«Es ist ein Privileg, mit jungen Menschen zusammen zu sein»

  28.08.2025 Fricktal

Vor 46 Jahren schloss Marianne Kaiser ihre Ausbildung in Luzern ab. Heute kann sie auf eine sehr lange und überaus erfolgreiche Zeit als Lehrerin zurückblicken.

Karin Küng*

Über vier Jahrzehnte seit der Ausbildung. Vieles hat sich in dieser langen Zeit verändert. So musste Marianne Kaiser, damit sie 1983 im Aargau unterrichten konnte, alle Unterlagen zu ihrer Ausbildung im Kanton Luzern vom Erziehungsrat des Kantons Aargau bestätigen lassen. Dieser stellte ihr dann ein vom Erziehungsdirektor persönlich unterschriebenes Wählbarkeitszeugnis aus. Im Dezember 1985 bekam sie vom Erziehungsrat die definitive Lehrbewilligung, welche ihr zusätzlich erlaubte, als Hilfslehrerin im Nebenamt an der Realund Sekundarschule Italienisch zu unterrichten. Gleiches galt 1986 auch für Englisch. Mit diesen Bewilligungen begann Marianne Kaiser ihre Lehrtätigkeit als Fachlehrerin an der RBK (Realschule, Berufswahljahr, Kleinklasse). Wenn es ihr zeitlich möglich war, sprang sie auch kurzfristig als Stellvertreterin für andere Fächer ein. Das war für uns alle immer sehr wertvoll. Sie suchte aber auch die Herausforderung: Vor 16 Jahren schloss sie die zeitintensive Ausbildung als SHP-Lehrerin erfolgreich ab – das berufsbegleitend und als Mutter von vier Kindern. Es war bewundernswert, wie sie all diese Aufgaben unter einen Hut bringen konnte und dabei ihre aufgestellte und hilfsbereite Art nicht verlor. Das ist nicht selbstverständlich.

Einsatz für die Schülerinnen und Schüler
Als Klassenlehrerin im Werkjahr setzte sie sich voll und ganz für ihre Schülerinnen und Schüler ein. So konnte sie auch erreichen, dass die meisten eine möglichst optimale Anschlusslösung nach der Volksschule finden konnten. Auch die Zusammenarbeit mit den Eltern war für sie wichtig. Sie legte für die RBK und auch für die KUF die Grundpfeiler der Schulischen Heilpädagogik. Ihrem grossen Einsatz ist es zu verdanken, dass dieses wichtige Angebot ausgeweitet wurde. Marianne Kaiser war während 23 Jahren ein wichtiges Teammitglied der RBK, welches Ideen einbrachte, die Gemeinschaft und das Miteinander schätzte und manchmal auch etwas hinterfragte. Ein grosses Anliegen war ihr auch das Wohlbefinden aller in der Schule involvierten Personen. Sie war dabei, wenn es darum ging, neue Ideen zu entwickeln, um den Schulalltag der Jugendlichen zu bereichern und den Klassengeist zu fördern. Auch für das Kollegium machte sie diesbezüglich vieles. Ihre Gastfreundschaft trug zu vielen schönen Begegnungen bei. Dass im Lehrerzimmer heute regelmässig eine kulinarische Stärkung vorhanden ist, ist ihr zu verdanken. Marianne Kaiser ist eine Frau, die sich immer viele Gedanken zum Beruf der Lehrperson gemacht hat: «Wer mit Jugendlichen arbeitet, braucht viel Geduld, Einfühlungsvermögen, und die Lehrperson muss sich auf Beziehung mit den jungen Menschen einlassen. Humor ist die Eigenschaft, die Lehrpersonen ermöglicht, immer wieder herausfordernde Situationen zu meistern. Ebenso ist ein Kollegium, das belastende Situationen mitträgt, unbedingt nötig. Als ein Privileg bezeichne ich, dass man mit jungen Menschen zusammen ist – sie sind die Zukunft unserer Gesellschaft.»

Wir werden Marianne Kaiser vermissen – nicht nur als Lehrerin, sondern auch als Kollegin und Freundin, die uns allen viel gegeben hat. Der Austausch mit ihr war für alle immer sehr wertvoll und bereichernd. Was wir alle sehr schätzen: Als SHP-Fachfrau mit einem kleinen Pensum werden wir sie an der KUF im nächsten Schuljahr immer wieder antreffen. Mit dem Entscheid, sich jetzt pensionieren zu lassen, hat Marianne Kaiser nun vermehrt Zeit für ihre Enkelkinder, Begegnungen mit für sie wichtigen Menschen, Ausflüge ins Tessin, Kurse bei der Pro Senectute oder für Hobbys, wie beispielsweise Radfahren und Schwimmen in den grossen Gewässern. Als kleines Zeichen der Wertschätzung erhielt Marianne Kaiser einen Rhyfälder Wickelfisch mit den Unterschriften der Schulleitung, der Verwaltung und vieler Lehrpersonen. Er soll eine bleibende Erinnerung von uns allen sein, verbunden mit einem grossen Dankeschön für ihren unermüdlichen Einsatz an der KUF. Es ist nicht einfach, ein so bewährtes Kollegiumsmitglied der Kreisschule Unteres Fricktal in die wohlverdiente Pension zu verabschieden …

* Standortleiterin RBK an der Kreisschule Unteres Fricktal (KUF)


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