Basel», den ersten Footgolf-Verein in der Deutschschweiz. «In der französischen Schweiz gibt es vier weitere Vereine», erklärt Sandro Bertoli. Als sehr kleiner Verein mit nur vier Aktiven konnte «Footgolf Basel» schon einige Erfolge verbuchen. Dazu gehören zum Beispiel Teilnahmen an Welt- und Europameisterschaften, mehrfache Schweizermeister-Titel bei den Senioren, Top 30-Platzierungen in der Weltrangliste der Damen und Senioren sowie viele Turniersiege.
Sandro Bertoli ist derzeit Vize-Schweizermeister, europaweit auf Platz 57 und auf der Weltrangliste auf Platz 117 rangiert. In den letzten Jahren nahm er an zwei Europameisterschaften (Ungarn 2021 und Türkei 2024) und einer Weltmeisterschaft (Orlando 2023) teil. Bei den Senioren konnte der 56-Jährige drei Schweizermeister-Titel und verschiedene Turniersiege erlangen.
Keine Zweikämpfe mehr
Was fasziniert den Rheinfelder an der neuen Sportart, welche die Technik von Fussball und die Strategie von Golf vereint? «Ich darf trotzdem Fussball spielen und habe keine Zweikämpfe mehr. Die Verletzungsgefahr ist geringer», erklärt Sandro Bertoli. «Wenn man mit den 18 Löchern fertig ist, würde man am liebsten noch einmal starten, weil man denkt, dass man die Leistung vielleicht noch ein bisschen steigern könnte.» Obwohl sich Bertoli als «guter Verlierer» bezeichnet, sagt er: «Ich verliere nicht gerne. Wenn ich auf den Platz gehe, möchte ich gewinnen.» Natürlich sei er Realist und wisse auch seine Chancen einzuschätzen.
Die Weltmeisterschaft steht vor der Tür
Apropos Chancen: Ende Mai werden Sandro Bertoli, Malte Commandeur (ebenfalls aus Rheinfelden), Tomas Buncek und Matej Vnad von «Footgolf Basel» die Schweiz an der Weltmeisterschaft in Acapulco vertreten. Wie stehen die Chancen? Sandro Bertoli lacht: «In unserer Gruppe spielen die Länder USA, Spanien und Slowakei. Die sind alle viel besser einzustufen als wir. Es gibt viele Ex-Fussballprofis, die heute Footgolf spielen. Aber es muss immer erst gespielt werden und wir geben unser Bestes.» Er ergänzt: «Am meisten Erwartungen haben wir bei den Frauen. Sie sind im weltweiten Vergleich gut.»
Sandro Bertoli und seine drei Kollegen von «Footgolf Basel» freuen sich sehr, dass es bald losgeht und sie Ende Mai nach Acapulco reisen dürfen. «Es ist ein Traum, dass wir die Schweiz und Rheinfelden an der Weltmeisterschaft vertreten dürfen.
Es ist aber auch ein finanzieller Kraftakt.» Pro Person belaufen sich die Kosten für die Teilnahme auf rund 5000 Franken. Sponsoren gibt es bis jetzt keine.
Fehlende Infrastruktur
Schwierig ist nicht nur die finanzielle Ausgangslage, sondern auch die Infrastruktur, respektive die Trainingsmöglichkeiten. «Bis vor kurzem gab es bei uns in der Nähe keinen Platz zum Trainieren», sagt Bertoli. Seit letztem Jahr dürfen die Mitglieder von «Footgolf Basel» eine Aussenanlage in Zwingen sowie eine Turnhalle in Rheinfelden nutzen. «Es ist wichtig, auch draussen trainieren zu können, denn die Annäherung ans Loch kann man nur auf einem Golfplatz üben», erklärt Bertoli. Wie bereiten sich die vier Mitglieder des Vereins auf die Weltmeisterschaft vor? «In der Halle üben wir die verschiedenen Schläge und probieren auch neue Techniken aus. Zudem treffen wir uns am 2. Mai mit der Nationalmannschaft, um uns gemeinsam auf das grosse Turnier vorzubereiten.»
Seit Bubentagen von Fussball begeistert
Fussballspielen fasziniert Sandro Bertoli seit seiner Kindheit. «Wir haben immer und überall gespielt.» Er war bei den Junioren des FC Rheinfelden, spielte später Grümpelturniere und trat dann der Firmensport-Mannschaft SC Feldschlösschen bei. «Mir war das Zusammensein mit Kollegen immer viel wichtiger als der sportliche Erfolg.»
Am 27. Mai geht die Footgolf-Weltmeisterschaft in Acapulco los. Das kleine Team rund um Sandro Bertoli wird bereits am 22. Mai anreisen. «Wir werden die Plätze inspizieren und uns verschiedene Notizen machen. Wo stehen Bäume, Bunker, hohes Gras?» Freut er sich, dass es bald los geht? «Ja, ich freue mich sehr und wir sind auch absolut stolz, an der Weltmeisterschaft dabei sein zu dürfen.»
Eine junge Sportart
Beim Footgolf geht es darum, einen Fussball mit möglichst wenigen Schüssen auf einer Golfanlage in ein Loch von zirka 50 Zentimetern Durchmesser zu befördern. Die Sportart gibt es erst seit 2009. In jenem Jahr wurde auch der Schweizer Footgolf-Verband gegründet. Nebst einem Footgolf-Weltverband gibt es rund 70 Länderverbände. Sandro Bertoli ist Präsident und Trainer bei «Footgolf Basel». Der Verein wurde 2018 gegründet und es ist der einzige Footgolf-Verein in der deutschsprachigen Schweiz.

